Institutional Money, Ausgabe 3/2026
INSTITUTIONAL MONEY MEINUNGSRADAR 3/2026 | institutional-money.com 41 60/40 ist nicht tot, aber vom Stan- dardmodell zu einer von mehreren möglichen Lösungen geworden. Welche Rolle der Ansatz heute spielt, hängt von den Voraussetzungendes jeweiligenAnlegers – Größe, Res- sourcen und Zugangsmöglichkeiten – ab. Für kleinere institutionelle Anleger kann ein überwiegend liquides an 60/40 orientiertes Portfolioweiterhin sinnvoll sein. Begrenzte personelle Ressourcen, kleinere Anlagevo- lumina und Mindestzeichnungssummen erschweren häufig den Zugang zu illiquiden Anlageklassen. Hinzu kommen gute Argumente für liquide Aktien und Anleihen: Transparenz, geringere Kosten und hohe Verfügbarkeit. Eine Stiftung mit zehn Millionen Euro Anlagevermögen wird daher eine andere Allokation wählen als einVersorgungswerkmit 15Milliarden Euro Anlagevermögen. Größere institutionelle Anleger kön- nen ihr Anlageuniversum sowohl global als auch über liquide und illiquide Anlageklassen hinweg breiter auf- stellen. Real Estate, Private Equity, Private Debt oder Infrastructure Equity können das Portfolio breiter diversifizieren, zusätzliche Renditequellen und Risiko- prämien erschließen sowie das Rendite-Risiko-Profil verbessern. Dabei gewichten institutionelle Anleger die einzelnen Assetklassen sehr verschieden – etwa abhängig von Anlageziel und Verpflichtungsstruktur, Renditeziel und Risikotragfähigkeit, Liquiditätsbedarf und Anlagehorizont. Für ein Portfolio, das nicht mehr ausschließlich auf 60/40 setzt, spricht zudem, dass die Diversifikationswirkung von Aktien und Anleihen nicht in jedem Marktumfeld gleichermaßen verlässlich ist, wie insbesondere Phasen hoher Inflation und schnell steigender Zinsen gezeigt haben. Das klassische Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen passt gut in das Bild des aktuellen globalen Wandels: Ein Modell, das über viele Jahre zuverlässig funktionierte, steht in einer volatilen, inflationären und komplexen Kapitalmarktumgebung stärker unter Druck. Die vergangenen Jahre haben zentrale Schwächen offengelegt. Der inflationsgetrie- bene Zinsanstieg 2022 hat gezeigt, dass eine niedrige Korrelation zwischen Aktien und Anleihen kein Natur- gesetz ist. Inflation und steigendeZinsen können beide Anlageklassen gleichzeitig belasten. Wer Aktienrisiken mit langlaufenden Anleihen absichern wollte – was vor 2021 angesichts niedriger Renditen naheliegend war –, wurde gleich auf beiden Seiten des Portfolios getrof- fen. Da das investierbare Universum heute deutlich breiter ist als Aktien und Anleihen, gibt es sinnvolle Ergänzungen. Inflationsindexierte Anleihen oder Core-Infrastrukturinvestments mit regulierten oder vertraglich inflationsgebundenen Cashflows können einen besseren Inflationsschutz bieten. Private Equity und Private Debt können die ausgewiesene Bewer- tungsvolatilität reduzieren, währendweniger korrelierte Anlageklassen wie Natural Capital, Insurance-Linked Securities oder Litigation Finance zusätzliche Diversi- fikationsquellen eröffnen. Die Grundidee des Ansatzes –Wachstumschancenmit stabilisierendenErtragsquel- len zu kombinieren – bleibt dennoch in vielenPortfolios relevant. Entscheidend ist jedoch: Nicht die Asset Allo cation steuert den Investor, sondern der Investor die Asset Allocation. Für komplexe institutionellePortfolios ist 60/40 häufig zu schlicht. Für einfachere Portfolios kann es weiterhin ein robuster Grundbaustein sein. MARCEL HOEPFNER Bertelsmann Stiftung LUKAS DOERR Soka-Bau Bild: © rudall30 | Adobe Stock, Bertelsmann Stiftung, Soka-Bau
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