Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
INTERVIEW Hagen Hügelschäffer | AKA 232 2/2026 | institutional-money.com Umlage- als auchKapitaldeckungsverfahren verwenden, wobei auch bei den Kapital- deckungsverfahren oftmals Flexibilität bei denBedeckungsanforderungenbesteht, und imRahmen der Umlageverfahren aufgrund der langen Deckungsabschnitte von bis zu 100 Jahren auch oftmals ein relevanter Kapi- talstock aufgebaut wird. Dadurch können unsere Kassen stärker inReal Assets investie- ren als viele andere institutionelle Investoren. Sie haben also einMischverfahren aus Umlage und Kapitaldeckung? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Das ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich, aber einige haben tatsächlich einMischverfahren – darunter auch sehr große, etwa die Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden im Verbund der Bayerischen Versorgungskammer. Dort werden neben Umlagen auch kapitalgedeckte Beiträge erhoben. Dasselbe gilt für die Kassen in den neuen Bundesländern. Die dortigenZusatz- versorgungskassen haben ja erst vor knapp 30 Jahren ihrenGeschäftsbetrieb aufgenom- men. Der größte Teil der Einnahmen geht in kapitalgedeckte Ansprüche, und dane- ben gibt es einen schmalerenBereich, der im :HJH GHU 8PODJH ljQDQ]LHUW ZLUG Der Zinsanstieg und die daraus resul- tierendenBewertungsverlustemachen insbesondere vielen Lebensversiche- rern und Pensionskassen zu schaffen. Wie reagieren Ihre Einheiten darauf? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Für unsere Kassen sind die Entwicklungen nicht von so großer Bedeutung, dawir einen sehr langfris- tigenAnlagehorizont zugrunde legen. Daher können die Rentenpapiere in den Portfo- lios gehalten werden, und Verluste werden nicht realisiert. Aufgrund der beschriebenen Finanzierungsverfahren sind Bedeckungser- fordernisse weniger relevant. Grundsätzlich WULȬW XQV DXFKQXU GHU ODQJIULVWLJH7UHQGXQG weniger kurzfristige Entwicklungen. Darin unterscheiden wir uns mit unserem Kern- JHVFKÌIW Ľ3ijLFKWYHUVLFKHUXQJĺ YRQ DQGHUHQ Anbietern. Zudem gibt es auch keine Stor- nomöglichkeit. Jemand kann zwar den ĆȬHQWOLFKHQ RGHU NLUFKOLFKHQ 'LHQVW YHUODV - sen, aber er kanndabei nicht denGegenwert seiner erworbenen Anwartschaften abzie- hen.Wir könnendaher die Fälligkeit unserer Betriebsrenten exakt prognostizieren. Wie ist das, wenn jemanderst bei Ihnen ist, in die Privatwirtschaft wechselt und dann wieder in den öffentlichen oder kirchlichen Dienst eintritt? Gibt es dann eine Art Portabilität bei der Zusatzversorgung? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Ja, die gibt es unter den bei der AKA versammelten Kassen. Bei einemWechsel zu einemneuen Arbeitgeber mit der damit einhergehenden Zuständigkeit einer neuen Zusatzversor- gungskasse ist die neueKasse zuständig. Und weil sie die alten Lasten mitträgt, bekommt sie auch das Kapital, das bei der alten Kasse DXIJHEDXW ZXUGH bĞEHUWUDJHQ Wie hat Sie der Zinsanstieg berührt? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Der im- mense Zinsanstieg – vor allem 2022 – hat natürlich Auswirkungen auf die Kapitalan- lagen gehabt und auch bei unseren Kassen so manche Anlage unter Druck gebracht. Aber insgesamt haben unsere Portfolios den Zinsanstieg durchgehend gut verkraftet. Der Grund ist, dass die Portfolios unserer Kassen bereits seit Längerem in Richtung Realka- pital, Aktien, Immobilien etc. umgebaut wurden. Die Rentenanlagen sindmit durch- schnittlich rund 50 Prozent relativ gering gewichtet, wie auch aus der mitgebrach- WHQ *UDljN KHUYRUJHKW VLHKH XQWHQ 8QG perspektivisch ist der Zinsanstieg ja sehr hilf- reich, umauchmit Rentenanlagen vonguter %RQLWÌW KĆKHUH 5HQGLWHQ ]XbHU]LHOHQ Haben Ihre Mitglieder auch ihr Alter- natives-Exposure ausgeweitet? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Ja, gerade in der Niedrigzinsphase haben unsere Kas- sen –wie viele andere Investoren auch – hier Exposure aufgebaut. Dazuwurden die Port- folios systematisch umgebaut, wobei wir die Quoten der AnlV berücksichtigen müs- sen. Daher haben wir auch die Änderung der AnlV Anfang 2025 begrüßt, wonach die Risikokapitalquote von 35 auf 40 Pro- zent erhöht und zudemeine fünfprozentige Infrastrukturquote – außerhalb der Risiko- NDSLWDOTXRWH ł JHVFKDȬHQ ZXUGH WiesiehtesausbeimImmobilien-Expo- sure?SindSie da schon amAnschlag? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Eigentlich nicht. Diemaximale Immobilienquote nach AnlVbeträgt 25Prozent. Bei unserenKassen ist das Immobilien-Exposure zuletzt zwar leicht gestiegen, aber da wäre noch Luft. Die BaFin prüft derzeit verstärkt die Risikotragfähigkeit und Kapitalaus- stattung von Pensionskassen. Wie gehen die AKA und deren Mitglieder damit um? HAGENHÜGELSCHÄFFER: UnsereKas- sen sind ja nicht BaFin-überwacht, aber Risikotragfähigkeit und die Auskömm- OLFKNHLW GHU )LQDQ]LHUXQJ XQG LQ GLHVHP 5DKPHQ GLH .DSLWDODXVVWDWWXQJ OLHJHQ DXFK imFokus der verschiedenenLandesaufsichts- behörden, die sich an die Praxis der BaFin anlehnen. Dazu muss ich sagen, dass die Mehrzahl unserer Zusatzversorgungskassen XPODJHljQDQ]LHUW EH]LHKXQJVZHLVH PLVFK ljQDQ]LHUW VLQG 'DULQ XQWHUVFKHLGHQ VLH VLFK von den Pensionskassen und Lebensversi- cherern. Diese Form der Finanzierung setzt JHZLVVHUPDĕHQ YRUDXV GDVV HV GHQ ĆȬHQW - lichen und auch den kirchlichen Dienst in irgendeiner Form immer geben wird, während privatrechtliche Einrichtungen vom Markt verschwinden können. Diese Ľ(ZLJNHLWVJDUDQWLHĺ HUODXEW HV XQVHUHQ Zusatzversorgungskassen, das Umlagever- fahren anzuwenden, da immer von einem gewissen Grad des Neuzugangs ausgegan- gen werden kann. Sie sprechen die Unterschiede der AKA-Kassen zuprivatrechtlichenEin- richtungen an. Gibt es noch weitere? HAGEN HÜGELSCHÄFFER: Die Syste- me der uns angeschlossenen Zusatzver- sorgungskassen sehen eine kollektive, solidarische Finanzierung mit der Mög- lichkeit von Beitragsanpassungen vor, und viele der Arbeitgeber sind insolvenzunfähig. Dadurch sind ein dauerhaftes Bestehen » Wir haben sehr lange Deckungsabschnitte von bis zu 100 Jahren. Dadurch können unsere Kassen stärker in Real Assets investieren als viele andere institutionelle Investoren. « Hagen Hügelschäffer, Geschäftsführer der AKA
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