Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
THEORIE & PRAXIS Schiefe Renditeverteilung 120 2/2026 | institutional-money.com also nicht über sehr lange Zeiträume an. Die Wahrscheinlichkeit, den nach Börsen- werten gewichtetenGesamtmarkt mit einer ]XIÌOOLJ VHOHNWLHUWHQ $NWLH ]X ĞEHUWUHȬHQ beträgt den Untersuchungen zufolge ohne- hin nur knapp 28 Prozent. 91 Billionen US-Dollar Die zweite Untersuchung ermöglicht noch eine ganz andere Perspektive. Hier geht es darum, wie viel Gesamtvermögen für Aktionäre in absoluten US-Dollar gegen- ĞEHU GHP ULVLNRORVHQ =LQV JHVFKDȬHQ wurde. Diesen Wert berechnet Professor Bessembinder zum Stichtag Ende Dezem- ber 2025 aus der Gesamtperspektive aller Aktionäre. Das Ergebnis: Über 100 Jahre entstand eine enorme Wertschöpfung von rund 91 Billionen US-Dollar. Dabei trugen rund 41 Prozent aller Einzeltitel zur Steige- rung des Aktionärsvermögens bei, während etwa 59 Prozent es verringerten. Wirklich deutlich wird die extrem schiefe Verteilung der langfristigen Renditen aber daran, dass nur wenige Firmen für den gesamtenZuwachs verantwortlichwaren. So machten allein die zehn Unternehmen mit dem größten Anteil bereits 29 Prozent der gesamten Wertschöpfung aus (siehe Tabelle „Höchste Wertschöpfung für Aktionäre“). Und lediglich 1.082 Firmen beziehungs- weise 3,7 Prozent aller jemals in den letzten 100 Jahren notiertenAktien sorgten für den gesamten Zuwachs an Aktionärsvermögen ĞEHU GHP ULVLNRORVHQ =LQV VLHKH *UDljN „Nur 3,7 Prozent aller Aktienmachten den Unterschied“). Um das Gesamtergebnis besser zu verste- hen, schreibt Hendrik Bessembinder, kann man sich den Beitrag der einzelnen Unter- nehmen sortiert vom schlechtesten zum besten Wert vorstellen. Demnach haben die schlechtesten 17.197 Firmen das Aktio- närsvermögen um insgesamt 10,7 Billionen US-Dollar verringert. Die nächsten 10.802 Unternehmen konnten dagegen einen Wertzuwachs von 10,7 Billionen US-Dollar erwirtschafteten, der das wieder ausglich. Insgesamt erzielten diese 28.000 Unter- nehmen beziehungsweise 96,3 Prozent der Stichprobe also keinen über den risiko- losen Zins hinausgehendenMehrwert. Erst die restlichen 1.082 Firmen machten den LPPHQVHQ 8QWHUVFKLHG IĞU GLYHUVLlj]LHUWH Investoren aus. Diese erstaunliche Erkenntnis lässt die klas- sische Marktrisikoprämie auf wackeligen Beinen stehen. Denn letztlich sind wenige, extrem erfolgreiche Unternehmen dafür verantwortlich, dass sie überhaupt existiert. Der eigentliche breiteMarkt erzielt dagegen NHLQH VROFKH 3UÌPLH ZLH HV GHU %HJULȬ „Marktrisikoprämie“ eigentlich ausdrückt. Eher im Gegenteil: Die „schlechtesten“ 96 von 100 Firmen erzielten in den letzten 100 Jahren vor Kosten und Steuern im Mittel nur Renditen in Höhe des risiko- losen Zinses. Ausblick Das Wissen um die langfristige schiefe Verteilung von Aktienrenditen ist nicht neu. Trotzdemkannman davon ausgehen, dass sich das wahre Ausmaß der Vorstel- lungskraft dermeistenMarktteilnehmer im täglichen Geschäft entzieht – ähnlich wie es bei der richtigen Einschätzung exponen- tieller Wachstumsprozesse der Fall ist. Die Zahl der Unternehmen, die für Teile des über T-Bills hinausgehenden Vermögens- zuwachses verantwortlich sind, hat sich seit der ersten Studie im Jahr 2018 außerdem noch einmal erheblich verringert (siehe *UDljN Ľ9HUPĆJHQV]XZDFKV ]XOHW]W GHXW - lich konzentrierter“). Das bedeutet, dass sowohl dieMarktkonzentration als auch die Schiefe der Verteilung seither noch extre- mer geworden sind. Ähnlich könnte es an internationalenMärkten sein. DerenDaten- basis gibt aber oft nur wesentlich kürzere Untersuchungszeiträume her. Ob der Trend zur zunehmenden Markt- konzentration anhält, lässt Hendrik %HVVHPELQGHU ]ZDU RȬHQ +LVWRULVFK betrachtet sind wir zuletzt aber bereits auf vergleichsweise hohen Niveaus angekom- men. Die positive Schiefe in der Verteilung von Aktienrenditen dürfte dagegen grund- sätzlich auch in Zukunft anhalten, so Bessembinder, ganz besonders für einen langfristigen Zeithorizont. Seiner Einschät- zung nach lässt sich das anhand einer ganz einfachen Tatsache herleiten: Es gibt eine Untergrenze vonminus 100 Prozent für Ver- luste, aber keine Obergrenze für Gewinne bei einzelnenAktien. DieKurse können also Hunderte, Tausende, Zehntausende Prozent undmehr steigen. Deshalb dürfte stets eine kleine Gruppe extrem erfolgreicher Fir- men für große Teile der Wertschöpfung verantwortlich bleiben, die Aktionäre erzie- OHQ ,P9RUIHOG KHUDXV]XljQGHQ ZHOFKH GDV genau sind und wie sie sich im Zeitab- lauf abwechseln – das ist die eigentliche Herausforderung. MARKO GRÄNITZ Höchste Wertschöpfung für Aktionäre Unternehmen mit dem höchsten Beitrag, gemessen in US-Dollar Die Namen in dieser Liste dürften denmeisten Investoren vertraut sein. Allein diese Unternehmen schufen bereits 29 Prozent des gesamten über 1-Monats-Bills hinausgehenden Vermögenszuwach- ses von Aktionären. Dabei hatten die oberen sechs Firmenmit demgrößten Beitrag ihren Börsen- gang erst im zweiten Teil des Untersuchungszeitraums. Von den Top Ten ist nur Exxon Mobil seit 100 Jahren börsennotiert. Quelle: Bessembinder, H. (2026), One Hundred Years in the U.S. Stock Markets Unternehmen Geschaffenes Vermögen in Bio. US-Dollar Anteil am gesamten geschaffenen Vermögen Börsennotiz seit Apple 5,019 5,52 % 1980 Nvidia 4,575 5,03 % 1999 Microsoft 4,027 4,43 % 1986 Alphabet 3,571 3,93 % 2004 Amazon 2,269 2,49 % 1997 Broadcom 1,600 1,76 % 2009 Exxon Mobil 1,419 1,56 % 1926 Meta Platforms 1,391 1,53 % 2012 Tesla 1,297 1,43 % 2010 Walmart 1,204 1,32 % 1972 Summe 29,00 %
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