Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Andreas Gebert 78 3/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Alex Koriath und Christoph Gort werden ihre kritischen Geschäftsprozesse nicht einfach einer Blackbox überlassen, deren Funktionsweise sie nicht verstehen und der sie sensible Kundendaten anver- trauenmüssten.Dafür braucht esweiterhin klar strukturierte, gepflegte Software mit einemTeam, das sie kontinuierlich weiter- entwickelt und wartet. Kritische Software wird also nachgefragt bleiben, nur die Übertreibung der vergangenen Jahre wird gerade bereinigt. Droht einesystemischeAnsteckungs- gefahr zwischen Private Credit und dem Bankensektor? CHRISTOPH GORT: Die Fundamental- daten sprechen dagegen. Große Banken hatten kurz vor der Finanzkrise im Schnitt einen Leverage-Faktor von rund 50, teil- weise auch deutlichmehr. Heute liegen die größten Banken weltweit bei zehn bis 20, im Private-Debt-Bereich sind es im Schnitt unter 1,5. Der Leverage ist also um den Faktor fünf geringer, die Kredite sind ent- sprechendbesserunterlegt.Zudemist selbst der größte Private-Debt-Fonds im globalen Finanzsystem ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein kausales Risiko für das Banken­ system sehe ich nicht, wohl aber eine grundsätzliche Fragilität des Gesamtsys- tems durch hohe Staatsverschuldung und geopolitischeSpannungen, diemirdeutlich mehr Sorgenmacht. CHRISTOPH GORT: Man muss zwi- schen der grundsätzlichen Fragilität des Finanzsystems und einzelnen Auslösern unterscheiden.EinSandhaufenwirdirgend- wann instabil, wenn er zu hoch und zu schmal wird. Dann ist es fast beliebig, wel- ches einzelne Korn den Einsturz auslöst. Ich glaube schlicht nicht, dass Private Debt vom Umfang und vom geringen Leverage her überhaupt inder Lagewäre, kausal eine Finanzmarktkrise auszulösen. Die eigentli- che Fragilität liegt in Staatsverschuldung und geopolitischen Spannungen, nicht darin, ob ein einzelner Private-Debt-Mana- ger Geld verliert. Wie lange kann die aktuelle Exit-Dürre bei Private Equity noch anhalten, bevor sie das Fundraising strukturell beschädigt? ALEX KORIATH: Es gibt tatsächlich erste Anzeichen einer Verbesserung, sogenannte Green Shots am Horizont. Strukturelle Schäden im Fundraising finde ich ehrlich gesagt nicht per se schlimm, wenn man zurückblickt. In den vergangenen fünf, sechsJahrenhabendurchausauchGPsKapi- tal einsammeln können, die eigentlich gar kein Geld hätten bekommen sollen. Dass diese Manager jetzt wieder aus demMarkt verschwinden, ist eine notwendige Bereini- gung, die etwas von der Übertreibung der CHRISTOPH GORT Christoph Gort ist Investment Managing Director bei Cambridge Associates und Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizer Gesellschaft. Er betreut institutionelle Kunden in der Schweiz und übernimmt in Mandaten die Rolle des CIO, Lead Advisors oder zentralen Ansprechpartners für alternative Investments. 2010 gründete er als FoundingPartner dieZürcher Investmentberatung Siglo Capital Advisors, spezialisiert auf ILS, Private Debt,Drawdown-ManagementundImpactInvesting. 2024 wurde Siglo von Cambridge Associates übernommen.GortstarteteseineKarriere2003bei der Pensionskasse der Stadt Zürich und wechselte 2008 zur Harcourt Investment Consulting AG, wo er2010Headof Fundof FundsResearchwurdeund Schweizer Pensionskassen zuHedgefondsanlagen beriet. Nach einem Volkswirtschaftsstudium in Bern promovierte er 2007 an der Universität Zürich mit Schwerpunkt Behavioral Finance und veröffentlichte Arbeiten zu Selbstüberschätzung, aktivemManagement und Pensionskassen.

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