Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

INTERVIEW Lisa König | Clearstream Fund Services Strategy 142 2/2026 | institutional-money.com rig. Pensionskassen und Pensionsfonds hingegen können direkt angebunden sein. Das ist für kleinere institutionelle Pools im Fondsvertrieb auch durchaus interessant, weil sie dann direkt auf eine Plattform zugreifen können, auf der bereits 90.000 Fonds zu vorverhandelten Konditionen gelistet sind. Sie sitzen gewissermaßen wie eine Krake im Netz vieler Transaktions- daten. Wie nutzen Sie diese Daten, und wo liegt dabei die Grenze zwi- schen erlaubtem Mehrwert und Interessenkonflikt? LISA KÖNIG: Das ist für uns gerade eine der spannendsten strategischen Fragen. Wir unternehmen schon lange sehr viel imope- rativen Bereich. Daten aus dem Settlement mit KVGs und Transfer Agents abzuglei- chen, ist enorm wichtig, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden. Aber seit etwa drei Jahren versuchen wir struk- turierter vorzugehen, mit Katalogen, der richtigenGovernance und einer Systemhar- monisierung, umunsere proprietärenDaten wirklich zusammenzutragen. Als zentra- ler Knotenpunkt im Markt sehen wir sehr viel, und es wird auf globaler Ebene immer mehr. Wir müssen aber die Balance hal- ten. Wir wollen neutral bleiben und keine Anlageberatung geben. Wir dürfen keine Bankgeheimnisse verletzen. Das heißt, alles muss anonymisiert und aggregiert, aber mit einem echten Mehrwert an den Markt zurückgegeben werden. Für Asset Manager ist es zumBeispiel hochinteressant, ihre Ver- triebsaktivitäten gezielter auszusteuern, zum Beispiel zu analysieren, welche Produkte etwa in Deutschland gut laufen. Das ist die Art vonVertriebsoptimierung, diemit unse- ren Daten möglich ist. Wir sind auf dem richtigen Weg und investieren in kontinu- ierliche Datenaufbereitung. Clearstream ist als kritische Finanz- marktinfrastruktur eingestuft. Welche Bedeutung hat das für die Aufsicht und das Risikomanagement im Fondsbereich? LISA KÖNIG: Grundsätzlich betrachten wir Clearstream hier als Ganzes. Wir wer- den von der BaFin beaufsichtigt. Durch unsere Stellung als Zentralverwahrer unter- liegen wir zusätzlich dem CSD-Regime, also einer gesonderten Regulierung. Für unsere internationale Rolle arbeiten wir eng mit der CSSF in Luxemburg zusam- men, hier in Deutschland mit der BaFin und den deutschen Instituten. Das läuft KDUPRQLVLHUW (V JLEW NHLQH IRQGVVSH]Llj - schen Sonderregeln, sondernwir versuchen die höchsten Standards über das gesamte Geschäft hinweg zu halten. Und das ist auch notwendig. Als Infrastruktur sind wir systemkritisch für alle unsere Kunden. Wir wissen das und sind uns dieser Rolle sehr bewusst. Das zeigt sich auch daran, GDVV ZLU Hȯ]LHQWH &RPSOLDQFH XQG 5LVLNR - managementteams haben und regelmäßig überprüft werden. Das ist eine sehr enge $XIVLFKW GLH VWDWWljQGHW Die BaFin hat in der Vergangenheit Mängel bei Clearstream-Tochter- gesellschaften adressiert, etwa bei Liquiditätssteuerung, Auslagerung und Risikomanagement. Was sagen Sie einem institutionellen Investor, der sich fragt, ob daraus ein systemisches Risiko werden könnte? LISA KÖNIG: In Europa liegen wir mitt- lerweile bei mehr als 25 Billionen Euro an Fonds im Vertrieb. Und es gibt viele Verwahrstellen und viele Anbieter wie Clearstream und weitere Plattform- und Infrastrukturanbieter, die alle relativ simultan ähnliche Dienstleistungen erbringen können. Die Varietät für einen institutionellen Investor, wen er für sein Outsourcing nutzt, ist also immer gege- ben. Was wir aber alle anstreben sollten, ist eine gewisse Standardisierung. Denn die Fragmentierung zwischen den ein- zelnen Ländern ist enorm, nicht nur, aber besonders im Fondsbereich, weil wir so viele Intermediäre haben. Wenn alle unterschiedliche Settlement- und Abwick- lungssysteme nutzen und verschiedene Vertriebswege fahren, wird es schwierig, als Europa insgesamt zu skalieren. Ich sehe das also weder als Konzentrationsrisiko noch als monopolistische Stellung. Das Bild ist eher sehr divers und würde enorm GDYRQ SURljWLHUHQ ZHQQ ZLU DOOH VWÌUNHU standardisieren würden. Clearstreamwill gleichzeitig „Maschi- nenraum der ETF-Abwicklung“ und „Preferred Settlement Location“ in Europa sein. Wo verläuft die Grenze zwischen sinnvoller Marktstandar- disierung und einer dominanten Marktstellung? LISA KÖNIG: Im grenzüberschreitenden ETF-Abwicklungsumfeld spielen heute wenige große Infrastrukturanbieter eine zentrale Rolle. Sollte es eine Preferred Settlement Location in Europa geben? Ja, sofern damit keine Abschottung gemeint LVW VRQGHUQ RȬHQH LQWHURSHUDEOH 6WDQGDU - disierung. Wir arbeiten mit Partnern und anderen Anbietern im Markt, auch Wett- bewerbern zusammen. Bei bestimmten Themen hat man wirklich angefangen, sich insbesondere unter der europäi- schen Flagge eng zusammenzutun. Die CSD-Konnektivität etwa durch Target2 Securities, das Zentralbankgelder für die Abwicklung nutzt, ist ein wichtiger Bau- stein für die Überwindung nationaler Fragmentierung in der Wertpapierabwick- lung. Hinter einemETF steht operativ eine komplexe und bei grenzüberschreitender Abwicklung kostenintensive Infrastruktur. Es ist ein Niedrigmargenprodukt, das WHXHU XQG LQHȯ]LHQW ZLUG VREDOG HV /ÌQ - dergrenzen überschreitet. Und wenn wir irgendwann über T+0 reden wollen, geht » Als Infrastruktur sind wir systemkritisch für alle unsere Kunden. Wir wissen das und sind uns dieser Rolle sehr bewusst. « Lisa König, Head of Clearstream Fund Services Strategy

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