Institutional Money, Ausgabe 3/2026

PRODUKTE & STRATEGIEN Humanoide Roboter 204 3/2026 | institutional-money.com UBTECH und Unitree Robotics. „China ist im Bereich humanoider Robotik inzwi- schen führend. Dort arbeiten mehr als 150 Unternehmen an humanoiden Robo- tern, unterstützt durch eine hochintegrierte Zulieferkette und industriepolitische För- derung“, sagt Glöckner. Die USA punkten dagegen mit KI, Halbleitern, Kapital und Unternehmen wie Tesla, Figure AI oder Apptronik. Der Wettbewerb dürfte zunehmend poli- tisch geführt werden. Denn Roboter sind mit Kameras und Sensoren ausgestattet, sammeln Daten über ihre Umgebung und könnten künftig auch in sensiblen Industrie- und Militäranlagen arbeiten. Sailer erwartet daher, dass neben Preis und Leistungsfähigkeit auch die Herkunft der Systeme wichtiger wird: „China dürfte bei humanoiden Robotern ein starker Wettbe- werber werden, weil dort die Produktion voraussichtlich günstiger skaliert werden kann. Gleichzeitig wird bei sicherheitskri- tischen Anwendungen, wie heute schon bei Autos, die Herkunft eine wichtige Rolle spielen.“ Erst im Juli haben die USA Beschränkungen für die Einfuhr ausländi- scher Humanoider erlassen, was vor allem chinesische Hersteller trifft. Für Investoren erhöht das die Komple- xität. Der globale Robotikmarkt könnte sich ähnlich wie andere strategische Technologien entlang geopolitischer Grenzen fragmentieren. Zugleich könn- ten westliche Anbieter vomWunsch nach vertrauenswürdigen Lieferketten profitie- ren – und europäische Zulieferer ihre starke Position bei Schlüsselkomponen- ten ausspielen. Risiko: Die richtige Story zum falschen Zeitpunkt Doch selbst wer auf die richtigen Technolo- gien setzt, kann als Anleger noch an einem anderen Problem scheitern: dem Timing. Ein Megatrend kann sich langfristig als richtig erweisen und Anlegern trotzdem Verluste bescheren, wenn sie zu früh ein- steigen. Glöckner sieht bei humanoiden Robotern genau dieses Risiko: „Bei huma- noiden Robotern kann man als Investor durchaus zu früh sein. Das erinnert an die Anfangsphase der Batterieindustrie oder des autonomen Fahrens: Die Richtung stimmt, aber welche Unternehmen sich am Ende durchsetzen, ist heute noch völlig offen.“ Entscheidend sind deshalb weniger spekta­ kuläre Demonstrationen oder weit in die Zukunft reichende Marktprognosen als Fortschritte bei der Kommerzialisierung. Investoren sollten darauf achten, ob die Produktionskosten tatsächlich sinken, Stückzahlen steigen und aus Pilotprojek- ten dauerhafte Aufträge werden. Ebenso wichtig ist, wie zuverlässig die Maschinen im realen Betrieb arbeiten – und ob sich der Robotikboom bei den Zulieferern in Umsatz und Margen niederschlägt. Hinzu kommen mögliche Engpässe entlang der Lieferkette. „Eine der größten Unsicherhei- ten ist, ob sich die benötigten Stückzahlen überhaupt produzieren lassen“, sagt Sailer. Humanoide Roboter benötigten große Mengen an Chips, Energie und bestimm- ten Rohstoffen, bei denen es bereits heute Engpässe gibt. Die Herausforderung für Anleger besteht damit darin, das langfristige Potenzial ernst zu nehmen, ohne die Zukunft bereits vollständig in die Gegenwart ein- zupreisen. Denn sollte die optimistische Vision tatsächlich Wirklichkeit werden, wären die Folgen ohnehin sehr viel grö- ßer als die Frage, welche Aktie davon am stärksten profitiert. Verdrängen Roboter menschliche Arbeit? Kurzfristig könnte Robotik vor allem ein Problem lindern, das viele Industrie­ länder bereits heute beschäftigt: den Mangel an Arbeitskräften. Roboter könn- ten körperlich belastende, monotone oder gefährliche Tätigkeiten übernehmen und so Beschäftigte entlasten. Siegwart sieht etwa in der Pflege Potenzial, wennMaschi- nen körperliche Aufgaben erledigen und dem Personal dadurch mehr Zeit für die persönliche Betreuung bleibt. Langfristig reicht die Dimension jedoch weiter. Generative KI beginnt bereits, Teile der Wissensarbeit zu automatisieren. Sollte Physical AI künftig zugleich immer größere Bereiche körperlicher Arbeit übernehmen, würde sich die Frage nach den Folgen für den Arbeitsmarkt neu stellen. Die 65 Billionen Dollar menschli- cher Arbeit, die am Anfang als gewaltiges Marktpotenzial stehen, erhalten damit eine zweite, gesellschaftliche Bedeutung. Ausgerechnet Sailer, der die langfristigen Chancen der Robotik besonders hoch einschätzt, verweist deshalb auch auf die Kehrseite des Szenarios: „Wenn neben den Wissensberufen künftig auch körper- liche Tätigkeiten automatisiert werden, sind erhebliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt kaum zu vermeiden. Wie diese gesellschaftlich abgefedert werden sollen, darauf gibt es bislang keine über- zeugende Antwort.“ Chance für Europa Globale Marktanteile bei Aktuatorsystemen und -komponenten Europäische Unternehmen stellen gut ein Drittel der Aktuatorsysteme und -komponenten – wich- tige Bauteile humanoide Roboter und einer der zentralen Kostenblöcke. Innerhalb Europas ist Deutschland führend. Quelle: LBBW Research: Humanoide Robotik: Das nächste „Big Thing“?, 2026 DAVID VERBEEK 0% Europa China Mexiko Japan USA 10% 20% 30% 34% 26% 9% 5% 5% 40%

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