Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

der Strukturierung. Viele institutionelle Kunden bevorzugen klassische Closed-End- Fonds, gleichzeitig waren wir Vorreiter bei Anlageprodukten, die Privatanlegern Zugang zu Strategien für private Märk- te bieten. Und im Retailsegment haben wir mit Versicherungsprodukten, die Infra- struktur-Debt oder Private-Debt-Baustei- ne in einemVersicherungsmantel bündeln und eine Liquiditätslinie aus der Bilanz von Generali bereitstellen, eine Lösung entwickelt, die andere Marktteilnehmer so nicht anbieten können. Viele befürchten, dass Privatanleger die Illiquidität privater Anlagen unter- schätzen. Hilft der Versicherungs- mantel wirklich, dieses Risiko zu adressieren? Oder schafft er eher eine trügerische Liquiditätsillusion? MATTHIAS PAETZEL: Wir glauben, dass die Kombination aus langfristiger Aus- richtung des Versicherungsmantels und HLQHU NODU GHljQLHUWHQ DEHU EHJUHQ]WHQ Liquiditätsoption für den Kunden sehr gut geeignet ist, diese Spannungen aufzulösen. Der Mantel signalisiert, dass es sich um ein langfristiges Investment handelt. Gleich- zeitig gibt es durch die Liquiditätslinie eine klar geregelte Ausstiegsmöglichkeit, die psy- chologisch wichtig ist. Andere Anbieter haben inzwischen ähnliche Lösungen ent- wickelt, aber wir sehen uns hier unter den Vorreitern. Entscheidend ist, dass Berater und Kunden die Natur des Produkts verste- hen, sonst wäre die Kritik an einer „Schein- liquidität“ berechtigt. MARCO ZANUSO: Grundsätzlich ist die Sorge vor Überfüllung und Produktproli- feration natürlich nicht unbegründet. Ent- scheidend ist, dass die Demokratisierung privater Anlagen sauber umgesetzt wird: Anleger, insbesondere im Retailbereich, müssen verstehen, dass sie in illiquide Assets investieren und im Idealfall langfris- tig investiert bleiben sollten, unabhängig davon, ob es eine zusätzliche Liquiditätsop- tion gibt. Private Assets haben ihren festen Platz in Portfolios, weil sich die Unterneh- men länger vom Kapitalmarkt fernhalten und das Opportunity-Set dadurch wächst. Zugleich macht der Anteil privater Anla- gen in denmeisten Portfolios nach wie vor nur einen kleinen Prozentsatz aus, sodass es noch Spielraum gibt. Dass es dabei zu Fehlallokationen und Übertreibungen kommen kann, ist uns durchaus bewusst. Umso wichtiger ist Transparenz bei der Allokationspolitik, etwa bei der Frage, wel- che Transaktionen in geschlossene Fonds XQG ZHOFKH LQ (YHUJUHHQ9HKLNHO ijLHĕHQ Evergreen-Strukturen versus klassi- sche Closed-End-Fonds: Wie ordnen Sie diesen Zielkonflikt ein? MARCO ZANUSO: Beide Strukturen haben ihre Berechtigung und adressieren unterschiedliche Bedürfnisse. Evergreen- Fonds, oft mit mehrjähriger Mindest- haltefrist und gedeckelten Rücknahme- volumina, bieten Private-Banking- und Wealth-Management-Kunden ein Fenster für Liquidität und eignen sich besonders für diese Kanäle. MATTHIAS PAETZEL: Institutionelle Investoren bevorzugen in der Regel weiter- hin klassische Closed-End-Fonds, weil sie VLFK GRUW QLFKW PLW 0LWWHO]X XQG DEijĞV - sen anderer Anleger und der daraus resul- tierenden Volatilität beschäftigen müssen. Aus unserer Sicht werden beide Formen parallel bestehen bleiben. Die Kunst besteht darin, die jeweiligen Mechanismen sauber zu erklären und nicht das eine Vehikel als „besser“ zu verkaufen als das andere. ESG war vor wenigen Jahren das dominierende Thema in der Branche, inzwischen ist der Ton rauer geworden, Stichwort „ESG-Backlash“ und Green- washing-Debatte. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Generali Invest- ments heute noch? MATTHIAS PAETZEL: Der Generali- Konzern hält unverändert an seinen Nach- haltigkeitszielen fest, das spiegelt sich auch im Asset Management wider. Ebenso sind ESG-Kriterien in vielen Mandatsausschrei- bungen institutioneller Kunden nach wie vor verbindlich verankert. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben, die diese Entwick- lung zusätzlich treiben. Wir erleben eher eine Professionalisierung als ein Zurück- drehen der Uhr: Investoren fragen genauer nach, wie ESG im Investmentprozess ver- ankert ist, und erwarten nachvollziehbare Kennzahlen. MARCO ZANUSO: Für uns ist ESG kein Modethema, sondern integraler Bestandteil des Investmentprozesses, sowohl in liqui- den als auch in privatenMärkten. Zugleich versuchenwir, pragmatisch zu bleiben: Ent- scheidend ist nicht das Etikett, sondern ob Nachhaltigkeitsaspekte tatsächlich in die Analyse und die Steuerung von Risi- NHQ XQG &KDQFHQ HLQijLHĕHQ 'LH *UHHQ washing-Debatte hat aus unserer Sicht dazu geführt, dass weniger „ESG-Label“ und mehr konkrete Inhalte nachgefragt werden. Und das ist eine Entwicklung, die wir aus- GUĞFNOLFK EHJUĞĕHQ 80 1/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Marco Zanuso und Matthias Paetzel | Generali Investments HANS HEUSER DER MUTTERKONZERN GENERALI – DATEN UND FAKTEN: 98,1 Milliarden Euro Gesamtumsatz – eine Steigerung um 3,6 Prozent gegenüber Vorjahr 4,3 Milliarden Euro bereinigtes Nettoergebnis – ein historischer Höchstwert mit einem Plus von 14,5 Prozent gegenüber 2024 219 Prozent Solvency Ratio – ein außerordentlich solides Kapitalpolster Über 88.000 Mitarbeiter und 163.000 Berater Generali betreut 75 Millionen Kunden – in mehr als 50 Ländern weltweit Grafik: © Generali

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