Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

JÜNGSTE MEDIENBERICHTE über Verluste bei Pensionseinrichtungen werfen Fragen auf – nach den Verantwortlichen, aber auch nach der Regulierung, nach Leitplan- ken für die Kapitalanlage, nach den gemachten Fehlern und Verstößen, die im konkreten Fall erfolgt sein könnten. Was aber, wenn wir aus gegebenemAnlass einmal auf das schauen, was im System gut gelingt, und nach den Gründen hier- für fragen? Institutional Money will mit diesem Text den Fokus auf Best Practice legen, um zu zeigen: Es geht auch sehr professionell. Dr. Hans Wilhelm Korfmacher ist einer der Kapitalanlage-Veteranen mit einem ausgesprochenen Sinn für Governance. Unter seiner Führung entwickelte sich das Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer im Lande Nordrhein-Westfalen (WPV) über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren zu einer Institution mit Vorbildcharakter. Eine Besonderheit: Im WPV sind rund 18.000 Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprü- fer aus 15 BundesländernMitglied. Außer- dem hat das WPV einen eigenen Gover- nance-Kodex. Nach der Gründung einer hauseigenen Asset-Management-Gesell- schaft mit BaFin-Zulassung, in der er über- gangsweise noch weiter Geschäftsführer war, trat Hans WilhelmKorfmacher Ende 2024 in den Ruhestand. Er ist aber als Rechtsanwalt, Vorstandsvorsitzender des Club of Finance e.V. und als Berater, unter anderem des Vorstands des WPV, weiter tätig. Auf die Frage, welche Vorgaben aus seiner Sicht für das erfolgreiche Kapitalan- lagemanagement von Versorgungswerken unerlässlich sind, antwortet der ehemali- ge WPV-Geschäftsführer: „Die Fokussie- rung auf den gesetzlichen Auftrag und die Governance sind das Entscheidende.“ Trend zu mehr Alternatives Das WPV habe, um die Governance zu verbessern, deshalb im Jahr 2019 eine Änderung des Errichtungsgesetzes ange- regt. Seit der Gesetzesänderung werde das Versorgungswerk durch die mit Organ- funktion ausgestattete Geschäftsführung – gewissermaßen wie eine Aktiengesell- schaft durch ihren Vorstand – eigenverant- wortlich geführt und vertreten. Um dem Selbstverwaltungscharakter eines Versor- gungswerks Rechnung zu tragen, seien aber in der Satzung klar benannte Grund- lagenentscheidungen – zum Beispiel die Kapitalanlagestrategie und -struktur sowie die Risikoneigung der Vermögensanlage – dem ehrenamtlichen Vorstand (ver- gleichbar mit dem Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft) zugewiesen worden. „Zuständigkeiten sind damit klar verteilt, und (Investment-)Entscheidungen stim- men mit den Verantwortlichkeiten über- ein“, so Korfmacher. Inzwischen hätten andere Versorgungswerke dieses versor- JXQJVZHUNVVSH]LljVFKH *RYHUQDQFH .RQ - zept ebenfalls, angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten, implementiert. Die Komplexität der zu implementieren- den Assetklassen habe seit der Finanz krise und „dem Draghi-Put“ in der Euro- krise deutlich zugenommen. Die folgen- de Niedrigzinsphase habe einerseits dazu geführt, dass viele Versorgungswerke ihren Rechnungszins richtigerweise abgesenkt haben. Gleichzeitig seien aber, um den Rechnungszins darstellen zu können, in höherem Umfang als bisher Risikoassets beziehungsweise – illiquide – alternative Anlagen beigemischt worden. Das Expo- sure in Immobilien, Infrastruktur, Private Equity und Private Debt zu erhöhen, war zum damaligen Zeitpunkt aus sei- ner Sicht auch die richtige Entscheidung. „Man muss es aber professionell umset- zen“, schränkt Korfmacher sein Plädoyer für die illiquiden Anlageklassen ein. Er legt bei dieser und weiteren Aussagen Wert auf die Feststellung, dass er sichman- gels Kenntnis des Sachverhalts – er habe nur „Zeitungswissen“ – nicht zu den breit medial aufbereiteten Vorgängen in einzel- nen berufsständischen Versorgungswerken äußern kann. „Als Jurist habe ich gelernt, mir ein Urteil erst in umfassender Kennt- nis des Sachverhalts zu bilden.“ So haben befürchtete Milliardenverluste beim Versorgungswerk der Zahnärzte- kammer Berlin (VZB) in den vergange- QHQ 0RQDWHQ IĞU ĆȬHQWOLFKHV $XIVHKHQ gesorgt. Wie Institutional Money bereits berichtete, droht dem Versorgungswerk, KünftigeNettoersatzquote fürDurchschnittsver- diener/Geringverdiener nach einemkompletten Berufsweg ab einemAlter von 22 Jahren 2024. Quelle: OECD | https://tinyurl.com/yvfbkhut » Die Komplexität der Assetklassen hat seit dem Draghi-Put deutlich zugenommen. Wenn man selbst als Versorgungswerk zu klein ist, um professionelle Strukturen aufzubauen, muss man entweder auf komplexe Kapitalanlagen verzichten oder man muss sich mit anderen Versorgungswerken zusammentun. « Hans Wilhelm Korfmacher, Vorstandsvorsitzender des Club of Finance und Berater des WPV Deutschland deutlich unter dem OECD-Durchschnitt Künftige Nettoersatzquote für Personen mit 100 Prozent und 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens Foto: © Tatiana Kurda 1/2026 | institutional-money.com 249 Versorgungswerke STEUER & RECHT 0 Polen Schweiz USA Deutschland UK Belgien OECD Frankreich Dänemark Italien Österreich Niederlande Durchschnittsverdiener Geringverdiener 40 80 120

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