Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

sich dann entspannt zurückzulehnen“, warnt er. Es sei allerdings auch selbstver- ständlich, dass sich die späteren Entwick- lungen nicht am Ergebnis dieser Analyse orientieren. „Ein Versorgungswerk muss so aufgestellt sein, dass auch mehrere kumulativ eintretende unvorhergesehene Ereignisse nicht den Versorgungsauftrag gefährden.“ NRW mit Stresstest 2.0 Ein Exkurs zu Immobilien könnte eben- VR ZXQGH 3XQNWH RȬHQOHJHQ 'HQQ GHU Zinsanstieg von 2022 beendete jäh, was unter Anlegern und ihren Beratern als -DSDQ 6]HQDULR EHNDQQW ZDU JHULQJH ,QijD - tion, kaum Wachstum und Niedrigzin- VHQ DXI 'DXHU Ľ9LHOH ZDUHQ GDPDOV GHU Meinung, die Zinsen könnten aufgrund VFKZDFKHU 'HPRJUDljH XQG QLHGULJHU 3UR - duktivität nicht steigen, auch da die Süd- europäer sonst in Schwierigkeiten kämen“, ruft Matthias Huesmann, Leiter Portfolio- management Immobilien bei der Ärzte- versorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL), in (ULQQHUXQJ 'DVV PDQFKH 3HQVLRQVHLQ - richtungen zuletzt mit Mezzanine-Finan- zierungen Verluste eingefahren haben, wundert Huesmann deshalb nicht. „Im Nachgang hat sich gezeigt, dass Mezza- nine grundsätzlich sehr risikoreich ist. Wenn eine Immobilienkrise schlagend wird, sind das die ersten Produkte, die DXVIDOOHQĺ 'LH g9:/ GHUHQ .DSLWDODQOD - gen Ende 2024 insgesamt rund 15 Milliar- den Euro umfassten, habe nicht explizit in Mezzanine investiert, dafür in klassisches Real Estate Equity und teils auch in Pro- MHNWHQWZLFNOXQJHQ LQ 3ULYDWH 'HEW XQG 3ULYDWH (TXLW\ DXFK LQ ,QIUDVWUXNWXU 'LH Immobilienquote liegt Huesmann zufolge derzeit bei knapp 22 Prozent. Für den Immobilienbereich hat Hues- mann mit seinem Team am neuen NRW- Stresstest (Stresstest 2.0) mitgewirkt, der YRQ GHU $XIVLFKW XQWHU 'U 8OI 6WHHQNHQ beim Ministerium für Finanzen des Lan- des NRW vorangetrieben und von Jens Hennes vom Versorgungswerk der Apo- thekerkammer Nordrhein (VANR) koor- diniert wurde. „Wir haben mit Blick auf die Historie der letzten 30 bis 40 Jahre quantitative Analysen für den Immobi- lienbereich erstellt.“ Letztendlich gehe es für einen institutionellen Investor imRisi- komanagement um die Frage, ob genug Eigenkapital oder Bewertungsreserven auf der Bilanz vorhanden sind, um im Ernst- IDOO GHQ 'UDZGRZQ DXVKDOWHQ ]X NĆQQHQ Bestenfalls zusätzlich wird das idiosynkra- tische Risiko derart begrenzt, dass man YRQ YRUQKHUHLQ EUHLW GLYHUVLlj]LHUW XQWHU - wegs ist“, konstatiert Huesmann. Versor- gungswerke lernten in der Regel aus ihren Verlusten und passten Risikomanagement und Governance-Strukturen entsprechend an. So verfüge die ÄVWL über eine perso- nelle wie horizontale Trennung zwischen .DSLWDODQODJH XQG 5LVLNRPDQDJHPHQW VRZLH ĞEHU HLQ PHKUVWXljJHV 5LVLNRPD - nagement. Außerdem hat sich die ÄVWL bereits 2011 einen eigenen Corporate- *RYHUQDQFH .RGH[ JHJHEHQ Beispiel Mezzanine Schaut man genauer auf das Beispiel Mezzanine, liegen hier die Risiken auch in der rechtlichen Struktur der Produkte. „Es gibt bei Mezzanine keine Standardisie- rung, Rechte werden vielfach individuell vereinbart“, erläutert Huesmann. Üblicher- ZHLVH HQWljHOHQ DXI 6HQLRU 'DUOHKHQ LP LQ stitutionellen Bereich meist etwa 50 Pro- ]HQW GHU .DSLWDOVWUXNWXU ZÌKUHQG :KROH Loans auf 70 bis 75 Prozent kämen. Mezza- nine mache zehn bis 20 Prozent aus – der Rest ist Eigenkapital. „Bei einemWertver- lust von 30 bis 40 Prozent im Eigenka- pital – wie wir das an den Immobilien- märkten der vergangenen Jahre durchaus gesehen haben – sind auch die Mezzanine- 7UDQFKHQ VFKQHOO DXV GHP *HOG 'DQQ kommt es darauf an, welche Rechte ich als Anleger in Bezug auf das Asset habe“, so Huesmann. Huesmann weist zudem auf das Span- nungsverhältnis hin, in dem sichManager EHljQGHQ ]ZLVFKHQ GHQ YDOLGHQ .XQGHQ - interessen auf der einen und der eigenen Gewinn-und-Verlust-Rechnung auf der anderen Seite, was oftmals durch die Ver- JĞWXQJVVWUXNWXU QRFK YHUVWÌUNW ZHUGH 'D sich die Gebühren in der Regeln an den verwalteten Assets under Management » Ein Quantifizieren von Risiken allein hilft nicht immer weiter. Man muss Risiken auch qualitativ messen nach dem Prinzip ›substance over form‹. « Uwe Rieken, Gründer und Geschäftsführer von Faros Consulting In Deutschland gibt es 91 Versorgungwerke . Sie sind Teil der ersten Säule der Altersvorsorge und tre- ten für über eine Million an beitragszahlenden Mitgliedern (Stand: 2023) an die Stelle der gesetzlichen Renten- versicherung. Das gesamte Volumen der Kapitalanlage der deutschen Versorgungs- werke lag Ende 2023 bei rund 286 Milliarden Euro . Der Anteil der Beteiligungen (inklusive Private Equity und Mezzanine) lag Ende 2023 im Schnitt bei 13,72 Prozent (39,3 Milliarden Euro). Quelle: ABV Versorgungswerke STEUER & RECHT 1/2026 | institutional-money.com 251 Fotos: © Melanie Inserra, Hubba Bubba | Adobe Stock, Icons-Studio | Adobe Stock €

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