Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Andreas Gebert Alex Koriath und Christoph Gort INTERVIEW 3/2026 | institutional-money.com 77 Assetklasse hat sich stark ausdifferenziert, sodassPauschalurteileüber „PrivateCredit“ kaum noch möglich sind. Für Investoren heißtdas:genauprüfen,welcheAnlageform zum eigenen Risikoprofil passt. Woher kommt eigentlich das starke WachstumvonPrivateCredit?EinVer- dienst desMarktes oder eine Folge der Regulierung? CHRISTOPH GORT: Vor der Finanz- krise hatten große Banken auf dem Höhepunkt Leverage Ratios von fast 100. 100 Dollar Kreditvolumen waren mit 99 Dollar Fremdkapital finanziert. Nach der Krise verschärften Regulatoren zu Recht die Eigenkapitalanforderungen, insbeson- dere für risikoreichere Kredite. Für Banken wurde die Vergabe von Sub-Investment- Grade-Krediten dadurch unattraktiver – nicht weil die Schuldner schlechter wur- den, sondern weil die Kapitalunterlegung teurer wurde. Diese Bankendisintermedia- tion war der eigentliche Startschuss für das Wachstum von Private Credit. Volkswirt- schaftlich ist das zu begrüßen, weil jemand die entstandeneLücke bei derKreditversor- gung kleinerer Unternehmen füllt. WieernstistdievieldiskutiertePrivate- Credit-Krise in den USA tatsächlich? CHRISTOPH GORT: Im Vordergrund steht klar der Softwaresektor, der im Pri- vate-Credit-Marktmitetwa20bis30Prozent deutlich stärker vertreten ist als im High- Yield-Bondmarkt mit rund fünf Prozent oder bei syndizierten Loans mit zehn bis 15 Prozent. Und Software steht durch die dynamische KI-Entwicklung unter Druck. Eine systemische Krise oder ein breiteres Problem in Private Credit sehen wir darin aber nicht. Die Loss Rates – alsodieAusfall- ratenunterBerücksichtigungvonRecovery Values – von privaten Krediten liegen laut großen Datenbanken in den letzten Jahren im Schnitt bei 1,2 bis 1,5 Prozent, und die reinen Ausfallraten von syndizierten Loans lautJ.P.Morganaktuelleherbeidreibisüber vier Prozent für die vergangenen zwei bis drei Quartale. Ohne Risiko gäbe es auch keine Prämie. Einzelne idiosynkratische Probleme wird es in dieser Anlageklasse immer geben, das ist Teil ihrer Natur und keine Krise. Ist die Softwareschwäche also eher eine notwendige Korrektur als ein Warnsignal? ALEX KORIATH: Genau. Vor dem KI-Hype war Software-as-a-Service das heißeste Thema überhaupt – mit Bewer- tungen, die kaum noch rational waren. Die Bewertungen mancher Fondsmana- ger waren schlicht nicht nachvollziehbar. Was wir jetzt sehen, ist eine natürliche Korrektur dieser Exzesse. Unternehmen ALEX KORIATH Alex Koriath, CFA, ist Partner und EMEA Regional Head bei Cambridge Associates und leitet zugleich das Münchner Büro. Seit über einem Jahrzehnt verantwortet er die EMEA Retirement, Insurance &GovernmentPracticeundbetreutPensionskassen und Versicherungen in ganz Europa. Zudem treibt er den Ausbau des kontinentaleuropäischen Geschäfts voran und führt – gestützt auf über zwei Jahrzehnte Erfahrung mit privaten Anlagen in institutionellen Strategien – Kundenteams, die Portfolios in Private Markets und Hedgefonds beraten. Er ist stimmberechtigtes Mitglied des globalen Infrastructure Co-Investment Committee von Cambridge Associates. Koriath ist zudem Dozent für Corporate Financial Management an der HdBW München und war Lehrbeauftragter an der London School of Economics. Vor Cambridge Associates leitete er das Manager-Research-Team der KPMG-Investmentberatung; zuvor arbeitete er bei Hewitt Bacon & Woodrow und der Allianz Gruppe. Er erwarb seinen MSc an der London School of Economics und ist CFA-Charterholder.
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