Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

zu dem auch die Zahnärzte in Branden- burg und Berlin gehören, ein Verlust in Höhe von bis zu 1,4 Milliarden Euro – mehr als die Hälfte seines Anlagever- mögens. Das VZB hat inzwischen ein gerichtliches Verfahren eingeleitet, um seine Verluste gegen Berater, frühere Ver- antwortliche und auch gegen das Land Berlin geltend zu machen. Zwei, die die Entwicklungen rund um Pensionseinrichtungen wie das VZB mit „brennender Sorge“ verfolgen, wie sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des Investmentberaters Faros im Januar sag- WHQ VLQG 8ZH 5LHNHQ XQG *UHJRU $VVKRȬ Rieken ist Gründer und Geschäftsführer von Faros Consulting und Vorstand der )DURV )LGXFLDU\ 0DQDJHPHQW $* $VVKRȬ war langjähriger Vorstand bei der Pen- sionskasse Soka-Bau in Wiesbaden mit Kapitalanlageverantwortung, nun ist er Aufsichtsratsmitglied bei Faros und außer- dem als Rechtsanwalt tätig. Beide sehen im deutschen Pensionssystem „strukturelle Probleme“ und „eine extreme Fragmentie- rung“. Allerdings wollen auch Rieken und $VVKRȬ VLFK ULFKWLJ YHUVWDQGHQ ZLVVHQ 'LH Mehrheit der kapitalgedeckten Altersvor- sorgeeinrichtungen arbeitet professionell, stellen sie klar. Beim Spezialfall VZB gehe es allerdings um „enorme Volumina“, was für die Mit- glieder des Berliner Versorgungswerks eine „erhebliche Wirkung“ habe – Rieken rech- net mit Rentenkürzungen von bis zu 3UR]HQW IĞU GLH EHWURȬHQHQ =DKQ - ärzte. „Es stellt sich hier für mich schon die Frage nach struktureller Verantwor- tung. Wenn Institutionen nicht mehr die HUKRȬWH /HLVWXQJ EULQJHQ HURGLHUW OHW]W - lich auch das Vertrauen in die Demokra- tie“, so Rieken. So ähnlich habe das auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier imZusammenhang mit dessen „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ formu- liert. Faros bietet neben Investmentbera- tung auch Outsourced-CIO-Lösungen für institutionelle Investoren an, darunter auch Pensionskassen und Versorgungs- werke. Man stehe allerdings in keinerlei Geschäftsbeziehung zum Berliner Versor- gungswerk VZB. Das Beispiel VZB zeige zudem auf, welche dramatischen Konse- quenzen fehlende Governance-Struktu- ren haben könnten. Im Raum stünden bei dem Berliner Versorgungswerk unter anderem zu riskante Anlagestrategien, ein mangelhaftes Risikomanagement, fehlen- de Funktionstrennungen, Versäumnisse von Abschlussprüfern und Aufsichtsbehör- den sowie möglicherweise auch Korrup- WLRQ XQG 8QWUHXH Ľ'LH ZLFKWLJVWH (PS - fehlung, um solche Debakel künftig zu vermeiden und professioneller zu arbei- ten, ist eine bessere Governance“, resü- miert Berater Rieken. Echtes Risikomanagement Aus Sicht von Hans Wilhelm Korfmacher gehört zur Professionalität unabhängig von der Größe und Personalausstattung der jeweiligen Organisation ein „echtes“ Risikomanagement. „Wenn man selbst als Versorgungswerk zu klein ist, um pro- fessionelle Strukturen aufzubauen, muss man entweder auf komplexe Kapitalan- lagen verzichten oder man muss sich mit anderen Versorgungswerken zusammen- tun“, meint der ehemaligeWPV-Geschäfts- führer. Er betont dabei, dass Letzteres durchaus unter Wahrung der rechtlichen Eigenständigkeit des jeweiligen Versor- gungswerks möglich ist. Zudembetont Korfmacher die Bedeutung einer horizontalen Trennung von Kapi- talanlage und Risikomanagement. „Bei- de Funktionen dürfen nicht nur formell getrennt werden, sondern die Trennung muss auch gelebt werden. Idealerweise sind das Risikomanagement und die Kapi- talanlage personell getrennt voneinander auf der Ebene der Geschäftsführung ver- DQNHUW ĺ 'LYHUVLljNDWLRQ VHL ]XGHP GDV $ und O einer erfolgreichen Kapitalanlage. Es gelte hier „auch als professioneller, fach- lich versierter und selbstbewusster Kapital- anleger Demut vor den Märkten“ zu zei- gen. Marktentwicklungen seien letztlich nicht vorhersehbar. Jedes Investment bedürfe bei der Einge- hung einer individuellen Prüfung, in der die Chancen und Risiken herausgearbei- tet werden, erläutert Hans Wilhelm Korf- macher. „Es reicht jedenfalls nicht, nur auf das Rating einer Anlage zu schauen und Beitragszahlende Mitglieder Nach Geschlecht iund Berufsstand (ohne außerordentliche Mitglieder); Stand: 31.12.2023 Langfristig gebunden Asset-Allokation deutscher Versorgungswerke per 31.12.2024 Versorgungswerke bilden die 1. Säule der Alters- vorsorgeder freienBerufe. Ärzte sindhierbei die zahlenmäßig größte Berufsgruppe. Quelle: ABVArbeitsgemeinschaftberufsständischerVersorgungswerkee.V. Versorgungswerke halten mehr als 40 Prozent Immobilien und Alternatives. Quelle: GAC Gesellschaft für Analyse und Consulting mbH STEUER & RECHT Versorgungswerke 250 1/2026 | institutional-money.com 0 Ärzte Zahnärzte Tierärzte Apotheker Steuerberater Wirtschaftsprüfer Rechtsanwälte Notare Architekten Frauen 200.000 35.644 31.748 23.104 51.573 17.955 69.190 95.215 22.480 32.493 48.364 59.493 8.051 Männer 209.043 193.725 Renten direkt 1% 24% 18% 16% 22% 19% Aktien Alternatives Liquidität Immobilien Renten indirekt

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