Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
Foto: © Nikolas Söhnel-Cordt/CACEIS INTERVIEW Anja Maiberger | CACEIS 80 2/2026 | institutional-money.com Was sind denn für 2026 und 2027 die entscheidenden regulatorischen Bau- stellen für CACEIS Deutschland? ANJA MAIBERGER: Die Verkürzung des Abwicklungszyklus, bekannt unter dem Kürzel „T+1“, steht für die meisten in unse- rer Industrie zweifellos ganz oben auf der Agenda – auch für uns. Ebenso bleibt die europäische Central Securities Deposito- ries Regulation (CSDR) ein dominantes Thema. Auf der Broker-Dealer-Seite erwarte ich zudem weitere marktstrukturelle Ver- änderungen. All das sind wesentliche regulatorische Komplexe, mit denen wir uns intensiv auseinandersetzen. Bei Stichworten wie ESG, CSDR und EU-Taxonomie: Bietet CACEIS hier skalierbare Reporting-Lösungen an? ANJA MAIBERGER: Wir bieten diese Lösungen für unseren gesamten Kunden- stamm an. Als Teil der Crédit Agricole Gruppe verstehen wir uns als grüne Bank in Europa, das ist für uns gelebte Realität. Wir haben im Vorstand unserer Gruppe in Paris dedizierte Mitglieder, die sich aus- schließlich der strategischen Ausrichtung von ESG-Themen widmen. Der spürbare Rückgang des ESG-Fokus in den USA hat GXUFKDXV $XVVWUDKOXQJVHȬHNWH DXI (XURSD Aber unabhängig davon schreitet die nach- haltige Transformation in Europa weiter voran, wenn auch unter realistischeren Vorzeichen als noch vor wenigen Jahren. Für uns als Konzern bleibt ESG daher ein unumstößlicher strategischer Pfeiler – zumal wir dieses Thema schon sehr früh besetzt haben. Die Corporate and Investment Bank der Crédit Agricole ist nicht ohne Grund der größte Emittent von Green Bonds in Europa. Schon vor dem Inkrafttreten der europäischen Regu- lierung haben wir in Frankreich erste ESG-Reportings bereitgestellt. Demzu- folge verfügen wir über einen fundierten Track Record in dieser Hinsicht. Beeinflusst die transatlantische Spaltung hinsichtlich ESG, die Sie angedeutet haben, das Anlageverhal- ten Ihrer deutschen Kunden? ANJA MAIBERGER: In den USA ist die ESG-Thematik ohne jeden Zweifel merk- lich in denHintergrund getreten. In Europa hingegen bleibt sie strukturell relevant. Wenn wir an Investitionen in nachhaltige Infrastruktur, die Energiewende oder die strategische Souveränität Europas denken, so sind dies Felder, die nicht nur ESG- konform sind, sondern einer zwingenden wirtschaftlichen Eigenlogik folgen. Unsere Kunden in Deutschland verschließen die Augen nicht vor dem Gegenwind aus den USA, aber sie operieren im europäischen Regulierungsrahmen. Die Nachfrage ist weiterhin robust vorhanden. CACEIS wirbt mit Prinzipien wie „Human Centric“ und „Think Client“. WiestellenSiesicher, dassdieseWerte in einer stark wachsenden Organisa- tion nicht irgendwie verwässern? ANJA MAIBERGER: Es sind auf jeden Fall grundlegendeWerte, die unsereGruppe weltweit prägen. Ein Thema, das mir per- sönlich am Herzen liegt, ist die Frage, wie wir insbesondere jüngere Mitarbeitende begeistern und Asset Servicing für sie als attraktives Berufsfeld positionieren kön- nen. Die jüngeren Generationen erwarten Abwechslung. Wir alle tragen gemeinsam die Verantwortung für den Kunden, unab- hängig davon, welchen Report ein Kollege RGHU HLQH .ROOHJLQbHUVWHOOW Und wie gehen Siemit Fehlern um, vor denen doch Ihr Haus nicht gefeit sein wird? ANJA MAIBERGER: Hinsichtlich der Fehlerkultur vertrete ich eine klareHaltung: Man darf Prozesse nicht zu Tode absichern. Wenn sich ein Mitarbeiter fünfmal intern rückversichern muss, bevor er einem Kun- den antwortet, werden wir zu langsam. In unserem Geschäft ist Geschwindigkeit für den Kunden entscheidend. Fehler im Tagesgeschäft passieren leider, aber wenn sie passieren, werden sie schnellstmöglich korrigiert. Das ist mir wesentlich lieber, als wenn aus Sorge vor Fehlern gar keine Ent- VFKHLGXQJHQ JHWURȬHQ ZHUGHQ Ein klarer Branchentrend geht hin zu Offshoring und Shared Service Cen- tern. Wo zieht CACEIS Deutschland diesbezüglich bewusst rote Linien? ANJA MAIBERGER: Unsere deutschen Kunden werden von uns in deutscher Spra- che betreut. Das ist für uns ein Kernprinzip und absolut nicht verhandelbar. Der Kunde hat bei uns exakt zwei Ansprechpartner: einenRelationshipManager für strategische Themen sowie ein dezidiertes Serviceteam für das operative Tagesgeschäft. Beide Funktionen sind deutschsprachig und am Standort Deutschland angesiedelt. Daran wird sich nichts ändern, unabhängig davon, ob wir Shared Service Center in Luxem- burg nutzen oder einen neuen Hub in Malaysia betreiben. Direkte Kundenanrufe werden auch künftig nicht in diesen Hubs landen. Das ist meines Erachtens ein mar- kanter Unterscheidungsfaktor, über den wir verfügen. Bei anderen Großbanken wird man als Kunde nicht selten direkt in ein outgesourctes Callcenter im Ausland weitergeleitet, englischsprachig und weit entfernt vomoperativenAlltag. Deshalb lie- fern wir bewusst das Gegenteil. Wir haben uns entschieden, dass Qualität, Erreich- barkeit und lokale Nähe für uns einen höheren Wert haben als das letzte Quänt- chen Kostenoptimierung. Wiepositioniert sichCACEISDeutsch- land bei den Zukunftsthemen Digital Assets und Tokenisierung? » Eine rote Linie verläuft eindeutig bei den Kontrollprozessen. Diese dürfen und können nicht vollständig an Maschinen delegiert werden. « Anja Maiberger, Country Managing Director bei CACEIS Deutschland
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