Institutional Money, Ausgabe 3/2026
80 3/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Alex Koriath und Christoph Gort lichen Wahl gering, bei einem schwachen Private-Equity-Manager dagegen erheblich. Viele Investoren verbringen zu viel Zeitmit der Frage, ob sie vier oder 4,5 Prozent Pri- vate-Equity-Allokation wählen sollen, und zu wenig Zeit mit der eigentlichen Umset- zung.GeradeweilderWettbewerbzwischen den Anbietern so intensiv ist, entscheidet die Selektion darüber, auf welcher Seite des Medians man landet. Und rechnerisch ist immer eine Hälfte enttäuscht. DerSecondaries-Markterreichte2025 rund 226 Milliarden US-Dollar. Wie nachhaltig ist dieses Wachstum? ALEX KORIATH: Grundsätzlich sehen wir das positiv. Der Secondaries-Markt ent- wickelt sich weiter und öffnet sich längst nicht mehr nur für klassisches Private Equity Buy-out, sondern zunehmend auch fürCredit-,Infrastruktur-undVenture-Capi- tal-Secondaries. Wahrscheinlicher als eine gerade Aufwärtslinie ist eine wellenför- mige Entwicklung, aber grundsätzlich ist das ein nützliches zusätzliches Instrument der Portfoliosteuerung. BeimAufbau eines Private-Equity-Portfolios,derjanaturgemäß lange dauert, helfen Secondaries, schneller Exposure aufzubauen, und amEnde helfen sie, gezieltÜbergewichtungen zu trimmen. DasPricing ist allerdingsdeutlich gestiegen, sodass Secondaries längst nicht mehr die Schnäppchen-Opportunitätvonfrühersind und Selektivität wichtiger wird. Fällt das verfügbare Dry Powder erstmals unter das jährliche Transaktionsvolumen? Droht eine Liquiditätsengpasssituation? ALEX KORIATH: Einen echten Liquidi- tätsengpass sehe ichnicht,wahrscheinlicher ist eine Verschiebung von einem Verkäu- fer- zu einem eher ausgeglichenen Markt, bei der die Preise etwas nachgeben und dadurchwieder attraktiver für opportunis- tisches Kapital werden. Es fließt ohnehin laufendneuesGeldnach: Neue Fondswer- den aufgelegt, und zunehmend fließt auch Evergreen-Retail-Kapital in den Secon- dary-Markt, weil er einen schnellen Weg zu Exposure ohne lange Ramp-up-Phase bietet. Auf der Käuferseite gibt es dabei zwei Gruppen: strategische Käufer, die denMarkt zur Portfoliosteuerung nutzen, und opportunistische Käufer, die gezielt auf attraktive Discounts warten. Steigen die Preise wieder, zieht das genau diese opportunistischen Investoren zurück in den Markt. Wie unterscheiden sich die Dynami- ken im Secondaries-Markt zwischen Private Equity, Credit und Venture Capital? ALEX KORIATH: Private-Equity-Secon- daries sind mit Abstand der reifste und liquideste Teilmarkt mit dem größten Transaktionsvolumen. Credit und Infra struktur folgen, Venture-Secondaries bleibendagegenein sehr spezialisiertes Seg- ment mit teils extrem großen Discounts. DieKluft zwischendenPreisvorstellungen vonVerkäufer undKäufer ist dort deutlich ausgeprägter als in anderen Segmenten. Ein größerer Discount ist gleichzeitig eine Wachstumsbremse für dieMarktliquidität. Je kleiner er wird, desto liquider wird der Markt insgesamt. Noch einmal zum eingangs angespro- chenen Thema „Demokratisierung“. Wie bewerten Sie grundsätzlich die Öffnung von Private Markets für Privatanleger? CHRISTOPH GORT: Der zentrale Punkt lässt sich eigentlich in einem Satz zusam- menfassen:DieÖffnungansichist gut, aber siemuss transparent erfolgen.DerWunsch, ein breiteres Publikum an den Rendite- chancen von Private Markets teilhaben zu lassen, ist legitim und volkswirtschaftlich nicht falsch. Entscheidend ist, dass Anleger tatsächlich verstehen, was sie kaufen, insbe- sondere inBezugauf Illiquidität, Laufzeiten und die Anreize der Vertriebspartner, die diese Produkte an denMann bringen. ALEX KORIATH: Aus institutioneller Sicht ziehen wir dennoch klare Grenzen. Wir raten dazu, möglichst nicht im selben Segment wie Retailanleger zu investieren – und schon gar nicht im selben Vehikel. Weil dort ein anderer Investitionsdruck herrscht und sich Preise in weniger attrak- tive Regionen verschieben können. Dann entsteht schnell ein Wettlauf um Exits oder Rücknahmen, in den unsere insti- tutionellen Kunden nicht hineingezogen werden wollen. Da wir uns überwiegend Größe als zweischneidiges Schwert Die Grafik zeigt die Streuung des Netto-TVPI pro Fondsgrößenklasse. Der Netto-TVPI (Total Value to Paid-In Capital) zeigt den Gesamtwert eines Fonds imVerhältnis zum eingezahlten Kapital aus Sicht der Fondsanleger (LP), also nach Abzug von Managementgebühren, Fondskosten und Carried Interest. Kleinere Private-Equity-Fonds erzielten historisch höhere poten- zielle Multiples, allerdings bei deutlich breiterer Ergebnisstreuung. Quelle: Cambridge Associates 0,0x 0,5x 1,0x 1,5x 2,0x 2,5x 3,0x 3,5x 4,0x Netto an LPTVPI Fondsvolumen 75%—95% Median ≤ 200Mil. $ 200-500Mil. $ ≤ 500Mil.-1,5 Mrd. $ 1,5-5 Mrd. $ ≤ 5-10 Mrd. $ > 10 Mrd. $ 5%—25% 2. Quartil 3. Quartil
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