Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © DJE Kapital Humanoide Roboter PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 203 halb Chinas eher bei etwa 130.000 US-Dollar“, sagt Glöckner. Bis 2030 könnten die Produktionskosten nach ver- schiedenenAnalysen noch einmal umrund 30 Prozent sinken. „Erst dadurch dürfte der Markt wirklich skalieren.“ Auch die potenziellen Anwender setzen klareGrenzen: In der Fraunhofer-Befragung würde einGroßteil der Unternehmenweni- ger als 100.000 Euro für einen humanoiden Roboter ausgeben. DerWettlauf folgt damit einer einfachen Formel: Die Fähigkeiten müssen steigen, während die Kosten sinken. Wie schnell beides gelingt, dürfte darüber entscheiden, wann aus Pilotprojekten tat- sächlich einMassenmarkt wird. Milliardenmarkt mit Anlauf Wie steil der Hochlauf ausfallen könnte, zeigt eine aktuelle Prognose von BofA Global Research. Demnach könnte die weltweite „Population“ humanoider Robo- ter von heute noch geringen Stückzahlen auf rund 300 Millionen im Jahr 2040 und drei Milliarden bis 2060 steigen. Langfristig sieht BofAden größten Einsatzbereich sogar nicht mehr in Fabriken, sondern in privaten Haushalten. Die Zahl der Humanoiden könnte dann die der Autos übertreffen. Tesla-Chef Elon Musk hält sogar bis 2040 mit zehnMilliardenmehr Roboter alsMen- schen für wahrscheinlich. Solche Langfristprognosen sind allerdings mit enormen Unsicherheiten behaftet. Wie weit Anspruch und industrielle Rea- lität noch auseinanderliegen, zeigt die Befragung des Fraunhofer IPA: Nur sechs Prozent der Unternehmen erwarten die Marktreife humanoider Roboter inner- halb von zwei Jahren. 74 Prozent rechnen dagegen mit drei bis zehn Jahren. Für Anleger ist diese Diskrepanz entschei- dend. Das langfristigeMarktpotenzial kann gewaltig sein, ohne dass dieHersteller schon kurzfristig entsprechende Umsätze und Gewinne erzielen. Hinzu kommt: Selbst wenn sich die Prognosen bewahrheiten, ist heute völlig offen, welche Roboterherstel- ler am Ende zu den Gewinnern gehören werden. Für Investoren könnte es des- halb sinnvoller sein, nicht auf den Sieger des Rennens zu wetten, sondern auf jene Unternehmen, deren Technologie fast jeder Teilnehmer benötigt. Lieber Schaufeln verkaufen als Gold suchen Genau hier liegt derzeit der wohl greifbarste Investment Case. „Aus Investorensicht erscheinen uns weniger die Roboterherstel- ler spannend als die Unternehmen entlang derWertschöpfungskette. Also die, die Sen- soren, Aktuatoren, Leistungselektronik oder Halbleiter liefern“, sagt Sailer. Glöck- ner kommt zu einem ähnlichen Schluss: Noch sei völlig offen, welche Hersteller sich langfristig durchsetzen werden; attraktiver seien derzeit Zulieferer, Plattformanbieter und Chipentwickler. Gerade für europäische Unternehmen eröffnet sich damit eine Chance. Bei Aktua- torsystemen, die elektrische Signale in Bewegung übersetzen und zu den zentra- lenKostenblöcken gehören, kommt Europa laut LBBW auf einen Anteil von rund 34 Prozent am globalen Angebot und liegt damit sogar vor Chinamit etwa 26 Prozent. Deutschland wiederum steht für rund ein Drittel der europäischen Produktion. Hier kommt erneut die Autoindustrie ins Spiel. Zulieferer können vorhandenes Know-how bei Lagern, Getrieben und Aktuatoren auf die Robotik übertragen. Für Anleger hat das einen zusätzlichen Reiz: Sie müssen nicht zwingend auf einen jungen Pure Player wetten, sondern kön- nen auf etablierte Unternehmen setzen, deren bestehendes Geschäft Umsatz und Cashflow liefert und für die Robotik eine zusätzliche Wachstumsoption dar- stellt. Sailer bevorzugt deshalb „etablierte Unternehmen mit profitablem Kernge- schäft, die zusätzlich vom Robotikboom profitieren können, statt auf reine Robo- tik-Wetten zu setzen“. Die Metzler-Studie nennt als investierbares Unternehmen etwa den Autozulieferer Schaeffler. Ein weiterer möglicher Profiteur sei derMedizintechnik- konzernOttobock alsWeltmarktführer im Bereich „Human Bionics“. China skaliert, die USA liefern die Intelligenz Bei der Herstellung von Humanoiden haben sich zwei regionale Pole herausge- bildet. Chinas Stärke liegt vor allem in der kostengünstigen Fertigung und den eng verzahnten Lieferkettenmit Herstellernwie » Aus Investorensicht erscheinen uns weniger die Roboterhersteller spannend als die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. « Mike Glöckner, Technologieanalyst, DJE Kapital Bald, aber noch nicht sofort Erwartete Zeit bis zur Marktreife humanoider Roboter Knapp drei Viertel der 2025 vom Fraunhofer IPA befragten Unternehmen erwarten, dass humanoide Roboter innerhalb der kommenden drei bis zehn Jahren die Marktreife erreichen. Quelle: Fraunhofer IPA: Humanoide Roboter – Game Changer oder Irrweg?, 2025 6% 74% 6% 14% <2 Jahre 3 bis 10 Jahre Frühestens in 10 Jahren Nicht absehbar

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