Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Flossbach von Storch PRODUKTE & STRATEGIEN Consumer Staples 200 2/2026 | institutional-money.com die früher stärker von Anleihen besetzt war. Sie liefern laufende Erträge, reagie- UHQ DEHU ]XJOHLFK ijH[LEOHU DXI ,QijDWLRQ und Unternehmensentwicklung. Daraus entsteht ein Baustein, der Stabilität bringt, ohne vollständig auf Wachstum verzichten zu müssen. Selektion wird entscheidend So überzeugend die Argumente für den Sektor erscheinen, sowenig sindConsumer Staples ein homogener „Safe Haven“. Die Unterschiede zwischen einzelnen Unter- nehmen haben deutlich zugenommen und damit auch die Anforderungen an die Selektion. Als entscheidende Unterscheidungsmerk- male nennt Jäger Managementqualität, Kapitalallokation und strategische Aus- richtung. So habe Flossbach von Storch seine Position in Nestlé deutlich reduziert, weil unter dem ehemaligen CEO eine Viel- zahl von Zukäufen stattfand, die nicht nur den „Fokus vomWesentlichen ablenk- ten, sondern auch zu Kostenbelastungen und vor allem einer Verschlechterung der Bilanz führten“. Mit dem neuen Manage- ment dagegen besinne sich der Konzern wieder auf die großen, ertragbringenden 0DUNHQ XQG RSHUDWLYH (ȯ]LHQ] $XFK das neue Management von Unilever kon- zentriere sich auf die wichtigen Treiber. Fokus und Agilität sollten den Unterneh- men helfen, sich den schneller werdenden Trends besser anpassen zu können, ohne die Schlagkraft von globalen Marken im Portfolio zu verlieren. „Generell sindGröße und Marktanteil weniger bedeutend als Anpassungsfähigkeit.“ Scale und Internationalität Schulte dagegen betont die Größe als ent- scheidenden Faktor und sieht die großen, etablierten Namen als die attraktiveren ,QYHVWPHQWV LP 6HNWRU Ľ*OREDOH 0DUNHQ wie Coca-Cola stehen im Vordergrund, weil sie eine enorme Preissetzungsmacht KDEHQĺ HUNOÌUW HU 'DEHL VSLHOW DXFK ,QWHU - nationalität eine wichtige Rolle: „Globale Konsumkonzerne sind ein sehr guter Weg, die Entwicklung der Emerging Markets zu spielen, weil sie schnell deren Potenzial abschöpfen können.“ Besonders deutlich wird das im Vergleich zwischen Herstellern und Händlern. Während Markenhersteller stärker unter verändertem Konsumverhalten und Kon- kurrenz durch Eigenmarken leiden, SURljWLHUHQ JURĕH +DQGHOVNHWWHQ YRQ LKUHU Nähe zum Kunden und ihrer Einkaufs- macht. Unternehmen wie Walmart oder Costco nutzen ihre Größe und Daten, um 3UR]HVVH Hȯ]LHQWHU ]X JHVWDOWHQ $QGHUV DOV ORNDOH $QELHWHU SURljWLHUHQ große Markenhersteller von ihrer globa- len Präsenz und ihrer Fähigkeit, Produkte schnell an neue Märkte anzupassen. Gleichzeitig reduziert die breite regionale Aufstellung die Abhängigkeit von einzel- nen Volkswirtschaften. Das sorgt für ein IĞU ,QYHVWRUHQ LQWHUHVVDQWHV 3URljO PLW VWD - ELOHQ &DVKijRZV DXV HWDEOLHUWHQ 0ÌUNWHQ und zusätzlichem Wachstumspotenzial aus aufstrebenden Regionen. Unterneh- men, die weniger breit aufgestellt sind und über weniger Preissetzungsmacht ver- fügen, bieten dagegen oft geringere und ZHQLJHU VWDELOH (UWUÌJH )ĞU ,QYHVWRUHQ LVW damit das Stockpicking wichtig: Nicht die gesamte Branche ist defensiv, sondern ein- zelne Geschäftsmodelle. Strukturelle Brüche im Sektor Neben diesen dauerhaften Faktorenwerden auch strukturelle Veränderungen im Con- sumer-Staples-Sektor immer drängender. Eine wichtige ist eine deutliche Verschie- bung im Konsumverhalten. Neue Trends wie Abnehm-Medikamente verändern die Nachfrage in einzelnen Segmenten. So betont Louis Citroën vom französischen Asset Manager Comgest die Bedeutung der sogenannten Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy vom Pharmakon- zern Novo Nordisk. Diese hätten nicht nur medizinische, sondern auch volkswirt- schaftliche Relevanz, weil sie langfristig das Konsumverhalten und ganze Branchen verändern könnten, darunter den Lebens- PLWWHOVHNWRU VDJWH HU DXI GHP ,QVWLWXWLRQDO Money Kongress imMärz. „Der Erfolg von Abnehm-Medikamen- ten verändert das Konsumverhalten“, sagt Uwe Rathausky, Vorstand des Münchener Asset Managers Gané. „Menschen essen weniger Snacks, trinkenweniger Softdrinks und kaufen weniger Fertiggerichte.“ Die Medikamente dämpfen die Lust auf Süßes und verarbeitete Lebensmittel. Davon EHWURȬHQ VLQG YRU DOOHP GLH NODVVLVFKHQ Markenhersteller. Dass die Abnehmspritzen echte Game- changer sind, die das Konsumverhalten nachhaltig verändern, schlägt sich laut Schulte bereits in den Zahlen einiger Her- steller verarbeiteter Lebensmittel nieder, die zuletzt nicht gut performt haben. Außerdem bröckelt die Markentreue. Ľ'XUFK GLH KRKH ,QijDWLRQ GHU OHW]WHQ Jahre haben viele Konsumenten gemerkt, dass Eigenmarken qualitativ oft gleich- wertig, aber deutlich günstiger sind“, sagt Rathausky. „Wachstum im Basiskonsum ist in den gesättigten Märkten in Europa und in den USA fast ausschließlich über Preiserhöhungen und kaum mehr über Mengensteigerungenmöglich. EinVerdrän- JXQJVZHWWEHZHUE JHKW KÌXljJ ]XODVWHQ GHU Margen.“ Gleichzeitig steigen Kosten für (QHUJLH 5RKVWRȬH XQG /RJLVWLN Hinzu kommt das Zinsumfeld als struk- WXUHOOHU (LQijXVVIDNWRU YRQ GHP GLH Unternehmen unterschiedlich stark betrof- fen sind. „Einige haben in den letzten Jahren Zukäufe auf Pump getätigt“, erklärt » Wir sehen defensive Konsumgüterfirmen als die besseren Anleihen. « Simon Jäger, Flossbach von Storch

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=