Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Good Studio | Adobe Stock LEUCHTTURM-ANALYSEN 34 2/2026 | institutional-money.com Wieesscheint,führt jede Wirtschafts- oder Finanzkrise dazu, dass über die Branchenochmehr Regulierungherein- bricht, ohne dass dadurchausgeschlossenwerdenkann, dass nicht neuerlich ein unentdeckter Unfall à la Wirecard oder Credit Suisse passiert, der dann teuer unter Einsatz von Steuermitteln applaniert werden muss.EU -Aufsichten–diesogenannten ESAs (European Supervisory Authori- ties – EBA, EIOPA und ESMA), der bei der EZB angesiedelte ESRB (Europäi- scher Ausschuss für Systemrisiken – European Systemic Risk Board) und die nationalen Aufsichten bilden das Europäische Finanzaufsichtssystem (EuropeanSystemofFinancialSupervi- sion–ESFS),dasvondenGesetzgebern immer mehr Aufgaben übertragen erhält und sich daher ausbreitet, wie es bei nationalen und supranationa- len Verwaltungseinheiten üblich ist. Gerade erst vor Kurzem ließ Brüssel vernehmen, dass die EU-Kommission im nächsten Finanzrahmen, der bis Mitte 2027 stehen muss, 2.500 neue Verwaltungsstellen schaffenwill. Auch beidenEU-FinanzaufsichtenistmitAuf- stockungen zu rechnen. Gemäß den noch heute herrschenden kameralistischen Ansätzen werden Budgetrahmen mit jährlichen Aufwer- tungenfortgeschrieben,stattdassman den Mut hat, Zero-Based Budgeting einzuführen. Hier werden zuerst die Aufgaben, die es zu erfüllen gilt, defi- niert und dann die Mittel – personelle wie finanzielle Ressourcen – zur Errei- chung dieser Ziele zugeteilt. Dochweit gefehlt – mit jeder neuen Aufgabe werden neue Stellen geschaffen und Budgets erweitert. Eine Tabelle* über die jährliche Ent- wicklungderVollzeitstellenäquivalente der drei ESAs (EIOPA, ESMA und EBA) sowie der Aufsichten BaFin, FMA Österreich, FINMA in der Schweiz, der britischen FCA sowie der amerikani- schen SEC in den letzten zehn Jahren zeigt, wie sich die Zahl der Aufseher in deneinzelnenStaatenundBrüsselent- wickelt hat. DieDatenbasierenauf den jeweiligen Jahresberichten und wur- denmitKI-Unterstützungausgewertet. Die annualisierten Wachstumsraten der in den Aufsichten Beschäftigten spiegeln die zunehmenden regulato- rischen Anforderungen insbesondere bei den ESAs wider, die durch neue Kompetenzen stark gewachsen sind. An vorderster Stelle ist die ESMA zu nennen: Aufsicht über Ratingagentu- ren und Kryptodienstleister, aber auch Transaktionsregister und kritische Benchmarks hinterlassen deutliche Ausweitungsspuren. Bei EIOPA sind es dieSolvency-II-ReformenunddasPen- sionsthema,beiderEBAderUmzugvon London nach Paris und der Brexit. Des Weiteren fällt auf, dass sich die natio- nalen Aufsichten in der DACH-Region bei Personalaufstockungen mit jähr- lichen Steigerungsraten von 2,5 bis 3,0 Prozent eher zurückhaltend ver- hielten. Wenig erstaunlich, liegt die SEC am unteren Ende der Tabelle mit einemannualisiertenZuwachsvon1,53 Prozent. Sieht man sich hier die Jah- resveränderungenan, so fällt auf, dass demokratische Administrationen den Personalstand eher ausweiten, wäh- rend die Republikaner auf der Bremse stehen. Unter Trump I (2017 bis 2020) schrumpfte die Zahl der SEC-Beschäf- tigtenumfastvierProzent,währendsie indenerstendreiJahrenderRegierung Biden umgut acht Prozent zunahm. Neue Aufgaben Dem nicht genug, kommen auf die EU neue selbst gewählte Aufgaben zu. Das Bild ist dabei zweigeteilt: Während die klassischen EU-Agenturen durch neue Regulierungen wie den AI Act und MiCAR sowie DORA (digitale Resi- lienz) weiterwachsen, entstehtmit der AMLA (Geldwäschebehörde) und 400 bis 500 Stellen in Frankfurt ein neuer personellerSchwerpunkt.BeiderBaFin ist ein Personalaufbau imRahmen der Verstärkung der IT-Aufsicht und der Umsetzung der nationalen Digitalisie- rungsstrategie in Umsetzung, und die FINMAhatzuletzt100neueMitarbeiter infolgedesCS-Desasters undderUBS- CS-Integration eingeplant. Bei der FCA will man sich auf Effizienzsteigerung nach dem starken Post-Brexit-Aufbau ab 2014 fokussieren. Das alles signalisiert: In Europa geht der Aufbau der Regulierungsbürokra- tieweiter.WieeinWasseraufsaugender Schwamm zieht man neue Aufgaben an und weitet die personelle Ausstat- tung aus. In den USA besteht die Chance, die Selbstregulierungskräfte des Marktes stärker arbeiten zu las- sen.WieüberhaupteineDurchforstung des ausufernden Meldedschungels und dessen Zusammenstreichung angebracht erscheint, wenn man mit Verantwortungsträgern der Finanz- branche Hintergrundgespräche führt. Denn weniger ist oft mehr, wenn man den Fokus auf die wirklich wichtigen Aggregate legt und Abweichungen vonderenEntwicklungspfadbereits im Ansatz analysiert. Was wäre zum Bei- spiel dem spanischen Finanzsystem und den Bürgern erspart geblieben, wenn man den Immobilienkreditboom der 2000er-Jahre, der 2008 schließ- lich platzte, rechtzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen hätte. Dazubrauchtesfreilichbestensausge- bildeteundüberJahrzehnteerfahrene Praktiker als Aufseher, die dieBranche und ihren Spieltrieb kennen und am Ende ihrer Karriere diese als Dienst an derGemeinschaft zuverstehendeAuf- gabe übernehmen. *online unter: https://l1nq.com/vzelnvy DER GANZ NORMALE REGULIERUNGSWAHNSINN DR. KURT BECKER

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