Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Christoph Hemmerich Lisa König | Clearstream Fund Services Strategy INTERVIEW 2/2026 | institutional-money.com 141 QHXWUDO RKQH 1DPHQ XQG RKQH VSH]Llj - sche Produkte zu nennen, als Thought Leadership in den Markt zurückzugeben. Stichwort ETF-Vergütung: Neobroker wie TradeRepublic fordern nun eine Beteiligung an der Verwaltungsgebühr. Nimmt Clearstream dazu Stellung? LISA KÖNIG: Die Entwicklungen im ETF-Bereich spiegeln einen dynamischen und wachsenden Markt wider, der stark geprägt ist von der Beteiligung von Privat- anlegern und neuen Vertriebskanälen. Der verbesserte Zugang zu ETFs bringt mehr Anleger an die Kapitalmärkte. Das ist posi- tiv. Aus unserer Sicht bei Clearstream und der Deutsche Börse Group unterstützt die- ses Wachstum das übergeordnete Ziel, die europäischen Kapitalmärkte zu stär- ken. Das passt sehr gut zum erklärten Ziel der EU, Kapital von Spareinlagen in produktive, renditestarke Investitionen zu verlagern. Hierum geht es auch bei der Spar- und Investitionsunion. Ich glaube, unser aller größtes Interesse liegt darin, sicherzustellen, dass Gelder in europäische ,QYHVWPHQWV ijLHĕHQ :LU NRQ]HQWULHUHQ uns weniger auf einzelne kommerzielle Vereinbarungen und mehr darauf, sicher- zustellen, dass das gesamte Ökosystem VWDUN XQG Hȯ]LHQW EOHLEW XQG GLHVHQ Strukturwandel unterstützen kann. Letzt- HQGOLFK LVW HLQ ijRULHUHQGHU (7) 0DUNW HLQ entscheidender Faktor für die breitere Ent- wicklung der Kapitalmärkte – und genau darin sehen wir den größten langfristi- gen Wert. ETF oder aktiver Fonds: Wird tatsäch- lich eine Zeit kommen, in der ETFs alles dominieren? LISA KÖNIG: Wir sehen diesen Shift im Portfolio-Mix schon sehr deutlich. ETFs wachsen stärker als UCITS. Aber auch Alternative Fonds wachsen übrigens, das sehen wir ebenfalls an den Zahlen. Ich glaube, es wird einen kontinuierlichen Shift geben, aber ich glaube nicht, dass wir irgendwann nur noch über ETFs sprechen werden. Ein ETF-Investment ist super ein- fach. Es war übrigens auch das Erste, was ich mit 18 gemacht habe, und das Erste, was ich für meine Tochter angelegt habe. Ein schöner Sparplan, kein großer Auf- wand, eine halbwegs gute Rendite, fertig. Aber das ist nicht der Horizont für alle Anleger und alle Anlageziele, und hier braucht es weiterhin reguläre, aktiv gema- nagte Fondsprodukte oder beispielsweise auch Privatmarktanlagen mit diversem 5HQGLWHSURljO Sie nennen Private Markets ein Rie- senthema. Andere argumentieren, 80 Prozent der globalen Unternehmensfi- nanzierungen laufen ohnehin privat ab. Das ist also kein Nischenmarkt, son- dern die eigentliche Realität. Sehen Sie das auch so? LISA KÖNIG: Ja, aus der institutionellen Perspektive stimmt das absolut. Für den Endanleger bedeutet das aber zunächst einmal viel Risiko und wenig Liquidität. Und gerade angesichts der aktuellen geo- politischen Umstände weiß man nicht, was in sieben Jahren sein wird. Vielleicht muss ich früher an mein Geld, oder viel- leicht kann ich das zugesagte Kapital nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt abrufen. Das lässt Private Markets für den Privat- anleger noch immer mit einem großen Fragezeichen behaftet. Aber was es bedeu- ten könnte, wenn wir unser Geld, das sonst auf dem Girokonto schlummert, anteilig in produktives Kapital und somit beispielsweise auch für die Finanzierung und Beteiligung von Privatmarktanlagen nutzen würden, und was das für Deutsch- land oder auch Europa bedeuten könnte, da denken viele viel zu klein. Wir sehen in Deutschland so viele vielversprechende Fintech-Strukturen, in die zum Beispiel Universitäten jahrelang Arbeit reinstecken und wirklich Innovatives entwickeln, sei es bei Batterielaufzeiten oder in denMaterial- wissenschaften. Es wäre schön, wenn diese Unternehmen hier auch weiterwachsen und dauerhaft zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Institutionelle Investoren erreichen Sie in der Regel nicht direkt, son- dern über globale Verwahrstellen wie HSBC, State Street oder BNP Pari- bas. Wie funktioniert dieses Modell in der Praxis? LISA KÖNIG: Wir haben drei Kernser- vicebereiche: den Fondsvertrieb, also alles, ZDV 1DFKIUDJH XQG $QELQGXQJ EHWULȬW Abwicklung und Settlement, was das klas- sische Clearstream-Kerngeschäft aus der Zentralverwahrer-Position heraus ist, und dann die sogenannten Value Added Ser- vices wie Reporting, Daten und Insights. Unsere Hauptkunden sind hier Retailban- ken, Commercial Banks, Private Banks und große Wealth Manager. Aufgrund unserer Stellung als Zentralverwahrer und somit zentrale Abwicklungsinfrastruktur in Europamachenwir einen großen Teil unse- res Geschäfts zudem mit großen globalen 9HUZDKUVWHOOHQ DOVR KÌXljJ GHQ 6HUYLFH - dienstleistern der institutionellen Kunden. Wir haben zum Beispiel eine große Part- nerschaft mit der HSBC. Und unser Credo dabei ist:Wir befähigen dieHSBC, Vertrieb XQG $EZLFNOXQJ Hȯ]LHQW IĞU LKUH LQVWLWX - tionellen Kunden zu erledigen, Aufgrund der Treuhandrolle, die bei Versicherun- gen immer zwischengeschaltet und extern eingekauft werden muss, ist eine direkte Anbindung für uns zum Beispiel schwie- » Ich glaube, unser aller größtes Interesse liegt darin, sicherzustellen, dass Gelder in europäische Investments fließen. « Lisa König, Head of Clearstream Fund Services Strategy

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