Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

THEORIE & PRAXIS Risikomanagement 106 2/2026 | institutional-money.com HANS WEITMAYR einenmaximalenDrawdown von 52,9 Pro- zent und zwei Einbrüche von mehr als 30 Prozent überstehen. MercadoLibre: 4.256 Prozent Gesamtrendite bei einem maxi- malen Drawdown von 69,1 Prozent und insgesamt vier Einbrüchen von mehr als 30 Prozent. Naspers mit 2.990, Tencent mit 2.047 Prozent und Reliance Industries mit 1.601 Prozent Kursgewinn ergänzen das Bild der Gewinner. Auf der Verlierer- seite stehen mit Ozon, Moscow Exchange, Norilsk Nickel und Magnit ausschließlich russische Titel, die jeweils einen Totalver- lust verzeichneten. Wer MercadoLibre bei einemDrawdown von 69 Prozent verkauft hätte, hätte die anschließende Vervielfa- chung verpasst. Wer TSMC bei einem Kursverlust von über 50 Prozent aussor- tiert hätte, ebenfalls. Derartige Verluste müssen aber zunächst einmal ausgehalten werden. Und es muss auch erlaubt sein, diese auszuhalten – dazu gleich mehr. Wider die menschliche Natur Dazu Zhang: „Es ist schwierig, eine der- artige Strategie wirklich konsequent umzusetzen, weil sie in gewisser Weise gegen die menschliche Natur geht.“ Und weiter: „Wir sind darauf programmiert, pessimistisch zu sein – man erhält sehr viel mehr soziale Anerkennung, wennman pes- simistisch war und recht hatte, als wenn man optimistischwar und recht hatte.“ Die strukturelle Dominanz des Pessimismus wäre somit nicht nur ein psychologisches, sondern auch ein institutionalisiertes Phä- nomen. Investmentprozesse, die jeden Drawdown als Fehlersignal lesen und Ver- käufe erzwingen, systematisieren damit exakt jenes Verhalten, das die langfristige Renditeasymmetrie zunichtemacht. Womit die Verknüpfung zu Brunnermeiers Unterscheidung zwischen Risiko- und Resi- lienzmanagement greifbar wird. Vertreter eines klassischen, varianzbasierten Risiko- PDQDJHPHQWV ZĞUGHQ %DLOOLH *LȬRUGV Portfolio mit seinen tief abstürzenden Ein- zeltitelnotierungen als bedenklich einstufen und eine Reduzierung des Risikos empfeh- len. Der Resilienz-Ansatz kehrt die Logik um: Die Volatilität einzelner Positionen ist der Preis für die Partizipation an der langfristigen Compounding Power einiger weniger außergewöhnlicher Geschäftsmo- delle. Der Schutz des Portfolios liegt also paradoxerweise nicht in der Absicherung jedes einzelnen Drawdowns, sondern in der Fähigkeit, durch teils dramatische Kursrücksetzer hindurchzusehen und viel- versprechende Positionen zu halten. Das setzt allerdings ein Rahmenwerk voraus, das ein derartiges Durchhalten möglich macht. Zhang verweist in die- VHP =XVDPPHQKDQJ DXI %DLOOLH *LȬRUGV Struktur als Partnerschaft in Privatbesitz – ohne externe Aktionäre, deren Quar- talsdruck die Zeithorizonte verkürzen könnte. Dieser Punkt ist bemerkenswert, weil er Brunnermeiers theoretische Überle- gung zur Resilienz auf einer Ebene ergänzt, die in der akademischen Debatte selte- QHU %HDFKWXQJ ljQGHW 5HVLOLHQ] VHW]W QLFKW nur eine entsprechende Portfoliologik vor- aus, sondern auch die organisatorischen Rahmenbedingungen, die eine derartige Herangehensweise über Marktzyklen hin- weg zulassen. Geduld ist also kein weicher Faktor, sondern wird quasi zu einer struk- turellen Renditequelle. Sie ist jener Hebel, der sich nicht wegarbitrieren lässt, weil er nicht auf besserer Information, sondern auf besserer mentaler und institutioneller Architektur beruht. Zhang selbst meint: „Geduld ist imEmergingMarket Investing einWettbewerbsvorteil.“ Kritisch hinterfragend könnte man anmer- ken, dass man dann gleich ein passives Buy-and-Hold-Indexinvestment eingehen könnte. Auch hier würden die Einzeltitel nach großen Verlusten nicht verkauft bezie- hungsweise scheiden diese in der Regel nicht aus dem Index aus. Das ist zwar zum Teil richtig, mit dem aktiven Ansatz kann das Management aber die Gewichtung steuern und so selbst nach unverhältnis- mäßig hohen Verlusten das prozentuelle Exposure beibehalten oder gar erhöhen. Die entscheidende Frage, die sich an diesem Punkt stellt: Gelingt das auch? Und genau das kannman bejahen: Der beschriebenen Strategie folgend hat etwa der Emerging Markets All Cap Composite von Baillie *LȬRUG GHQ 06&, (PHUJLQJ 0DUNHWV LQ den vergangenen zehn Jahren jährlich und nachGebühren um1,5 Prozentpunkte out- performt. Brunnermeiers Theorien halten also, wenn kompetent umgesetzt, der Rea- lität stand. Resilienz gegenüber MDDs Maximal- und Totalverluste hingenommen Maximale Kursverluste (MDD) vonmehr als 50 Prozent mussten bei TSMC hingenommen wer- den, umzuletzt eine Rendite von 4.478Prozent zu generieren. Quelle: Baillie Gifford » Geduld ist im Emerging Market Investing ein Wettbewerbsvorteil. « Qian Zhang, Investment Specialist Director, Baillie Gifford Die fünf besten und die fünf schlechtesten Aktien Rendite während der Haltedauer TSMC 4.478 % MercadoLibre 4.256 % Naspers 2.990 % Tencent 2.047 % Reliance Industries 1.601 % Ozon —100 % Moscow Exchange —100 % Norilsk —100 % Magnit —100 % GEO —100 % Aktien Größter Rückgang Anzahl der Rück- gänge über 30 % Mercado- Libre —69,1 % 4 Petrobras —74,8 % 4 TSMC —52,9 % 2 Reliance Industries —49,1 % 2 Mediatek —56,2 % 4

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