Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
PRODUKTE & STRATEGIEN Hydropower 226 1/2026 | institutional-money.com über langfristige Verträge oder regulierte Tarife abgesichert ist. Der Teil, der amSpot- markt verkauft wird, ist vom aktuellen Strompreis abhängig. Die laufenden Kos- ten sind laut Grassl vergleichsweise niedrig. Geringe Betriebskosten hebt auch Aquila auf ihrer Website als Pluspunkt von Was- serkraftwerken hervor. Wasserkraft-Assets sind Grassl zufolge sehr wertstabil. Neben der Begrenztheit geeigne- ter Standorte hängt das auch damit zusam- men, dass die Technologie ausgereift ist. „Seit 80 Jahren gibt es keine wesentlichen Veränderungen“, erklärt er. „Es gibt also keine technische Obsoleszenz, im Gegen- satz zu Wind- oder Solarkraftwerken, wo funktionierende Anlagen schnell drama- tisch an Wert verlieren, weil bessere Tech- nologien auf den Markt kommen.“ Wind- und Solaranlagen verlieren Grassl zufolge pro Jahr rund acht Prozent an Wert. Keine technische Obsoleszenz Metzger bestätigt das im Prinzip. „Unsere älteste Anlage liegt in Schweden und wur- de vor 1900 gebaut“, sagt er. „Bei der Hard- ware gibt es, abgesehen von einzelnen tech- nischenNeuerungen, keine grundlegenden Veränderungen.“ Echte Innovationen gibt es Metzger zufolge aber im Bereich Ope- rations, zum Beispiel beim Balancing der Stromerzeugung im Day-Ahead-Markt. „Hier muss die Stromerzeugung detail- liert vorhergesagt und gemeldet werden, bei Abweichungen werden Strafen bezie- hungsweise Ausgleichsenergiekosten, eng- lisch Imbalancing Costs, fällig.“ Laut Metz- ger machen die Kosten für das Balancing heute einen viel größeren Teil, gemessen am Umsatz, aus als noch vor fünf Jahren – mit substanziellen Auswirkungen auf die Geschäftspläne. „Entsprechend viel Poten- zial gibt es, mit KI die Vorhersage zu ver- bessern und den Betrieb weiterhin zu auto- matisieren“, so Metzger. Technische und physikalische Besonderhei- ten tragen auch zur Regelmäßigkeit der &DVKijRZV YRQ :DVVHUNUDIW EHL ,P *HJHQ - satz zu Wind- und Solarkraftwerken kön- nen sie, sofern sie über einRückhaltebecken verfügen, inZeiten niedriger oder negativer Strompreise Wasser zurückhalten und so ihre Stromerzeugung drosseln, umzu güns- tigen Zeiten umso mehr zu produzieren. Sie verfügen also über einen natürlichen Energiespeicher, mit dem sie aktiv Preis- optimierung betreiben können. Wasser- kraftwerke erzielen Grassl zufolge höhere Gesamterlöse als Wind und Solar, weil sie außer demStrom auch sogenannte System- dienstleistungen vergütet bekommen. „Das heißt, sie sind technisch in der Lage, dafür zu sorgen, dass Spannung und Frequenz stimmen, und helfen so, das Netz stabil zu halten und der sogenannten Stromver- schmutzung entgegenzuwirken.“ Strompreisprognose entscheidend Unabhängig von der Erzeugungsart hängt die Rendite von Kraftwerken entscheidend von der Entwicklung der Strompreise ab. 5HQDLR UHFKQHW DXIJUXQG GHU (OHNWULlj]LH - rung mit tendenziell steigender Nachfrage und Preisen.Was dieNachfrageseite angeht, so deckt sich das mit Prognosen der Inter- nationalen Energieagentur IEA, die eine Zunahme von unter 30.000 Terawattstun- den 2024 auf über 50.000 Terawattstunden im Jahr 2050 vorhersagt, getrieben unter anderem von Industrie, Haushaltsgeräten, Elektromobilität und Rechenzentren. Die Vorhersage der Strompreise dagegen unter- liegt größerenUnsicherheiten, die sich unter Stromerzeugung bis 2050, in tausend TWh Prognostizierter Wasserkraftzubau ggü. UN-Ziel in Gigawatt Kohle bleibt im Hauptszenario der IEA bis 2035 die Hauptquelle der Stromerzeugung, ergänzt durch eine Zunahme der Kernkraft und einen starken Anstieg der Erneuerbaren. Quelle: IEA, World Energy Outlook 2025 Bis 2030 dürfte die gesamte Wasserkraftkapazität auf rund 1.350 GW steigen. Um die Ziele der UN-Klimakonferenz zu erreichen, müssten 60 bis 70 GWmehr zugebaut werden. Quelle: IHA, 2025 World Hydropower Outlook 2000 2025 2050 Tausend TWh 15 30 60 45 Wasserstoff, Ammoniak und CO 2 -Abscheidung Sonstige Erneuerbare Wind Solar Wasserkraft Atomenergie Sonstige Erdgas Kohle Fossil ohne CO 2 -Abscheidung ‘20 ‘21 ‘22 ‘23 ‘24 ‘25 ‘26 ‘27 ‘28 ‘29 ‘30 GW 600 300 0 900 1500 1200 Installierte Kapazität (IHA) Projektierter Zubau laut IHA UN-Ziel
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