Institutional Money, Ausgabe 3/2026
3/2026 | institutional-money.com 79 Alex Koriath und Christoph Gort INTERVIEW vergangenen Boomjahre herausnimmt. Das ist am Ende gesund für die gesamte Anlageklasseund für die verbleibendendis- ziplinierten Anbieter. Continuation Funds gelten als Ventil für fehlende Exits. Wo liegt für Sie die GrenzezwischenLiquiditätslösungund Interessenkonflikt? ALEX KORIATH: Es ist zunächst eine Liquiditätslösung, die auch entstanden ist, weil klassische Exit-Kanäle seltener gewor- den sind. Das traditionelle IPO-Fenster war zuletzt eher klein. Aus Investorensichtmuss manaber genauhinschauen.Mankanndas Instrument nicht pauschal verteufeln oder gutheißen. LautMarktuntersuchungenent- scheidensichrund80ProzentderInvestoren in der Regel gegen einen Roll-over in ein ContinuationVehicleundnehmenstattdes- senlieberdieangeboteneLiquiditätmit.Das zeigt,wieskeptischderMarktgegenüberdie- senKonstruktionenselbstdannbleibt,wenn sie ihm angeboten werden. Reichen unabhängige Bewertungen und LPAC-Genehmigungen aus, um Fairness bei Continuation Funds sicherzustellen? ALEX KORIATH: Man muss die Rechte und die Zusammensetzung des Limited Partner Advisory Committee im Einzel- fall genau prüfen. Welche Befugnisse hat es überhaupt, und wer sitzt dort? Eine Fairness Opinion oder ein unabhängiges Bewertungsgutachten ist eine sinnvolle Minimalvoraussetzung, ersetzt aber kei- nen echten Marktpreis. Es gibt durchaus Continuation Vehicles, bei denen GPs sich aktiv Marktpreise einholen und eine echte Markttransaktion erwägen. Dort haben Sie als Investor deutlich mehr Vertrauen, dass der Preis real ist, statt nur theoretisch hergeleitet. Erst wenn ein GP tatsächlich Marktangebote einholt, gewinnt der Preis an Glaubwürdigkeit. Beobachten Sie eine wachsende Nut- zung NAV-basierter Finanzierungen zur künstlichen IRR-Verbesserung? CHRISTOPH GORT: Der Zweck muss genau geprüft werden. Eine ökonomisch sinnvolle Add-on-Investition, die dem Portfoliounternehmen tatsächlich hilft, ist etwasgrundlegendanderesalseinereinkos- metischeVerbesserungvonKennzahlenwie der IRR. Sobaldder Eindruck entsteht, dass es nur umKosmetik oder umdie Verschie- bung von Auszahlungen zulasten anderer Investoren geht oder gar darum, Auszüge an den GP zu finanzieren, sind wir äußerst skeptisch. Investoren müssen sich als Teil ihrer Sorgfaltspflicht sehr genau informie- ren, welcher konkrete Zweck hinter einer solchen Finanzierung steckt, bevor sie zustimmen. ALEX KORIATH: Man sollte dabei aber auch die andere Seite sehen: NAV-basierte Finanzierungen eröffnen durchaus auch neue Investmentmöglichkeiten. Es gibt inzwischen spezialisierte Kreditmanager, die eigene Fonds für NAV-Lending aufle- gen, mit unterschiedlichen Risikoprofilen. Einige davon finden wir durchaus interes- sant, und unsere Kunden sind dort auch investiert. Entscheidend ist auchhier, genau zu verstehen, wofür das Kapital verwendet wirdundwiedieeigenePositioninderKapi- talstruktur dadurch verändert wird. Wie hat sich die Performanceprämie von Private Equity gegenüber Public Markets in den vergangenen drei Jah- ren entwickelt? ALEX KORIATH: Über lange Zeiträume ist die Liquiditätsprämie intakt und zeigt eine klare Outperformance gegenüber bör- sennotiertenMärkten. In den vergangenen drei Jahren gilt das nicht, weil die öffentli- chen Märkte deutlich schneller gestiegen sind. Die Bewertungen im Privatmarkt ziehen naturgemäß mit einem gewissen Abstand nach. Über Zehn- oder 15-Jahres- Zeiträume ist die Prämie aber weiterhin evident.Undgenaudieser längereHorizont istfürinstitutionelleInvestorenohnehindie relevanterePerspektive,weil sie inderRegel nicht nach drei Jahren aus einem Engage- ment aussteigen, sondern langfristigplanen und entsprechend investierenmüssen. CHRISTOPHGORT: Manvergisstschnell, wielangeauchöffentlicheMärkteschwache Phasendurchlaufenkönnen.Zwischen2000 und 2010 waren Aktienrenditen über die gesamteDekadenegativ, inJapandauertees nach1989über 30 Jahre, bisdieVerlusteauf- geholt waren. Das interessiert heute kaum noch jemanden. Bei Private Equity gab es viele gute Jahre und jetzt eben eine heraus- fordernde Phase. Aber die Chancen stehen gut, dass wieder bessere Jahre folgen. Jede AnlageklassehatihreschwierigenDekaden, das sollte man nicht überbewerten. Schrumpft die Illiquiditätsprämie strukturell, weil so viel Kapital in Pri- vate Markets geflossen ist? ALEX KORIATH: Wir sehen kein gene- relles strukturelles Schrumpfen. Richtig ist, dass hohe Einstiegspreise, etwa imVintage- Jahrgang2021,künftigeRenditendämpfen, und dass in stark umkämpften Segmenten wie Large Cap Buy-outs die Prämie unter Druck steht. Im Lower- und Mid-Market existiert sie unverändert. Zudem zeigen unsere jährlichen Vergleiche von rund tausend Portfoliounternehmen mit ver- gleichbaren börsennotierten Firmen, dass Private-Equity-Gesellschaften operativ tat- sächlichstärkerwachsen.DiePrämie ist also mehr als reines Financial Engineering. Wiewichtig ist dieManagerselektion in einemUmfeldmithöheremSpreadzwi- schen Top- und Bottom-Quartil? CHRISTOPH GORT: Entscheidend, würde ich sagen. Bei einem Aktien-ETF sind die Konsequenzen einer durchschnitt- AUA UND AUM IN ZAHLEN: Gesamt 557,8 Mrd. € 122,7 Mrd. € Privatkunden und Family Offices 198,5 Mrd. € Renten, Versicherungen und Staat 236,7 Mrd. € Stiftungen und Fonds
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=