Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © OHB PRODUKTE & STRATEGIEN Space Economy 190 3/2026 | institutional-money.com Wenn Satellitendaten Entscheidungen verändern Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten inzwischen sind, zeigt gerade die Erd- beobachtung. Satellitendaten werden inzwischen in einer Vielzahl von Bran- chen genutzt. Laut EUSPA entfielen 2024 rund 21 Prozent der weltweiten Umsätze mit Erdbeobachtungsdaten und darauf basierenden Services auf die Land- wirtschaft, 14 Prozent auf Energie und Rohstoffe sowie zwölf Prozent auf Klima, Umwelt und Biodiversität. Versicherun- gen und Finanzdienstleistungen kamen auf neun Prozent. Für professionelle Investoren ist gerade die Verbindung mit Finanz- und Risiko- daten interessant. Satelliten können etwa Schäden nach Naturkatastrophen erfassen, Veränderungen von Flächen dokumen- tieren oder physische Klimarisiken sichtbar machen. „Die Erdbeobachtung ist eine wichtige Anwendung inner- halb des Space-Ökosystems – sowohl für Überwachung und Aufklärung als auch für die Bewertung von Schäden durch Naturkatastrophen, die Messung der Entwaldung im Amazonas oder die Erkennung von Schadstoffemissionen“, sagt LFDE-Fondsmanager Pouchoy. Zusätzlichen Schub erhält die Space Economy durch die gestiegene sicher- heitspolitische Bedeutung. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, welchen Wert kommerzielle Satellitensysteme für Kom- munikation und Aufklärung darstellen können. Für Gausepohl ist Defence inzwi- schen der größte Downstream-Markt. Besonders viel Geld fließe dort derzeit in Erdbeobachtung, Datenanalyse und sicherheitsrelevante Anwendungen. Zu den technologisch interessanten Ent- wicklungen zählt er Hyperspektraldaten. Anders als konventionelle optische Auf- nahmen erfassen Hyperspektralsensoren Informationen in zahlreichen Wellen- längenbereichen und können damit beispielsweise Materialien oder Verände- rungen erkennen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Ein weiterer Wachstumsbereich ist die Satellitenkommunikation. Mit sogenann- ten Direct-to-device-Diensten könnten gewöhnliche Mobiltelefone künftig direkt mit Satelliten kommunizieren. „Die direkte Satellitenverbindung zum Smart- phone könnte eine der Anwendungen sein, die unseren Alltag in den kommen- den Jahren am stärksten verändert“, sagt Henkel. Noch befindet sich der Markt in einer frühen Phase. Doch die Entwick- lung zeigt, wie Satelliteninfrastruktur und alltägliche digitale Dienste zunehmend miteinander verschmelzen. Europas Datenschatz Europa verfügt insbesondere bei der Erdbeobachtung über eine starke Aus- gangsposition. Mit Copernicus steht eine umfangreiche öffentliche Dateninfrastruk- tur zur Verfügung, mit Galileo ein eigenes System für Navigation und Zeitmessung. „Europa ist bei Technologien wie Erd- beobachtung Weltspitze“, sagt Gausepohl. Die Herausforderung bestehe darin, diese Stärke stärker in kommerziell erfolgreiche Geschäftsmodelle zu übersetzen. Im inter- nationalen Wettbewerb fällt Europas Position allerdings je nach Teil der Wert- schöpfungskette unterschiedlich aus. „Im Upstream-Bereich haben die USA tech- nologisch einen deutlichen Vorsprung. Bei der Datenanalyse im Downstream ist Europa deutlich näher dran“, sagt Henkel. Die geopolitische Lage verleiht dem Thema zusätzliche Bedeutung. Satelliten- navigation, Erdbeobachtung und sichere Kommunikation sind längst Bestandteile der kritischen Infrastruktur. Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen staatlicher Infrastruktur und kommer- ziellem Markt. Öffentliche Programme stellen nicht nur Daten und Netze bereit, sondern können auch als Kunden die Ent- wicklung eines kommerziellen Marktes unterstützen. Das zeigt sich bei der Erdbeobachtung. Über ihr Third PartyMissions Programme kauft die ESA Daten kommerzieller euro- päischer Anbieter und stellt sie Nutzern zur Verfügung. Dabei versteht sich die Raumfahrtagentur ausdrücklich als ers- ter Ankerkunde: Die Anbieter erhalten einen verlässlichen ersten Umsatzstrom und Sichtbarkeit, während ihre Daten für die Forschung und neue Anwendungen verfügbar werden. Das Programm umfasst inzwischen Daten von mehr als 60 Satellitenmissionen. Damit entsteht ein Zusammenspiel aus öffentlicher Infrastruktur, staatlicher Nach- frage und privaten Geschäftsmodellen. Für Europa geht es deshalb nicht allein darum, im technologischenWettlauf umRaketen und Satelliten aufzuholen. Ebenso wichtig ist, die vorhandene Infrastruktur und die starke Position bei Erdbeobachtungsdaten wirtschaftlich besser zu nutzen. Ohne Hardware keine Daten So attraktiv die Wachstumsperspektiven für Daten und Dienstleistungen erschei- nen, so wenig lässt sich die Space Economy auf den Downstream reduzieren. Ohne Raketen, Satelliten, Sensoren und Boden- infrastruktur gäbe es weder die Daten noch die Signale, auf denen die neuen Geschäfts- modelle aufbauen. Pouchoy sieht Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungs- kette: „Wir sehen Investmentchancen bei Infrastrukturunternehmen, Herstellern von Raumfahrtausrüstung wie Raketen, Satel- liten und Sonden sowie bei Betreibern von Satellitenkonstellationen, aber auch bei Unternehmen, dieWeltraumdaten nutzen.“ » Sinkende Startkosten ermöglichen mehr Satelliten, mehr Daten und damit völlig neue Downstream- Geschäftsmodelle. « Arne Gausepohl, Head of Digital, OHB

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