Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Fachhochschule Dortmund Regulatorik-Guide STEUER & RECHT 3/2026 | institutional-money.com 261 („Unbundling“), was das Research-Angebot insbesondere für Nebenwerte spürbar aus- gedünnt hat. Die EU hat dies mit dem ListingAct 2024 teilweise zurückgenommen. EMIRverlagerte denOTC-Derivatehandel in zentralesClearingundbrachteMargin-Pflich- ten, die Liquiditätshaltung und Collateral Management institutioneller Portfolios dauer- haft verändert haben. Sichtbar wurden diese Risiken etwa inder LDI-Krise britischer Pen- sionsfonds 2022, die die Risiken vonMargin Calls deutlich vor Augen führte. Aber auch auf die Produktlandschaft und das Anlageverhalten hat die Regulierung deutliche Effekte. Solvency II steuert über risikobasierte Kapitalanforderungen fak- tisch die Asset-Allokation von Versicherern: Aktien und Alternatives binden viel Eigen- kapital, was jahrelang die Übergewichtung von Anleihen begünstigte; der Solvency II Review ab 2027 soll gezielt langfristige Aktienanlagen erleichtern. DieAIFMDhat den europäischenMarkt für alternative Fonds erst professionalisiert und mit demEU-Pass grenzüberschreitend geöff- net; Private-Debt- und Infrastrukturfonds, heute Standardbausteine institutioneller Portfolios, sind ein direktes Ergebnis. ELTIF 2.0 hat seit 2024 zu einer deutlichenWelle an Neuauflagen langfristiger Fonds geführt und hat womöglich eine Erhöhung der Investitio- nen in Infrastruktur zur Folge, was politisch als notwendig erachtet wird. Kanalisierung von Kapital Für Martin Wolff, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Kanzlei King & Spal- ding LLP in Frankfurt, zeigt sich hier ein grundsätzlicherWandel der Finanzmarktre- gulierung: „EU-Regulierung institutioneller Investoren dient längst nicht mehr nur der Stabilität des Finanzsystems. Siewird zuneh- mend zu einem Hebel, um Kapitalströme gezielt dorthin zu lenken, wo politisch gro- ßer Investitionsbedarf besteht, vor allem in Infrastruktur und erneuerbare Energien. Genau in diesen europäischen Kontext fügt sich das im Februar 2026 in Kraft getre- tene Standortfördergesetz (StoFöG) ein: Mit aufsichtsrechtlichen und investment- steuerlichen Anpassungen will der deutsche Gesetzgeber institutionelle Anleger, etwa berufsständische Versorgungswerke, stärker für Infrastrukturinvestitionen mobilisieren. „In meiner Beratungspraxis ist diese Dyna- mik deutlich spürbar, insbesondere bei Investments in Photovoltaikanlagen und Batteriespeichersysteme“, so der Anwalt und Steuerberater. Durch das StoFöG seien aufsichts- und investmentsteuerrechtliche Regelungen unter anderem imKapitalanlagegesetzbuch, in der Anlageverordnung und im Invest- mentsteuergesetz bewusst zusammengeführt und aufeinander abgestimmt worden, um Infrastrukturinvestments rechtssicher und wirtschaftlich attraktiver zu gestalten. Damit zeigt sich laut Wolff, wie EU-Regu- lierung und nationale Gesetzgebung Transformations- und Infrastrukturziele im Zusammenspiel fördern können. Umbruch durch ESG SFDR und Taxonomie haben Nachhaltig- keit von einer freiwilligen zur regulatorisch erzwungenen Dimension der Kapitalan- lage gemacht: Artikel-8/9-Klassifizierungen wurden de facto zum Vertriebskriterium, institutionelle Anleger mussten Daten-, Reporting- und Ausschlussprozesse auf- bauen. Zugleich zeigt die aktuelle Korrektur (Omnibus, SFDR 2.0), dass der Aufwand als überzogen galt: Die Omnibus-Ände- rungsrichtlinie reduziert nunmehr den CSRD-Anwenderkreis deutlich, und beim SFDR-Reformvorschlag entfällt etwa das PAI-Statement auf Unternehmensebene. Für Großanleger bringt die Reform zwar einige Reporting-Erleichterungen, schafft aber paradoxerweise ein neues Problem: Weniger berichtspflichtige Unternehmen bedeuten auch ein geringe- res Volumen an ESG-Daten für die eigene Pflichtberichterstattung. SRD II (in Deutschland über ARUG II) verpflichtet institutionelle Anleger und Ver- mögensverwalter, Mitwirkungspolitiken offenzulegen („comply or explain“) –Engage ment und Proxy Voting sind dadurch messbar professioneller geworden. Die Sustainable-Finance-Regulierung zählt für Prof. Katrin Löhr zu den strukturell weitreichendsten Veränderungen der ver- gangenen Jahre. Sie ist Professorin für Finanzwirtschaft an der Fachhochschule Dortmund und Unternehmerin: „Die Sustainable-Finance-Regulierung hat Nach- haltigkeit stärker in Investmentprozessen, Produktgestaltung und Berichterstattung verankert. Jetzt beginnt aus meiner Sicht die entscheidende zweite Phase: Der entstan- dene Rahmen muss einfacher, konsistenter und stärker auf tatsächliche Entscheidungs- relevanz ausgerichtet werden.“ Sie stellt fest, dass mehr Transparenz nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führt. „Informationenmüssen verständlich, vergleichbar und für die konkrete Anlage- entscheidung relevant sein. Ausmeiner Sicht sollte genau das ein Qualitätsmaßstab für gute Regulierung und gute Standards sein: aus Komplexität Orientierung zumachen.“ Letztlich bergen die Komplexität des Finanzmarktes und der technische Fortschritt ganz eigene Risiken. Die Nor- mengeber haben darauf reagiert: DORA zwingt seit Anfang 2025 alle Finanzak- teure – auch KVGen und Versicherer – zu umfangreichem IKT-Risikomanagement und Drittparteien-Kontrollen. Dies ist derzeit einer der größten laufenden Umset- zungsposten in der Branche. Im Folgenden nun die tabellarische Über- sicht über die wichtisten Regulierungen. GUIDE AUF DEN FOLGENDEN SEITEN » Der entstandene Rahmen der Sustainable- Finance-Regulierung muss einfacher, konsistenter und stärker auf tatsächliche Entscheidungsrelevanz ausgerichtet werden. « Katrin Löhr, Professorin für Finanzwirtschaft an der Fachhochschule Dortmund, Unternehmerin und Expertin für Finanzbildung
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