Institutional Money, Ausgabe 3/2026

INSTITUTIONAL MONEY MEINUNGSRADAR 40 3/2026 | institutional-money.com Tendenziell überwiegt bei Ein- richtungen der betrieblichen Altersversorgung die anleihensei- tige Kapitalanlage, da man regulatorisch eng an den Verpflichtungen orientiert sein muss. Zwar gibt es Lockerungen in den Vorschriften (BRSG II), aber von Quoten 60 Prozent Aktien / 40 Prozent Anleihen ist man sehr weit weg. Die zunehmend infrage ste- hende negative Aktien/Anleihen-Korrelation bei hoher Inflation – die ein wesentlicher Treiber des In-Frage- Stellens des 60/40-Ansatzes ist – betrifft allerdings auch unsere (strategische) Kapitalanlage. Die stärke- re Anlage in alternative Anlageklassen (z.B. Private Markets) gewinnt an Bedeutung. Wichtig ist, dassman als Kasse ausreichende Risikotragfähigkeit in Form von Kapital auf der einen und entsprechende perso- nelle Kapazitäten zum Managen der einhergehenden Risiken bereits zum Start mitbringt. Denn gerade auf- grund des langfristigen Ansatzes der Pensionskassen, deren Verpflichtungen über viele Jahrzehnte andau- ern, eignen sich diese Anlageklassen. Weiterhin bieten sie Schutz in verschiedenen Marktphasen, was eine wichtige Betrachtungsweise für eine strategischeAllo- kation darstellt. Als Beispiel: Wohl dem Anleger, der in der Niedrigzinsphase mit einem defensiven Core- Immobilieninvestment amStart war. VomKapitalmarkt unabhängigeMieteinnahmen (z.B.Wohnen) stützendie Liquiditätsplanung, und der Aufbau (stiller) Reserven half der Risikotragfähigkeit. Zusammengefasst sind Pensionskassen in der Regel weit weg von 60/40 (ja sogar von 40/60), tun aber gut daran, weiter an einer diversifizierten Kapitalan- lage zu arbeiten. PATRICK HUBER Pensionskasse der Bewag Bild: © rudall30 | Adobe Stock, APK Vorsorgekasse AG, Pensionskasse der Bewag Für mich persönlich ist die Diskus- sion, ob das klassische 60/40- Modell (also 60%Aktien und 40% Anleihen) tot ist, insofern interessant, weil das Modell vonPensionskassen inÖsterreichnie angewendet wur­ de. Ganz im Gegenteil könnte man in Österreich eher von einem 30/70-Modell reden, wo also nur 30 Pro- zent inAktien gehaltenwerden. Laut Statistik der FMA lag die Aktienallokation zumUltimo 2012 bei nur zirka 25 Prozent. 2025 war die Allokation auf zirka 39 Pro- zent gestiegen. Eine deutliche Verbesserung, aber ein 60/40-Modell ist das nicht! Wichtiger als dasModell ist ausmeiner Sicht die Überlegung, wasmit den 40 Pro- zent (also demNicht-Aktien-Teil) passiert. 100 Prozent Staatsanleihen waren ausmeiner Sicht nie richtig. Für langfristig orientierte Investoren wie Pensionskassen ist eine geringe oder sogar negative Korrelation zu Aktien auch nicht unbedingt diewichtigste Eigenschaft einer Assetklasse. Das größte Risiko einer Pensions- kasse ist der permanente Geldverlust, entweder als Kaufkraftverlust durch Inflation oder als Wertverlust durch Ausfälle. Dieses Risiko kann mit 40 (oder 60) Prozent Staatsanleihen allein nicht ausreichend redu- ziert werden. Ein auf langfristige positive Realerträge ausgelegtes Portfolio mit einer hohen Allokation zu Assetklassenmit einemanderenRisikoprofil als Aktien kann aber sehr wohl das Verlustrisiko reduzieren. High-Yield- und Emerging-Markets-Anleihen sind gute Beispiele für geeignete Assetklassen, aber auch viele neuere alternativeAssetklassenwie z. B. Private Equity oder Infrastrukturinvestments sind bestens geeignet. Mit anderen Worten, 100 Prozent des Portfolios sol- len „return-seeking“, aber sehr breit diversifiziert sein. POUL THYBO APK Vorsorgekasse

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