Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Studien, die die Welt nicht braucht THEORIE & PRAXIS 3/2026 | institutional-money.com 83 wirkungen. Interessant ist auch, dass eine negative Stimmung in den Gesprächen stärkere Reaktionen hervorruft als eine positive Stimmung. Reiner Unterhaltungswert Entscheidend ist aber, dass sich daraus kein Vorteil erzielen lässt. Das zeigen die For- scher des zuletzt genannten Papers anhand eigens entwickelter Strategien, mit denen realistisch auf Grundlage von Podcast-Inhal- ten gehandelt werden könnte. Das Ergebnis: Keine dieser Strategien erzielt eine besse- re Performance als passive Benchmarks. Sie bewirken lediglich einen Anstieg der Handelsaktivität. Für Kapitalmarktprofis ist das wenig über- raschend. Schließlich basieren Podcasts auf öffentlich zugänglichen Informatio- nen, die längst eingepreist sein dürften, wenn die meisten Hörer basierend darauf aktiv werden. Und es können zusätzliche Verzögerungen hinzukommen. Denn viele Podcasts folgen einem festen wöchentlichen Rhythmus, sodass der Aus- strahlungstermin der Folgen eher von den Produktionsplänen bestimmt wird als von den aktuellsten Nachrichten. Abseits des Unterhaltungswerts sind deshalb auch Pri- vatanleger besser beraten, sich um eine sofortige Analyse zu bemühen, statt auf die bequeme, aber zeitversetzte Aufbe reitung im Podcast zu warten. Märkte bewegen Podcasts Die beiden Studien haben theoretische Relevanz. Aber institutionelle Anleger brauchen sich nicht damit zu befassen. Denn Podcasts taugen weder als Informa- tionsquelle noch als Alpha-Generatoren. Sie sind höchstens als Gradmesser für das Verhalten uninformierter Privatanleger zu gebrauchen. Das könnte etwa für ausge- wählte Meme-Aktien interessant sein, die über diese Schiene vielleicht besser zu ver- stehen sind. Ansonsten bleibt nur eine Erkenntnis, die wohl viele schon vermutet haben: Podcasts bieten keinen systemati- schen Vorteil amMarkt. Stattdessen dürfte es umgekehrt sein: Märkte bewegen Pod- casts. Denn Aktien, die besonders bekannt sind oder bei denen es überraschende Kursreaktionen gab, werden am häufigsten besprochen. Der Markt befeuert die Hörer- statistik deshalb wohl weitaus stärker als umgekehrt. » Podcasts bieten keinen verwertbaren Informationsvorteil. « Laudi, M. / Wecks, J. O. (2026), Do Podcasts Move the Stock Market? MARKO GRÄNITZ Podcasts beeinflussen das Handelsvolumen Durchschnittliche Reaktionen auf Quartalszahlen mit und ohne Berichterstattung Die Grafik zeigt die kumulative Entwicklung des Handelsvolumens umden Zeitpunkt der Gewinnbekanntgabe. Der Anstieg ist deutlich stärker, wenn das Ereignis von der Berichterstattung in einemPodcast begleitet wird. Quelle: Laudi, M. / Wecks, J. O. (2026), Do Podcasts Move the Stock Market? -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 100% 150% 200% 250% 50% 0% -50% Tage relativ zur Bekanntgabe der Quartalszahlen Quartalszahlen mit Podcast-Berichterstattung Quartalszahlen ohne Podcast-Berichterstattung Kumulatives Handelsvolumen
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