Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Digitale Infrastruktur PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 207 Gründer und Geschäftsführer (CEO) der Digital Transformation Capital Partners GmbH (DTCP), sieht den Stromzugang inzwischen als entscheidenden limitie- renden Faktor. DTCP entstand 2015 als Ausgründung der Deutschen Telekom, ist heute unabhängig und investiert neben digitaler Infrastruktur auch in Growth Equity sowie Defence- und Security-Tech- nologien. Vento sagt im Gespräch mit Institutional Money: „Wir beobachten derzeit eine starke Nachfrage sowohl von etablierten Hyperscalern als auch von sogenannten Neo-Cloud-Anbietern, die zusätzliche Kapazitäten für Cloud- und KI-Anwendungen aufbauen. Der entschei- dende Engpass bei der Entwicklung neuer Rechenzentren ist zunehmend der Zugang zu verlässlich verfügbarem und wettbe- werbsfähig bepreistem Strom.“ Die Standortfrage Damit wird die Energieversorgung zur Standortfrage. „Es gibt einen klaren Trade- off“, sagt Vento: „Zentraleuropäische Märkte liegen nahe an großen Kunden- und Nachfragezentren, verfügen aber teilweise nur über begrenzte Stromkapazitä- ten und vergleichsweise hohe Energiepreise. Länder wie Norwegen bieten dagegen eine hohe Verfügbarkeit erneuerbarer Energie zu wettbewerbsfähigenKonditionen. Dadurch erweitert sich das Spektrum attraktiver Rechenzentrumsstandorte über die etab- lierten europäischen Hubs hinaus.“ Investitionen verlagern sich deshalb zunehmend in andere europäische Märkte, insbesondere nach Skandina- vien. „Rechenzentren haben naturgemäß einen sehr hohen Stromverbrauch. Bei jeder Investition prüfen wir deshalb sehr genau die Netzverfügbarkeit, den Ener- giemix, die Versorgungssicherheit und die langfristigen Beschaffungskosten. Bei einem großen Projekt in Norwegen könnten beispielsweise nahezu 99 Prozent des Stromverbrauchs durch Wasserkraft gedeckt werden.“ In Deutschland ist deut- lichwenigerWasserkraft verfügbar. „Unsere Portfoliounternehmen können sich einen Teil ihres Strombedarfs beispiels- weise über langfristige Power Purchase Agreements mit Erzeugern erneuerbarer Energie wie Windparks sichern – typi- scherweise über zehn Jahre oder länger.“ Auch Nachhaltigkeitsanforderungen spie- len beim Strommix eine Rolle: „Unser erster Hebel ist die Vermeidung und Reduktion operativer Emissionen – insbe- sondere durch Energieeffizienz und den möglichst umfassenden Einsatz erneuer- barer Energien. Der jeweilige Energiemix und die langfristige Strombeschaffung sind deshalb zentrale Kriterien bei unseren Rechenzentrumsinvestitionen.“ Wie knapp Strom und Netzanschlüsse inzwischen sind, beschreibt Pecher noch grundsätzlicher: „Nicht die Grundstücks- verfügbarkeit, sondern der gesicherte Netzanschluss bestimmt den Zeitplan und den Wert von Rechenzentren. Fläche im engeren Sinn ist selten der Engpass. Knapp ist ‚powered land‘, also Fläche mit gesichertem, zeitnah verfügbarem Netzan- schluss.“ In Deutschland seien Wartezeiten von bis zu sieben Jahren dokumentiert. „In Großbritannien stieg die kontrahierte Anschlusswarteschlange von 41 auf 125 Gigawatt, in Frankreich hat der franzö sische Übertragungsnetzbetreiber RTE bis Mai 2026 rund 18 Gigawatt für etwa 80 Projekte reserviert. ‚Time to Power‘ ist die eigentliche Wettbewerbsgröße“, so Pecher. Größter Wettbewerber Die Hyperscaler prägen dabei nicht nur die Nachfrage. David Pecher sieht sie zugleich als Konkurrenten der Infrastrukturinves toren: „US-Hyperscaler sind zugleich größter Nachfrager, größter Wettbewerber und Taktgeber des gesamten Kapitalzyklus“, fasst er zusammen. „In Europa bauen sie zweigleisig – selbst und gemietet.“ So erwar- tet CBRE laut seinem „European Data Centres Figures Q2 2026“-Bericht, dass die von Hyperscalern selbst betriebenen Rechenzentrumskapazitäten in Europa im Jahr 2026 um 22 Prozent auf 4,3 Gigawatt wachsen. Bei den bereits in Betrieb befind- lichen Self-Build-Kapazitäten konzentrieren sich rund 70 Prozent demnach auf Irland, die Niederlande, Schweden und Belgien. In Deutschland und Großbritannien dominiert Pecher zufolge dagegen die Anmietung. Für hiesige Eigentümer von Rechenzentren ist das ein zweischneidiges Geschäft. „Für Vermieter bedeutet dies erst- Steigender KI-Bedarf lässt Leerstände abschmelzen Leerstandsrate von Colocation-Rechenzentren in Deutschland Wie CBRE in seinem „2026 Deutschland Real Estate Market Outlook“ zeigt, sinkt trotz massivem Aufbau von Kapazität die Leerstandsrate in den Colocation-Rechenzentren hierzulande seit 2017 kontinuierlich. Zwischen 2017 und 2025 ging diese von 27,5 Prozent auf nunmehr 6,6 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum vervierfachte sich die Rechenzentrumskapazität. Quelle: CBRE Research 5% 0% 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026P 10% 30% 15% 20% 25%
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