Institutional Money, Ausgabe 3/2026

INTERVIEW Alex Koriath und Christoph Gort 76 3/2026 | institutional-money.com GEOPOLITISCHE UNSICHERHEIT , steigende Zinsen und der KI-Boom prä- gen laut Alex Koriath und Christoph Gort vonCambridgeAssociates das Private-Mar- kets-Umfeld 2026 wie kaumein Jahrzehnt zuvor. Im Interview erläutern die beiden Experten, weshalb sie der Öffnung illiqui- der Anlagen für Privatanleger skeptisch gegenüberstehen, warum semiliquide Fondsstrukturen ihr Liquiditätsverspre- chen im Ernstfall kaum halten können und worauf Investoren bei Continuation Funds sowie bei NAV-basierten Finanzie- rungen ganz genau achten sollten. Cambridge Associates berät seit über 50 Jahren zu Private Markets. Wie unterscheidet sichdasaktuelleMarkt- umfeld 2026 von früheren Zyklen? ALEX KORIATH: Wir kommen aus einer langenNiedrigzinsphase, hatten2021einen Bewertungs-Peak und danach eine Korrek- tur, wenn auch keinen Reset wie 2008. Heute prägen mehrere Kräfte gleichzeitig denMarkt: steigendeZinsen, die Strategien verändern, eine geopolitischeUnsicherheit, die größer ist als in den vergangenen 20 Jahren, strukturelle Verschiebungen durch mehr Kapitalzugang für Private Markets und schließlichdasThemakünstliche Intel- ligenz,dasvonderInvestorenselektionbiszu Milliardeninvestitionen in Rechenzentren alles durchdringt. Insgesamt also ein kom- plexes Umfeld mit vielen Chancen, aber auchklarenRisiken,dieeszunavigierengilt. Bringt die oft als Demokratisierung bezeichneteRetailisierung der Private MarketseineunnötigeUnruhe, diever- meidbar gewesen wäre? ALEX KORIATH: Wir arbeiten ausschließ- lich mit institutionellen Investoren, und ich habe persönlich eine gewisse Skepsis gegenüberderRetailisierung.Private-Markets- Investments sind komplex: Kapitalabrufe, möglicheLaufzeitverlängerungen,rechtliche Feinheiten,alldaserfordertGovernanceund Beratung.Jekleinteiligermaninvestiert,desto teurerwirdes,weilIntermediäreeingeschaltet werden müssen, die selbst gewinnorientiert arbeiten. Wer als Privatanleger drei bis fünf ProzentRenditeerwartet, sollte realistischer- weiseetwaswenigereinkalkulieren–schlicht weil jemand für die kleinteilige Umsetzung bezahlt werdenwill. CHRISTOPH GORT: Der Wunsch, ein breiteres Publikum zu bedienen, ist grund- sätzlichrichtig.Ichglaubenicht,dassPrivate MarketsausschließlichinstitutionellenAnle- gern vorbehalten sein sollten. Das Problem beginnt dort, wo man versucht, Illiquidität mit Strukturenzukaschieren, dienur funk- tionieren,solangeandenMärktendieSonne scheint.InstitutionelleInvestorensinddamit besser vertraut, weil sie Erfahrung, Gover- nance und den passenden Zeithorizont mitbringen. Für breitere Anlegerschich- ten liegt die Lösung in mehr Transparenz, Aufklärung und einer ehrlichen Analyse derAnreizstrukturenbeiVertriebspartnern. Sie haben von „zu viel Konkurrenz um die gleichen Deals“ gesprochen, Herr Koriath.Wieäußert sichdas imInvest- mentalltag Ihrer Kunden? ALEX KORIATH: Wenn zu viel Kapital auf zu wenige Deals trifft, werden diese teurer eingekauft.Das sehenwir sowohl bei Large Cap Private Equity als auch im Pri- vate-Credit-Bereich. Es betrifft auch Fonds mithohemRetailanteil.Diesemüssenquar- talsweiseinvestieren,wasKaufdruckerzeugt und die Preise antreibt. Ein zu hoher Ein- stiegspreis drückt später die Rendite. Unser Mehrwert besteht darin, genau zu identifi- zieren, wo im Universum noch attraktive Opportunitätenbestehen.Deshalbsindwir bewusst eher im Lower- und Mid-Market unterwegs, wohin bislang weniger Kapital geflossen ist. WosehenSiediegrößtenstrukturellen Verschiebungen im Private-Markets- Universum der vergangenen Jahre? CHRISTOPHGORT: PrivateCrediterfüllt volkswirtschaftlicheinewichtigeFunktion: Kreditversorgungdort,woBankenausregu- latorischen Gründen nicht mehr aktiv sein können oder wollen oder wo Schuldner schlicht zu klein für eineAnleihenemission sind. Ähnliches gilt in der Versicherungsin- dustrie,woderKapitalmarktalsRisikoträger einspringt, weil keine einzelne Rückversi- cherung allein große Naturkatastrophen abdeckenkönnte.DerPrivate-Credit-Markt liegt heute weltweit bei rund zwei Billio- nen Dollar und ist damit größer als der High-Yield-Bond-Markt. Die eigentliche strukturelleEntwicklung ist, dassderMarkt heutedeutlichheterogeneristalsfrüher.Die DATEN UND FAKTEN: Über 50 Jahre Erfahrung Mehr als 1.000 Kunden weltweit 557,8 Mrd. Euro AuM + AuA Mehr als 45.000 getrackte Fonds 14 Standorte 1.400 Mitarbeitende

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