Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Immobilien und ESG STEUER & RECHT 3/2026 | institutional-money.com 239 Klingberg verweist dabei nicht nur auf die Dekarbonisierungsziele und die unsichere künftige Verfügbarkeit von Biogas. Auch beim Verkauf einer Immobilie können fossile Heizsysteme zumProblemwerden. „Gasheizungen führen auch im Verkauf zu Abschlägen.“ Bei bestehenden Anlagen prüft Real I.S. deshalb frühzeitig, ob ein Fernwärmeanschlussmöglich ist oder eine Wärmepumpe eingesetzt werden kann. Fernwärme bringt allerdings eigene Unsi- cherheiten mit sich. Der Zeitpunkt des Anschlusses, die Preisentwicklung und der Dekarbonisierungsgrad des Netzes liegen außerhalb des unmittelbarenEinflusses des Immobilieneigentümers. Flexibilität als Faktor BeieinerWärmepumpelassensichhingegen Betrieb und Kosten stärker selbst steuern. „Die Wärmepumpe ist eine Technologie, die uns Autarkie gibt undbei derwir selbst dieKosten imGriffhaben“, sagtKlingberg. Die Heiztechnik kann dabei nicht isoliert geplant werden. Wird eine Wärmepumpe für ein Bürogebäude dimensioniert, des- sen Dach und Fassade wenige Jahre später energetisch saniert werden, kann die Anlage danach zu groß sein. Heizung, Dämmung, Fenster, Fassade und Energie- management müssen deshalb aufeinander abgestimmt werden. Junges Portfolio Real I.S. profitiert nach eigenen Anga- ben von einem vergleichsweise jungen und energetisch gut aufgestellten Port- folio. Das Unternehmen prüft seinen Bestand auf Taxonomiefähigkeit und hat bei einzelnen Fondsprodukten bereits Taxonomiequoten eingeführt. Ein wichti- gerAnsatzpunkt liegt imlaufendenBetrieb. Energiemanagementsysteme können den Verbrauch auch in bereits vermieteten Gebäuden reduzieren, während größere Eingriffe in Fassade oder Dach bei einem jüngerenPortfolioseltenererforderlichsind. Laufende Instandhaltungsmaßnahmen nutzt Real I.S. deshalb zugleich für energe- tische Verbesserungen. „Wir nutzen jedes Gelegenheitsfenster der Instandhaltung, um schrittweise zu sanieren, sodass wir Produkte haben, die die regulatorischen Anforderungen erfüllen und marktgängig sind“, sagt Klingberg. Planbarkeit statt Symbolik Das Gebäudemodernisierungsgesetz verän- dert die Spielregeln durchaus. Eigentümer erhalten bei der Heiztechnik wieder mehr Freiheit, während die europäischen Vor- gaben zugleich konkrete Anforderungen an die energetische Qualität des Gebäude- bestands stellen. Erst in der praktischen Umsetzung wird sichtbar, welche dieser Änderungen für institutionelle Bestands- halter das größere Gewicht haben. Bei Stiftung Schönau und Real I.S. spricht vieles dafür, dass langfristige Sanierungs- und Dekarbonisierungsstrategien stärker von Energieeffizienz, CO₂-Reduktion und Marktgängigkeit geprägt werden als von der Frage, ob eine einzelneHeiztechnologie gesetzlich bevorzugt wird. Mehr Technolo- gieoffenheit schafft Handlungsspielraum. Für langfristige Investitionsentscheidungen bleibt entscheidend,wieverlässlichder regu- latorische Rahmen ist. Der Weg zur Klimaneutralität ist noch weit, doch es gibt bereits Fortschritte Die Dekarbonisierungslücke im Gebäudesektor schrumpft auf knapp neun Punkte. Der EU Buildings Climate Tracker des BPIE zeigt in seiner 4. Ausgabe anhand der beiden Grafiken, wie sich die Lücke zur Erreichung der Klimaziele imGebäudesektor insbesondere seit 2021 substanziell verkleinert hat. Das BPIE ist ein Thinktank mit Sitz in Brüssel und Berlin, der sich auf Analysen und die Vermittlung von Fachwissen rund um die Dekarbonisierung des Gebäudesektors spezialisiert hat. Quelle: Buildings Performance Institute Europe, BPIE DANIELA ENGLERT 95 70 45 20 -5 2050 2040 2030 28 53 Klimaneutralität 76 100 2023 EU Buildings Climate Tracker Weg zur Klimaneutralität bis 2050 20 25 30 15 5 28,1 Dekarbonisierungslücke verringerte sich bis 2023 auf 8,9 Punkte 10 0 -5 2023 2022 2016 2017 -1,9 5,4 9,6 10,6 11,2 11,7 21,5 12,7 8,9 -2,5 -0,1 2,8 5,8 -0,5 11,9 19,2 2018 2019 2020 2021 2015 EU Buildings Climate Tracker Weg zur Klimaneutralität bis 2050

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