Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Fragold Gold PRODUKTE & STRATEGIEN 2/2026 | institutional-money.com 219 „SO EINEN STEILEN und schnellen Anstieg habe ich in 40 Jahren noch nicht erlebt“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Geschäftsführer des Goldberatungshauses Fragold. Die Rallye der vergangenen Jahre hat das Edelmetall zu Jahresbeginn auf neue Rekordniveaus geführt. Der Anstieg erfolgte ungewöhnlich schnell, getragen von geopolitischen Spannungen, rekordhohen Zentralbankkäufen und Unsicherheit über die Stabilität des globalen Finanzsystems. Doch nicht erst seit der Korrektur Anfang dieses Jahres mehren sich skeptische Stimmen und Hinweise auf eine hohe Marktpositionierung und mögliche Über- treibungen. So bezeichnete RBC Wealth Management bereits 2024 Gold auf Basis klassischer Bewertungsmaßstäbe als überbe- wertet. Vergangenes Jahr und dann wieder Anfang 2026, kurz vor der Korrektur, klassi- lj]LHUWH GLH %DQN RI $PHULFD GDV (GHOPHWDOO nach Umfragen unter Fondsmanagern als einen der „most crowded trades“. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsaus- gleich verwies auf phasenweise Anzeichen spekulativer Übertreibung. Die Kapitalströme spiegeln die hohe Nach- frage wider: Physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten in den vergangenen Jahren ZLHGHUKROW GHXWOLFKH =XijĞVVH ZÌKUHQG die spekulative Positionierung an den Ter- minmärkten zeitweise nahe historischer Höchststände lag. Kurzfristig sprechen vor allem steigende Realzinsen gegen weiter deutlich steigende Goldpreise. Dem stehen jedoch starke strukturelle Argumente gegenüber: Die Nachfrage durch Zentralbanken hat histo- rische Höchststände erreicht, und Gold gewinnt im Zuge geopolitischer Span- nungen zunehmend an Bedeutung als Reserveasset. „Wir stehen beim Gold in der Phase einer fundamentalenNeubewertung“, sagt Wrzesniok-Roßbach. Für Investoren ergibt sichdaraus ein Spannungsfeld, indem taktische Einschätzungen und strategische Allokationsentscheidungen stärker ausein- DQGHUNODȬHQ DOV LQ IUĞKHUHQ0DUNWSKDVHQ (LQ ZLFKWLJHU (LQijXVVIDNWRU IĞU *ROG LVW das makroökonomische Umfeld. Kurzfris- tig wirken steigende Realzinsen belastend, da sie zinslose Assets wie Gold relativ weni- ger attraktiv machen. „Steigende reale Renditen erhöhen die Opportunitätskos- ten von Gold“, sagt Oliver Röder, Head of Institutional Sales bei Erste Asset Management. Allerdings hat sich die lange Zeit stabile inverse Beziehung zwi- schen Goldpreis und realen Zinsen seit 2022 sichtbar abgeschwächt. Trotz deutlich gestiegener Realzinsen konnte Gold weiter zulegen – ein Hinweis darauf, dass struktu- relle Faktoren wie Zentralbankkäufe und geopolitische Risiken an Bedeutung gewin- nen. Vor allem Zentralbanken haben ihre Käufe in den vergangenen Jahren deut- lich ausgeweitet. Motive sind vor allem die zunehmende geopolitische Fragmentierung und der Wunsch vieler Länder, ihre Wäh- UXQJVUHVHUYHQ EUHLWHU ]X GLYHUVLlj]LHUHQ XQG das starkeGewicht vonUS-Treasuries zu ver- ringern. Anders als in früherenZyklenwird dieNachfrage damit nichtmehr primär von Schmuck oder kurzfristigen Investmentströ- men bestimmt, sondern zunehmend von strategischen Allokationsentscheidungen staatlicher Akteure. 2022 und 2023 erreich- ten die Nettokäufe der Zentralbanken jeweils Rekordwerte und lagen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. „De-Dollarisierung bedeutet nicht, dass der Dollar verschwindet. Schon kleine Umschichtungen der Reserven in Gold UHLFKHQ DXV XP HLQHQ HUKHEOLFKHQ (ȬHNW auf den Markt zu haben“, sagt Wrzesniok- Roßbach. Gerade in einem Markt mit begrenztem Angebot können zusätzliche Nachfrageimpulse überproportionale Preis- bewegungen auslösen. Hinzu kommt, dass die Angebotsseite wenig elastisch ist. Die globale Goldför- derung wächst seit Jahren nur moderat, während zusätzlicheNachfrage unmittelbar auf den Markt durchschlägt. In einem sol- chenUmfeld können selbst vergleichsweise kleine Verschiebungen in der Asset Alloca- tion stark auf die Preise wirken. Gold hat heute eine erheblich breitere Nachfragebasis über verschiedene Investo- rengruppen hinweg. „Heute gibt es sehr viel mehr Nachfrage von mehr Seiten als früher: von institutionellen Investoren, Zentralbanken und Privatanlegern“, sagt Wrzesniok-Roßbach. Gleichzeitig zeigt sich eine Verschiebung in der Marktstruk- tur. „Zentralbanken sind in den letzten Jahren verstärkt als Käufer aufgetreten, und Privatanleger beziehungsweise semi- institutionelle Anleger haben den Trend besonders im letzten Jahr stark befeuert“, Überfüllter Trade Gold überholt Mag 7 Laut Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern löste Gold die „Mag 7“ als „überfülltester Trade“ ab. Quelle: YahooFinance,BofAGlobalFundManagerSurvey,Juni2025 » Wir stehen beim Gold in der Phase einer fundamentalen Neubewertung. « Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Fragold Was ist Ihrer Meinung nach derzeit der überfüllteste Trade? 0% 10% 20% 30% 40% Long Gold Long Magnificent 7 Short US-Dollar Long EU-Aktien Short 30-jährige US-Treasuries Sonstige 1 % 4% 10% 20% 23% 41 %

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