Institutional Money, Ausgabe 3/2026
3/2026 | institutional-money.com 81 Alex Koriath und Christoph Gort INTERVIEW imLower- undMid-Market bewegen, über- schneiden wir uns ohnehin seltenmit den großen Retailvehikeln, die eher am obe- ren Marktende operieren. Im Gegenteil: WennMarktteilnehmer quartalsweisekau- fenmüssen, ist das für kleinereFonds sogar eine zusätzliche Exit-Route, vonder unsere Kunden profitieren können. Erfüllen Evergreen- und semiliquide StrukturentatsächlichdasLiquiditäts- versprechen, das sie Privatanlegern machen? ALEX KORIATH: Wie bereits gesagt: Das Versprechen funktioniert nur in guten Marktphasen zuverlässig, in einem schwie- rigenSzenarionicht.Das ist keine Frage der Produktqualität, sondern eine strukturelle Eigenschaft illiquider Basiswerte, die sich mit noch so ausgefeilten Fondskonstruk- tionen nicht vollständig auflösen lässt. CHRISTOPH GORT: Hinzu kommt eine zeitliche Dimension, die selten klar kom- muniziert wird. Die tatsächliche Liquidität einersolchenStrukturhängtvonderMarkt- situationab,nichtvomProduktversprechen selbst. Bei Sonnenschein funktioniert eine Rücknahme meist reibungslos, bei Regen ebennicht.Das istdenAnlegernoftnicht in einer Form vermittelt worden, die sie wirk- lich verstehen konnten. Dabei geht es nicht um eine Schuldfrage, sondern um Trans- parenz und um die Anreizstruktur der Vertriebspartner, die das Produkt an den Mann bringen. Der Begriff „semiliquide“ suggeriert eineLiquidität, diees imErnstfall nicht gibt. Ist das ein Etikettenschwindel? ALEX KORIATH: Der Begriff ist tatsäch- lichunglücklichgewählt.Semiliquideklingt nach einem Mittelweg, den es bei Liquidi- tät schlicht nicht gibt. Entweder ist sie da oder nicht. In guten Marktphasen mag die versprochene Liquidität gewährleistet sein, in einem schwierigen Szenario eben nicht. Das Wort suggeriert etwas, das strukturell nicht gehalten werden kann. CHRISTOPH GORT: Interessant ist, dass Strukturen, die sich 2008 als höchst problematisch erwiesen haben, heute wie- der Anklang finden. Individuell lernen wir aus Fehlern, kollektiv offenbar weni- ger gut. Genau deshalb ist Transparenz so wichtig, damit sich dieselben Fehler nicht wiederholen. Sehen Sie Anzeichen von Selbstüber- schätzung bei institutionellen wie privaten Investoren in der aktuellen Private-Markets-Euphorie? CHRISTOPHGORT: Selbstüberschätzung ist zutiefst menschlich und in Private Mar- kets nicht stärker ausgeprägt als anderswo. Was ich aber beobachte: Viele Investoren unterschätzen, wie groß die Renditedis persion zwischen den Managern ist. Dabei gilt schlicht:Wenn die Selektion gelingt, ist das hervorragend. Gelingt sie nicht, wird es teuer. Bei den Anbietern selbst würde ich eher nicht von Overconfidence sprechen, sondern von Anreizstrukturen. Niemand vermarktet sich als unterdurchschnittlich. WennSiebeidenAnlegergruppeneinen Rat für die nächsten zwölf Monate geben müssten: Wo liegt das größte unterschätzte Risiko? ALEX KORIATH: Ich traue mir nicht zu, das eine größte Risiko zu benennen, der wichtigste Hebel liegt jedoch in der Port foliokonstruktion. Diversifikation über GPs, Vintage-Jahrgänge, Sektoren und Regionen hinweg bleibt entscheidend, das muss man wirklich durchdenken. Bleiben Sie kritisch, laufen Sie nicht dem letzten Trend hinterher und nicht dorthin, wo bereits sehr viel Kapital hingeflossen ist. Versuchen Sie eher, antizyklisch zu blei- ben. Und ganz wichtig: Investieren Sie die nötige Zeit in die Due Diligence am Anfang und bringen Sie dann die Geduld auf, mit diesem GP zwölf bis 14 Jahre zusammenzuarbeiten. Einen Fehler im Nachhinein über den Secondary-Markt zu korrigieren, ist teuer. CHRISTOPH GORT: Das größte Risiko ist ein Portfolio, das einen im ungün stigsten Moment zu Zwangsverkäufen zwingt. Genau das hat in jeder großen Krise die größten Verluste verursacht. Die beste Vorbeugung ist, ein Portfolio auf Basis mehrerer plausibler Szenarien zu bauen, statt sich auf ein einziges fest zulegen. Dann wird man auch Phasen überstehen, in denen andere unter Druck verkaufen müssen. HANS HEUSER Privates Engagement hat zu stärkerem Wachstum geführt Operative Kennzahlen von PE-Transaktionen und börsennotierten Unternehmen imMSCI ACWI Die Kernaussage: Private-Equity-Portfoliounternehmen wurden zwar zu günstigeren EBITDA- Multiples erworben und mit mehr Fremdkapital finanziert, wuchsen bei Umsatz und EBITDA aber deutlich schneller als die Vergleichsgruppe am Aktienmarkt. Ihre EBITDA-Margen lagen dagegen leicht darunter. Quelle: Cambridge Associates EBITDA PPM Leverage Multiple Revenue CAGR EBITDA CAGR EBITDA Margin 9,2x 11,0x 3,7x 2,1x 13% 6% 13% 6% 21 % 23%
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