Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
THEORIE & PRAXIS Schiefe Renditeverteilung 118 2/2026 | institutional-money.com Eine frühere Studie zeigte bereits, dass langfristige Aktienrenditen nicht annähernd gleich verteilt sind. Inzwischen fällt die Verteilung noch extremer aus. Nur wenige Firmen sind demnach für die Outperformance des Aktienmarktes verantwortlich. 100 JAHRE SCHIEFE US-RENDITEN EIN EINZIGES BÖRSENNOTIERTES US-Unternehmen ermöglichte es Anlegern in den letzten 100 Jahren, aus einem Anfangsinvestment von einem US-Dollar nominal mehr als eine Million Dollar zu machen. Dabei handelt es sich – für viele Investoren vielleicht überraschend – um den Tabakkonzern Altria, der früher Phi- lip Morris hieß. Das geht aus der neuen Studie des Finanzmarktforschers Hendrik Bessembinder von der Arizona State Uni- versity hervor („One Hundred Years in the U.S. Stock Markets“). Darin untersucht er die umfassende Datenbasis des Center for Research in Security Prices (CRSP), die an der NYSE, AMEX und NASDAQ notierte Wertpapiere beinhaltet. Starke Konzentration Das Besondere an der Studie ist ihr Unter- suchungszeitraum. Die verfügbare Historie der CRSP-Daten beginnt im Januar 1926 und umfasste Ende 2025 genau 100 Jahre. Dabei hatte Professor Bessembinder schon 2018 seine Vorgängerstudie „Do Stocks Out- SHUIRUP 7UHDVXU\ %LOOV"ĺ YHUĆȬHQWOLFKW GLH einen Zeitraum von 91 Jahren abdeckte („Erstaunlich schief“, Institutional Money Ausgabe 3/2020). Damals kam er zu dem klarenErgebnis, dass dieVerteilung der lang- fristigen Renditen stark rechtsschief ist. Das zeigte sich vor allem daran, dass die Hälfte der gesamten Wertschöpfung am Aktien- markt inHöhe von 43 Billionen US-Dollar, die über den risikolosen Zins hinaus erzielt ZXUGH DXI QXU 8QWHUQHKPHQ HQWljHO Bis heute hat diese starke Konzentration weiter zugenommen. Über 100 Jahre kommt die neue Studie zum Ergebnis, dass nur noch 46 Firmen für die Hälfte der Wertschöpfung von inzwischen 91 Bil- lionen US-Dollar verantwortlich waren. $OOHUGLQJV VFKDȬWHQ GLH ZHQLJVWHQ 8QWHU - nehmen das 100-jährige Jubiläum. Die durchschnittliche Verweildauer einer Aktie in der Datenbank liegt bei 11,7 Jah- ren, der Medianwert beträgt sogar nur 6,8 Jahre. Das verdeutlicht, dass viele Aktien früher oder später wieder vomAktienmarkt verschwinden – sei es aufgrund von Fusio- nen, Übernahmen oder Pleiten. Der damit verbundene Survivorship Bias wurde ent- sprechend berücksichtigt. Zwei Analysemethoden Im Untersuchungszeitraum von Januar 1926 bis Dezember 2025 existierten den CRSP-Daten zufolge insgesamt 29.754 Aktien von 29.081 US-Unternehmen. Die Diskrepanz lässt sich damit begründen, dass einige Unternehmen mehrere Aktienklas- » US-Aktien schufen in den letzten 100 Jahren einen Mehrwert von 91 Billionen US-Dollar. « Hendrik Bessembinder, Francis J. und Mary B. Labriola Chair in Competitive Business and Professor, W.P. Carey School of Business, Arizona State University
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