Institutional Money, Ausgabe 3/2026

INSTITUTIONAL MONEY MEINUNGSRADAR 42 3/2026 | institutional-money.com Die Eigenschaften, die 60/40-Port- folios in der Vergangenheit populär gemacht haben, bestehen grund- sätzlich weiter. Sie kombinieren breit diversifizierte und liquide Anlagen und bündeln zentrale Risikofak- toren wie Aktien-, Zins-, Kredit- und Währungsrisiken. Damit bieten sie ein grundsätzlich interessantes Ver- hältnis von Rendite, Risiko und Diversifikation. Hinzu kommt ein praktischer Vorteil: Das Konzept ist ein- fach verständlich und lässt sich entsprechend gut kommunizieren. Für einen langfristigen Anlagehorizont kann ein 60/40-Portfolio daher weiterhin eine sinnvolle Lösung sein. Entscheidend ist allerdings, welche Anforderun- gen an das Portfolio gestellt werden. Mit zunehmender Portfoliogröße und steigenden Ansprüchen an das Portfoliomanagement stößt ein solch schematischer Ansatz an Grenzen. Für institutionelle Investoren wird 60/40dann eher zumAusgangspunkt für einemaßge- schneiderte strategische Asset Allocation als zu deren endgültiger Ausgestaltung. Eine solcheAllokationmuss konkrete Renditeziele und die individuelle Risikotragfähigkeit berücksichtigen. Zusätzliche Renditequellen undRisikofaktoren können integriert und ihre jeweiligen Gewichte gezielt aufein- ander abgestimmt werden. Dabei geht es gerade nicht darum, 60/40 grundsätzlich zu ersetzen, sondern die einfache Grundstruktur dort zu erweitern, wo die Anforderungen des jeweiligen Investors dies notwen- dig machen. Das klassische 60/40-Portfolio behält damit auch eine wichtige Referenzfunktion: Es liefert einen leicht verständlichen Ausgangspunkt, gegenüber dem sich komplexere strategische Allokationen einordnen und kommunizieren lassen. 60/40 ist daher weder tot noch die Antwort auf alle Anlagefragen. Für bestimmteAnforderungenhatte der Ansatz in der Vergangenheit seine Berechtigung, hat sie heute und wird sie auch künftig behalten. FELIX SCHLEER EnBW Energie Baden- Württemberg Für regulierte institutionelle Inves- toren ist 60/40 ohnehin viel zu pauschal – wir verfügen über einen differenzierteren Blick auf Diversifikation und müs- sen HGB-Abschlüsse aufstellen, weshalb wir eher von 10/90 sprechen. Allerdings merken auch wir: In inflationären Phasen gleichen Kursanstiege bei Anleihen Aktienrückgänge nicht mehr aus. Das zeigte sich besonders 2022 und zuletzt auch bei den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Für uns sind deshalb entscheidend: aus- reichendRisikokapital, zielgenaues Cashflow-Matching und ein langfristiger Anlagehorizont. Zusätzlich helfen eine globale Aufstellung und die Beimischung alterna- tiver Anlageklassen – etwa Immobilien oder Private Equity. Für Privatanleger jedoch bleibt 60/40 weiter funk- tional. Ein globaler Mix aus Aktien und Anleihen ist attraktiv – allerdings sollte der Anteil an Staatsanlei- hen angesichts der global steigenden Verschuldung kritisch beobachtet werden. Absolut entscheidend: Der Anlagehorizont sollte das zentrale Kriterium für die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen sein. Bei jüngeren Anlegern sehen wir für die Altersvorsorge sogar Quoten bis 100/0. JOHANNES SCHEIER VGH Versicherungen Bild: © rudall30 | Adobe Stock, EnBW Energie Baden-Württemberg AG, VGH Versicherungen

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=