Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
Foto: © Nikola Haubner Altersvorsorge STEUER & RECHT 2/2026 | institutional-money.com 263 erweckten, kurzfristiger Vermögensauf- bau seiAltersvorsorge, drohedasVertrauen in kollektive, langfristig angelegte bAV- Lösungen zu leiden. Garantieverzicht nur im Sozialpartnermodell Im deutschen System der betrieblichen Altersversorgung existieren Verträge mit vollständigem Garantieverzicht nur im Sozialpartnermodell (SPM) – und das ist bisher noch vielen Branchen vorenthalten. In anderen bAV-Formen sind die Beiträge zu 100 Prozent garantiert. Die umfangrei- che Förderung in Verbindung mit dem Garantieverzicht und den damit verbun- denen höheren Renditechancenmache die betriebliche Altersvorsorge daher im direk- ten Vergleich mit der privaten geförderten Vorsorge unattraktiver, erläuterte zudem aba-Geschäftsführer Klaus Stiefermann im Pressegespräch am Vortag der Tagung. Insbesondere bei noch laufenden Riester- verträgen innerhalb der bAV sehe man hier dringenden Nachbesserungsbedarf der Politik, ansonsten drohe eine Abwan- derung in private Altersvorsorgeverträge und ETF-Sparpläne. Viele Riesterverträge innerhalb der bAV bestünden heute noch vor allemimBereichder chemischenIndus- WULH LP%HUHLFKGHUĆȬHQWOLFKHQ9HUVRUJXQJ oder im Baugewerbe – diese würden laut StiefermannimGegensatzzuprivatenRies- terverträgen vielfach noch laufend bespart. Gleiche Bedingungen Für diesen Teilbereich fordert der aba- Geschäftsführer gleiche Bedingungen: „Arbeitnehmer mit Riester-Verträgen in der bAV können in die neue Förderung wechseln, abernur zumPreis einer 100-Pro- zent-Garantie. Und weiter: Es gebe seitens der bAV mit der privaten Altersvorsorge derzeit „kein Level Playing Field“, was mas- sive Auswirkungen auf die Fortführung von bAV-Verträgen und insbesondere auch auf die künftige Entgeltumwandlung vie- ler Arbeitnehmer haben könne: „Wir sehen diegroßeGefahrderVerschiebungvonGel- dern von der bAV in die private geförderte Altersvorsorge.“ Jeder Euro könne nur ein- mal ausgegeben werden. Dementsprechend forderte auch die Petry: „Bessere Renditechancen müssen in allen Durchführungswegen der bAV ermöglicht werden.“ Erodierende Ordnung Lilian Tschan, Beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), ging bei dieser Gelegen- heit zunächst auf dieRahmenbedingungen vonAltersvorsorgereformenvor deminter- nationalen Hintergrund von Kriegen XQG .RQijLNWHQ ĽH[SORGLHUHQGHQ (QHU - JLHSUHLVHQ XQG VWHLJHQGHU ,QijDWLRQĺ HLQ Die interne Ordnung erodiere und in der Gesellschaft und in der Wirtschaft sowie LQ GHU $UEHLWVZHOW EHljQGH PDQ VLFK LQ „einemtiefgreifendenWandel“. Es sollebei der Alterssicherung gerecht zugehen und dazu bekräftigte Tschan drei Elemente: Leistungsgerechtigkeit in der gesetzlichen Rente: „Die gesetzliche Rente ist eine Versicherungsleistungundkeine Sozialleis- tung“, soTschan.ZweitensdieMaßgabeder Finanzierbarkeit: Beiträge dürften Arbeit- geber undArbeitnehmer nicht übermäßig belasten und drittens eine verlässliche und stabile, langfristigeGrundlage: „Wir dürfen nicht länger wartenmit einer grundlegen- den Reform“, sagte Tschan. SPM in die Breite bringen DiebetrieblicheAltervorsorge sei der „beste Weg“, zusätzlich vorzusorgen. Gemeinsa- mesZiel sei es,möglichst vieleBeschäftigte von einer qualitativ hochwertigen Zusatz- UHQWH SURljWLHUHQ ]X ODVVHQ Ľ+HXWHKDW HWZD jeder zweite Arbeitnehmer Anspruch“ auf eine Betriebsrente. In der bAV gebe es insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und im Bereich der Geringverdiener aber weiterhin große Lücken. Die Staatssekretärin im BMAS verwies auf neue Möglichkeiten der Ver- breitung der reinen Beitragszusage im Sozialpartnermodell (SPM), die durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz II geschaf- fenwurdenundbereits auchangenommen würden. 'DV 6R]LDOSDUWQHUPRGHOO VHL Hȯ]LHQW VLFKHU undmitbestimmt, es weise „langfristig die Richtung, die die Betriebsrente nehmen wird“, so Tschan. Inzwischen seien über 30 Modelle implementiert, die von vier Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von 25 bis unter 67 Jahren (in Tsd. und in Prozent) Von den insgesamt 31,1 Millionen sozialversiche- rungspflichtig Beschäftigten imAlter von 25 bis unter 67 Jahren verfügte 2023 gut die Hälfte (52 Prozent) über eine bAV. Quelle: BMAS » Es ist zentrale Aufgabe der betrieblichen Altersversorgung, einen Beitrag zur Sicherung des Lebensstandards im Alter zu leisten, und nich als Instrument der Industriepolitik der Bundesregierung oder der EU-Kommission zu dienen. « Beate Petry, aba-Vorstandvorsitzende ohne BAV 14.946 (48%) mit BAV 16.129 (52%), davon: mit BAV Privatwirtschaft 10.292 (33%) mit ZÖD 4.533 (15%) ohne Zuordnung 1.304 (4%) ohne BAV 48% mit BAV Privatwirtschaft 33% mit ZÖD 15% ohne Zuordnung 4%
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=