Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Irina Strelnikova | Adobe Stock THEORIE & PRAXIS Studien, die die Welt nicht braucht 82 3/2026 | institutional-money.com Immer wieder gibt es Studien, die in der Theorie interessant sind, aber für institutionelle Anleger keine praktische Relevanz haben. Ein aktuelles Beispiel sind Untersuchungen zu Investment-Podcasts. HÖRBARE NON-EVENTS AUS DER NISCHE ZUMMAINSTREAM: Podcasts haben in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung vollzogen. Schätzungen zufolge hört über die Hälfte aller US-Amerikaner mindestens eine Folge imMonat. Weltweit lauschen mehr als 600 Millionen Menschen. Das rasante Wachstum basiert auf der Tatsache, dass das Podcast-Format als tiefgehend und authentisch wahrgenommen wird. Für viele Nutzer ist die Informationsvermitt- lung deshalb überzeugender als in den sozialen Medien. Zwei Studien mit ähnlichem Ergebnis Eines der am schnellsten wachsenden Seg- mente sind Investment-Podcasts, in denen einzelne Aktien besprochen werden. Hier stellt sich die Frage, inwieweit dadurch das Anlageverhalten oder die Kurse beeinflusst werden könnten. Schließlich erhöhen Podcasts die Reichweite öffent- licher Informationen und machen sie bequem konsumierbar. Darum geht es in der Studie „Sound Analysis?“ eines US-Forscherteams um Braiden Coleman (University of Georgia) und Brady Twedt (Texas A&M University). Die Forscher erstellen eine Liste aller Podcasts zum Thema Investments. Anschließend transkribieren sie die Audiodateien aller verfügbaren Folgen im Untersuchungszeitraum von 2008 bis 2022 und filtern diejenigen heraus, in denen US-Unternehmen ausführlich behandelt werden. Insgesamt sind 49.772 Folgen von 1.782 verschiedenen Kanälen in der Analyse vertreten. Das Resultat: Die Berichterstattung in Podcasts ist positivmit dem anormalenHandelsvolumen und den Aktienbeständen von Privatanlegern kor­ reliert. Die Autoren schlussfolgern deshalb, dass Podcasts weniger gut informierten Anlegern helfen, wichtige Unternehmens- informationen zu verarbeiten, was deren Informationsnachteil verringert. Auch Marten Laudi (KLUHamburg) und Janik Ole Wecks (Universität Bremen) erstellen in ihrer Studie „Do Podcasts Move the Stock Market?“ einen Daten- satz mit über 25.000 transkribierten Podcast-Folgen, in denen einzelne Aktien besprochen werden. Sie nutzen den Zeit- punkt und den Inhalt der Folgen, um die Berichterstattung mit Handelsaktivi- täten auf Aktienebene, den Beständen der Anleger und deren Performance zu verknüpfen. Die Ergebnisse sind ein deut- licher Anstieg beim Handelsvolumen, bei den absoluten Renditen und bei den Beständen von Privatanlegern, insbeson- dere im Zusammenhang mit frischen Quartalszahlen. Dabei ist der Effekt am Tag der Veröffentlichung der Episoden besonders stark und bleibt in den folgen- den Tagen positiv. Podcasts mit größerer Reichweite haben zudem stärkere Aus-

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