Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

Unterschätzte Lebenserwartung PRODUKTE & STRATEGIEN 1/2026 | institutional-money.com 199 Einigkeit, dass es damit nicht weit her ist. Viele Menschen tun sich schwer damit, eine Kapitalsumme in eine Rente oder einen Auszahlplan umzurechnen. „Inzwi- schen gibt es zahlreiche Rechner, die frei im Internet verfügbar sind“, meint Woo- ders. „Damit lässt sich ermitteln, wie viel man monatlich entnehmen kann, wenn man zum Beispiel 30 Jahre lang versorgt sein will. Bei Fidelity International haben wir bereits vor einigen Jahren Richtlinien zur Gestaltung der Auszahlphase mit kon- kreten Rechenbeispielen erstellt.“ Auch den Lebensversicherern macht die PDQJHOKDIWH )LQDQ]ELOGXQJ ]X VFKDȬHQ denn „der große argumentative Vorteil der Versicherer, dass sie eine lebenslange Rente zahlen, kommt bei den Kunden kaum an“, meint Heermann. Dazu zitiert er eine aktuelle Studie der FHDortmund: „In einem Laborversuch entscheiden sich Menschen deutlich weniger für eine lebenslange Rente, selbst wenn der Ren- tenfaktor extremhoch angenommen wird und fast so hoch ist wie die Rente aus einer Zeitrente, die mit 85 Jahren ausläuft“, so Heermann. Als Grund für dieses irratio- nale Verhalten nennt er unter anderem die Unterschätzung des Langlebigkeitsrisikos. Zur Orientierung für die Rentenphase verweist Wooders auf Daumenregeln, die helfen, eine ungefähre Vorstellung von der Größenordnung zu bekommen. „Wer in Deutschland lebt, braucht etwa das Zehnfache seines letzten Bruttoeinkom- mens, um im Rentenalter gut leben zu können. Daraus kann man dann jährlich 4,6 Prozent entnehmen“, so Wooders. Bei einem angesparten Betrag von 400.000 Euro wären das 18.400 Euro jährlich, das ist angesichts der konservativen Sparkul- tur im deutschsprachigen Raum gelinde gesagt optimistisch. Wer konservativ anlegt, müsste entweder mehr ansparen oder weniger entnehmen – ein Spannungs- feld, das Wooders’ eigene Langlebigkeits- warnung noch verschärft. Noch sind sol- che Strategien zum Vermögensverzehr aber kaum bekannt. Bei der Berechnung einer privaten Rente sollten Frauen heut- zutage mit einer Lebensdauer von min- destens 90, besser mit 100 Jahren rech- nen. Männer könnten vier bis fünf Jahre weniger zugrunde legen. „Damit hat man HLQHQ JXWHQ 3XȬHU HLQJHEDXW XQG ZHQQ man früher verstirbt, kann man etwas ver- erben. Bei einer Leibrente enden die Zah- lungen mit dem Tod der berechtigten Per- son; ob Restkapital verbleibt, hängt von der Vertragsgestaltung ab“, stellt Wooders die Vorteile der fondsbasierten Vorsor- ge heraus. Erbschaftsteuerdiskussion Ein Nebenaspekt, der die Vorsorgebereit- VFKDIW EHHLQijXVVW LVW GLH 6WHXHUGLVNXVVLRQ Wooders argumentiert, dass Erbschaft- oder Vermögensteuern den Anreiz zur privaten Vorsorge schmälern, und verweist auf Großbritannien, wo geplante Verschär- fungen bei der Besteuerung ausländischer Vermögender nach breitem Widerstand teilweise zurückgenommen wurden. „Bei Überlegungen zur Steuer muss man auf- passen, dass man keine falschen Anreize setzt. Schließlich will man, dass sich die Menschen ein gutes Finanzpolster auf- bauen. Das hilft auch dem Staat, weil er dann weniger soziale Leistungen bezahlen muss“, wägt Wooders ab. Es sei daher wich- WLJ %DUULHUHQ DE]XVFKDȬHQ EHL GHU 7UDQV - parenz, bei der Besteuerung, beimWechsel von einem Produkt in ein anderes. Sie ver- weist auf die „Self-Invested Personal Pen- sion“ (SIPP) in Großbritannien. „Hier kön- nen die Menschen sehr frei gestalten und sich ihre Fondsdepots selbst zusammen- stellen. Die Einzahlungen sind steuerlich begünstigt – mit einer hohen jährlichen Obergrenze. Transferierbar ist das Gan- ze auch.“ An dieser Flexibilität solle man VLFK DXFK LQ 'HXWVFKODQG RULHQWLHUHQ ljQ - det sie. Rentner sind am Ende recht opti- mistisch. Die Fidelity-Studie zeigt, dass es den Menschen trotz Widrigkeiten am Ende gelingt, sichmit ihrer Finanzplanung im Alter einzurichten, denn die Ergebnis- se zeigen bei jenen, die bereits im Ruhe- stand sind, einen gewissen Optimismus. 68 Prozent der Rentner beschreiben ihre Einstellung diesbezüglich als positiv, bei Noch-nicht-Rentnern sind es 56 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Zuversicht wächst, wenn die Menschen in den Ruhe- stand eingetreten sind. » Fakt ist, dass Lebens- versicherer ein Leben lang zahlen – auch dann, wenn Kunden ihre Lebenserwartung unterschätzen. « Susanne Demski, Bereichsleiterin Aktuariat Personen bei der R+V Lebensversicherung AG Gute Planung sorgt für Wohlbefinden Menschen mit einer Ruhestandsplanung fühlen sich über alle Ruhestandsaspekte hinweg besser vorbereitet, nicht nur über die finanziellen Aspekte. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Zuversicht wächst, wenn die Menschen in den Ruhestand eingetreten sind. Insbesondere fühlen sich diejenigen, die vorzeitig Schritte zur Planung ihresRuhestands unternommenhaben, in wichtigen Lebensbereichen besser auf das Leben nach der Arbeit vorbereitet: physisch, emotional und sozial. Eine gesicherte Finanzpla- nung strahlt alsoauch innichtfinanzielleLebens- bereiche aus. Quelle: Fidelity International 90 80 70 60 50 40 30 20 100 % Physisch Emotional Sozial Finanziell 82% 84% 71% 80% 65% 80% 61% Foto: © R+V Versicherung | Oliver Rüther

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=