Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

200 1/2026 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN Unterschätzte Lebenserwartung PROFITIEREN VON DER LANGLEBIGKEIT Während die längere Lebenserwartung auf der Passivseite von Altersversorgungseinrichtungen steht, bietet es sich an, Longevity als Vorteil auf ihrer Investmentseite zu nutzen. Während die steigende Lebens- erwartung für Pensionskassen und Rentenversicherungen eine Heraus- forderung darstellt, die letztlich zu niedrigeren Rentenzahlungen führt, gibt es gleichzeitig die Möglichkeit, von der steigenden Lebenserwar- tung zu profitieren: auf der Invest- mentseite. „Die Menschen werden immer älter und haben als Senio- ren ein anderes Nutzungsverhalten als junge Menschen. Genau davon können bestimmte Unternehmen profitieren“, meint Serge Nuss- baumer, der als Head of Public Solutions beim Wertpapierhaus Maverix Securities als Kapitalmarkt- experte Investmentideen generiert. „Dass Menschen in der westlichen Welt eine höhere Lebenserwar- tung haben und dass der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung steigt, ist ein Megatrend, der uns weiter verfolgen wird. Wir bauen diesen sicheren Trend als Satellit in die Portfolios unserer Kunden ein, weil wir ihn für marktrelevant hal- ten“, so Nussbaumer. Hedge auf der Investmentseite Gerade bei Pensionskassen sieht er den Bedarf, auf der Investmentseite nach einem Ausgleich zu suchen: „Altersversorgungswerke sollten Longevity als Vorteil auf ihrer Investmentseite nutzen, weil die längere Lebenserwartung auf ihrer Passivseite als Kostenfaktor steht“, so sein Kalkül. Neben der längeren Rentenzahldauer, die schon jetzt deutlich wird, müssten viele Inves- toren damit rechnen, dass es immer weniger Erwerbstätige gibt, die Ein- zahlungen leisten, und immer mehr Rentner, die Leistungen beziehen. „Hier nach einemHedge zu suchen, ist wichtig“, meint Nussbaumer. Augen auf bei der Indexwahl! Er verweist darauf, dass bei solchen Überlegungen die Indexauswahl eine Rolle spielt, weil hinter einem vermeintlich klaren Anlagethema manchmal ein breit gestreutes Sam- melbecken verschiedener Branchen steht, die teilweise nur lose mit der beworbenen Idee verknüpft sind. So basiert der iSTOXX Europe Long- evity Select 50 Index auf 50 Unter- nehmen aus demStoxx Europe 600, die von der demografischen Alte- rung Europas profitieren. Als Tele- kom-Unternehmen nimmt Swiss- com eine der größten Positionen in diesem Index ein. „Das liegt daran, dass für den Index Unternehmen aus sieben Branchen ausgewählt werden, darunter Telekommunika- tion, Medien, Pharma, Freizeit und Luxus.“ Er verweist darauf, dass dies eine Schwäche solcher thematischer Indexkonstrukte sein kann. „Sicher, Telekommunikation als Branche pro- fitiert insofern von der Alterung der Bevölkerung, als eine zuverlässige Kommunikationsinfrastruktur und digitale Dienstleistungen für ältere Bevölkerungsgruppen zunehmend wichtiger werden. Aber man kann sich fragen, ob dies gleich zu einem Branchengewicht im Index von 18,2 Prozent führen sollte“, gibt Nuss- baumer zu bedenken. Allein der Titel Swisscom habe einen Anteil von 2,7 Prozent. „Oft sind die Indexregeln so allgemein gefasst, dass auch einige Werte darin enthalten sind, die nur amRandemit demeigentlichen The- ma zu tun haben.“ Wenn aber ein passender Index beziehungsweise gute Einzelinvest- ments gefunden wurden, die vom Langlebigkeitsthema profitieren, könnten sich Investoren manchmal über weitere Vorteile freuen: „Men- schen, die 50+ alt sind, nutzen häu- fig etablierte Traditionsunterneh- men, deren Namen sie schon lange kennen. Nicht selten weisen diese einen höheren Cashflow auf und zahlen höhere Dividenden als ganz junge Unternehmen“, sieht Nuss- baumer einen weiteren Nutzen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass solche Unternehmen alterna- tive Lösungen in verschiedenen Lebensbereichen anbieten und damit im Bereich Social und Gover- nance punkten. Damit ließen sich Longevity-Themen auch im Rah- men von ESG-Strategien gut spie- len. „Wir sehen viele Vorteile darin, auf Unternehmen zu setzen, die von der Alterung der Bevölkerung profi- tieren. Daher setzen wir dieses The- ma ganz bewusst ein“, resümiert Nussbaumer. ANKE DEMBOWSKI » Wir sehen viele Vorteile darin, auf Unternehmen zu setzen, die von der Alterung der Bevölkerung profitieren. « Serge Nussbaumer, Head of Public Solutions beim Wertpapierhaus Maverix Securities Foto: © Maverix Securities

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