Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

PRODUKTE & STRATEGIEN Gold 222 2/2026 | institutional-money.com genauso und ergänzt: „Der Goldpreis steht aktuell primär im Fokus der geopoliti- schen Gemengelage. Mittelfristig schaue LFK DEHU YHUVWÌUNW DXI GLH ,QijDWLRQV XQG Zinsentwicklung. Daraus leite ich weiteres Potenzial für den Goldpreis ab.“ Ein „Blick in die Glaskugel“ verbiete sich eigentlich, da der Goldpreis immer stärker von disruptiven oder geopolitischmaßgeb- OLFKHQ (UHLJQLVVHQ EHHLQijXVVW ZHUGH GLH in immer schnellerer Abfolge auftreten, erklärt Paschen. Dennoch erstellt sein Team wöchentlich eine Gesamtschau, in der es um Themen wie Käufe am Markt, för- derfähiges Volumen, Geopolitik und die Maßnahmen des US-Präsidenten geht. „Da gibt es eigentlich kein Teuer oder Günstig“, sagt Paschen. Und relativiert: „Heute sagen wir, dass die weltpolitische Lage und eine mittelfristige politisch motivierte Zinskor- rektur nach unten Gold eher noch weiter verteuern könnte. Mit einem Preisanstieg wie 2025 rechnen wir allerdings nicht.“ Kurzfristige Volatilität Auch Signal-Iduna-Portfoliomanager Baumbach sieht den Goldpreis von einer Vielzahl ökonomischer und politischer )DNWRUHQ EHHLQijXVVW .XU]IULVWLJ HUZDUWHW er eine etwas volatilere Preisentwicklung. „Mittel- bis langfristig sind die Aussichten aus meiner Sicht jedoch weiterhin positiv“, sagt er. „Gold hat durchaus die Möglich- keit, weiter zuzulegen, wenn auch nicht mehr in der extremenGeschwindigkeit wie zuletzt“, sagt Wrzesniok-Roßbach. „An der grundlegendenAusgangssituation habe sich nichts geändert. Die strukturelleNachfrage, insbesondere durch Zentralbanken, sei wei- terhin intakt. „Die einzige echte Gefahr für den Goldpreis wäre, wenn Zentralbanken abrupt zu kaufen aufhören würden – und das sehe ich nicht. Selbst bei Rücksetzern steigen Anleger immer wieder neu ein – das spricht für eine stabile Nachfragebasis.“ Röder sieht ein wesentliches Risiko für Goldinvestments in einem länger anhal- tenden Umfeld steigender Realzinsen, zum Beispiel durch eine über einen längeren Zeitraum restriktive Geldpolitik. „Darü- ber hinaus kann eine anhaltende Stärke des US-Dollars die Nachfrage dämpfen, ins- besondere außerhalb des Dollarraums“, fügt er hinzu. „Das Zinsrisiko ist mittelfristig aus meiner Sicht das relevanteste Risiko“, sagt Baumbach. „Sollten jedoch ein aus- ufernder Schuldenaufbau oder eine stark HUKĆKWH ,QijDWLRQ GHU $XVOĆVHU IĞU GLH =LQV - erhöhung sein, somuss das nicht unbedingt in Summe negativ für den Goldpreis sein.“ Beide Lesarten – Neubewertung und über- füllter Trade – schließen einander nicht aus, sie beschreiben unterschiedliche Zeithorizonte. Wer kurzfristig auf den Goldmarkt blickt, sieht die Merkmale eines überfüllten Trades: eine historisch hohe spekulative Positionierung, Fondsmanagerumfragen, die Gold als Konsenswette ausweisen, und eine Preisdynamik, die selbst erfah- rene Marktteilnehmer als fundamental nicht gerechtfertigt bezeichnen. Wer den Blick weitet, erkennt jedoch, dass sich die Nachfragestruktur seit 2022 grundlegend verschoben hat. Zentralbanken kaufen nicht aus spekulativen Motiven, sondern aus strategischen – und diese Entschei- dungen werden nicht bei der nächsten Korrektur revidiert. Entscheidend ist des- halb die Unterscheidung: Die kurzfristige Preisbewegung kann übertrieben sein, ohne dass die langfristige Neubewertung dadurch infrage steht. Für institutionelle Investoren bedeutet das, dass der Ein- stiegszeitpunkt taktisch relevant bleibt, die strategische Allokationsentscheidung aber von den kurzfristigen Bewertungssi- JQDOHQ ZHLWJHKHQG XQDEKÌQJLJ JHWURȬHQ ZHUGHQbVROOWH Widersprüchliche Signale Unterm Strich bleibt Gold eine Asset- klasse mit widersprüchlichen Signalen. Die strukturellen Treiber – von geopolitischer Unsicherheit über hohe Staatsverschuldung bis hin zu anhaltenden Zentralbankkäufen – sprechen weiterhin für eine strategi- sche Rolle im Portfolio. Gleichzeitig hat die starke Preisentwicklung die kurzfris- tigen Risiken erhöht. Für institutionelle Investoren bedeutet das: Gold ist weder ein Selbstläufer noch ein reiner Krisenhedge, sondern ein Baustein, dessenWirkung stark vom Kontext abhängt. Entscheidend ist dabei die Frage nach Funktion und Gewichtung im Gesamt- portfolio. Gold kann Stabilität bringen, aber nicht in jeder Marktphase – und nicht ohne Schwankungen. Kurzfristig spricht die hohe Marktpositionierung für eine erhöhte Rückschlagsanfällig- keit, strukturell bleibt das Umfeld jedoch unterstützend. DAVID VERBEEK Nahezu perfekter Diversifikator? Korrelation von Gold mit anderen Assetklassen Die Tabelle zeigt die langfristig geringe Korrelation von Gold mit den meisten Anlageklassen in den vergangenen 35 Jahren. Weder Aktien noch Anleihen oder Immobilien bewegten sich langfristig eng im Gleichlauf mit dem Edelmetall. Zum Dollar ist Gold negativ korreliert. Quelle: Gold Prosperity Hub, Gold vs. Stocks vs. Bonds: A 2025 Correlation Deep Dive, 2025 S&P 500 (US-Aktien) 0,10 Sehr geringe Korrelation Internationale Aktien 0,15 Sehr geringe Korrelation US-Staatsanleihen 0,55 Nahe null REITs (Immobilien) 0,12 Sehr geringe Korrelation US-Dollar-Index -0,35 Negative Korrelation Rohstoffe allgemein 0,25 Geringe Korrelation

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