Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
Hydropower PRODUKTE & STRATEGIEN 1/2026 | institutional-money.com 227 anderem auf den Ausbau der Erzeugungs- kapazitäten, die Entwicklung der Gas- und CO 2 -Preise und geopolitische Spannun- gen beziehen. In seinem EU Energy Out- look 2060 unterscheidet der norwegische Informationsdienst Montel verschiedene Szenarien, die im „Central“-Szenario einen moderaten Anstieg und im „Tensions“-Sze- nario einen sehr starken Anstieg der nomi- nalenGroßhandelsstrompreise vorhersehen. Unisono betonen Grassl undMetzger, dass der Zugang zumWasserkraftmarkt schwie- rig ist. Grassl zufolge ist er von wenigen Unternehmen dominiert. „Reine Finanzin- vestoren haben kaum eine Chance“, erklärt er. „Wir haben ein gutes Netzwerk aufbau- en können, weil wir neben demklassischen Fondsmanagement auch eine technische Betriebsführung haben, die Betrieb und Wartung vonWasserkraftwerken versteht.“ Metzger zufolge ist der Einstieg in Wasser- kraft wegen geringer Transaktionszahlen undKonkurrenz durchVersorger anspruchs- voll. „Versorger, die regelmäßig als Bieter für große Projekte auftreten, bekommen oft den Zuschlag, weil sie mit ganz ande- UHQ .RVWHQHȯ]LHQ]HQ NDONXOLHUHQ NĆQQHQĺ erklärt er. Der Renaio Infrastrukturfonds Wasser investiert ausschließlich in bestehen- de kleinere Wasserkraftwerke in Europa. Um die Kriterien für Artikel 9 der SFDR zu erfüllen, prüft und berechnet Renaio beim Kauf einer Anlage bestimmte Kri- terien. „Wir haben dafür einen Katalog von 27 KPIs, die von einer Fischtreppe bis zu den verwendeten Materialien reichen“, erklärt Grassl. Ihm zufolge kommen regel- mäßig zwei bis drei Assets monatlich auf den Markt, von denen aber nur ein klei- ner Teil die Anforderungen für ein Invest- ment erfüllt. Aquila bietet institutionellen Investoren ein Engagement im Aquila European Hydro- power Fund und konzipiert individuelle Mandate mit Wasserkraft-Assets. Ein Krite- rium bei der Auswahl ist laut Metzger die Restlaufzeit der jeweiligen Anlage. Denn nicht überall können Wasserkraftwerke beliebig lang betriebenwerden. In Portugal oder Spanien zumBeispiel sind die Konzes- sionen zeitlich begrenzt, danach werden sie neu ausgeschrieben. Je kürzer die Restlauf- ]HLW GHVWR VWÌUNHU EHHLQijXVVW GDV 9HUOÌQJH - rungsrisiko die Kalkulation. Daneben prüft Aquila das Potenzial, mit technischen Anpassungen die Produktion zu optimieren, etwa durch Erhöhung der Stauhöhe und derWasserspeicherkapazität. „Dabei gibt es oft deutliche Verbesserungs- potenzialemit teilweise kleinemAufwand“, soMetzger. „DieseMaßnahmen können es uns erlauben, einen höheren Preis zu bie- ten, was bei einem Bieterwettbewerb den Ausschlag geben kann.“ Klimawandel nicht zu unterschätzen Wichtig im Rahmen der Due Diligence ist außerdem die Produktionsprognose. Dabei werden auch die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt. „Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen, denn er kann enorme Auswirkungen auf die Bewertung haben“, erklärt Metzger. Grundlage sind hydrologische Langfristmodelle, dieNieder- schlagsmuster, Schneeschmelze undExtrem- wetter berücksichtigen. Abweichungen kön- nen direkte Auswirkungen auf Produktion und Ertrag haben. „Der Klimawandel stellt ein Risiko für den Betrieb von Wasserkraft- werken dar“, so Grassl. „In Mitteleuropa werden wir eher mit zu viel Wasser durch Starkregenereignisse zu tun haben als mit Trockenheit. Dafür gibt es technische Lösun- gen, die auchUpside-Potenzial für die Strom- erzeugung bieten.“ Stromnachfrage und Wachstum nach Endnutzer Tortendiagramm: Wachstum bis 2035 Prognose der nominalen Strompreise nach Szenario Durchschnittlicher Grundlastpreis in Euro/MWh Die Stromnachfrage wächst um fast 1.000 TWh im Jahr. Haushaltsgeräte und Kühlung machen 2035 30 Prozent des Wachstums aus, weil es mehr Geräte gibt und die Temperaturen steigen. Quelle: IEA, World Energy Outlook 2025 Das „Central“-Szenario folgt den Ausbauplänen für Kraftwerke der natio- nalen Regierungen. „Tensions“ kalkuliert die Zunahme geopolitischer und gesellschaftlicher Spannungen ein. Quelle: Montel, EU Energy Outlook 2060 DAVID VERBEEK 2024 2035 2050 Tausend TWh 20 10 0 30 50 40 Industrie Wärmepumpen Sonstige Gebäude Elektro- fahrzeuge Sonstige davon Rechen- zentren Haushalts- geräte und Kühlung 2025 2030 2035 2040 2045 2050 2055 2060 Central Tensions Durchschn. Grundlastpreis EU27+CH, UK, NO in Euro/MWh 100 50 0 150 250 200
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