Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © VanEck Space Economy PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 189 MIT DEM BÖRSENGANG von SpaceX hat die Weltraumwirtschaft endgültig die große Bühne der Kapitalmärkte erreicht. Der von Elon Musk gegründete Kon- zern kam im Juni mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen US-Dollar an die Nasdaq – höher ist noch kein Unter- nehmen bei einem Börsengang bewertet worden. Schon am ersten Handelstag sprang der Börsenwert über zwei Billio- nen US-Dollar. Der Hype zeigt, welche Erwartungen Investoren inzwischen mit der kommerziellen Nutzung des Welt- raums verbinden. Dabei steht SpaceX keineswegs nur für Raketen. Mit seinen Falcon-Trägern schafft der Konzern Zugang zum All, mit Star- link verkauft er zugleich satellitengestützte Kommunikationsdienste. Damit verbindet SpaceX zwei Seiten der Space Economy: Infrastruktur im All und Dienste auf der Erde. „Raketen sind der Ermöglicher, aber nicht der größte Gewinnpool“, sagt Moritz Henkel, Produktmanager beim ameri- kanischen Asset Manager VanEck. „Die eigentliche Wertschöpfung entsteht auf der Daten- und Diensteebene, wo wie- derkehrende Umsätze und skalierbare Geschäftsmodelle entstehen.“ Das sieht man auch bei der Europäi- schenWeltraumorganisation ESA so. Diese beziffert den weltweiten Upstream-Markt, zu dem vor allem Raumfahrzeug- bau und Startdienstleistungen zählen, für 2025 auf rund 75 Milliarden Euro. Der Downstream-Markt aus Satelliten- kommunikation, Erdbeobachtung und satellitengestützter Navigation kommt dagegen auf etwa 490 Milliarden Euro. Während die Nachfrage im Upstream zu 80 Prozent von öffentlichen Auftrag- gebern stammt, ist der Downstream weitgehend kommerziell. Allein Dienste rund um globale Satellitennavigations- systeme (GNSS) stehen für 77 Prozent die- ses Segments. „Der Downstream-Markt in einer breiten Definition ist bereits heute deutlich größer als der Upstream-Markt“, sagt Arne Gause­ pohl, Leiter des Segments Digital beim Bremer Raumfahrtkonzern OHB. „Die Wertschöpfung entsteht überwiegend und zunehmend aus Daten und deren intelli- genter Nutzung.“ Vom Satellitenbild zur Information Dass sich auf der Daten- und Diensteebene skalierbare Geschäftsmodelle entwickeln können, hat auch mit den gesunkenen Kosten für den Zugang zum All zu tun. Wiederverwendbare Raketen und eine stärker industrialisierte Satellitenproduk- tion haben die Eintrittsbarrieren gesenkt. „Sinkende Startkosten ermöglichen mehr Satelliten, mehr Daten und damit völlig neue Downstream-Geschäftsmodelle“, sagt Gausepohl. Doch mehr Daten allein schaffen noch keinen wirtschaftlichen Mehrwert. Ent- scheidend ist, aus Rohdaten Informationen zu gewinnen, die Kunden unmittelbar nutzen können. Dabei verändert künstli- che Intelligenz die Wertschöpfungskette: Algorithmen können große Mengen von Satellitenbildern automatisiert auswerten, Veränderungen erkennen und relevante Informationen herausfiltern. „Der Kunde will eigentlich gar kein Satel- litenbild sehen. Er möchte einfach die Information, die er für seine Entscheidung braucht. Genau dort schafft künstliche Intelligenz den größten Mehrwert“, sagt Gausepohl. Auch das Geschäftsmodell verändert sich: „Downstream ist ein mar- genträchtiges Geschäft. Datenprodukte lassen sich ähnlich wie Software skalieren – man entwickelt sie einmal und kann sie anschließend an viele Kunden verkaufen“, so Gausepohl. Wie das aussehen kann, zeigen Anbieter wie Planet Labs und Synspective. Nach Einschätzung von Christophe Pouchoy, Manager des Raumfahrtfonds Echiquier Space beim französischen Asset Mana- ger LFDE, nutzen sie zunehmend KI, um Satellitendaten zu analysieren und statt reiner Rohdaten höherwertige Informa- tionen anzubieten – und damit höhere Margen zu erzielen. Der Trend lässt sich bereits am Erdbeob- achtungsmarkt ablesen. Nach Angaben der EU-Agentur EUSPA entfiel 2024 nur ein kleinerer Teil der weltweiten Umsätze auf den Verkauf der Daten selbst; den weitaus größeren Anteil machten darauf aufbauende Services aus. Bis 2034 soll der Gesamtmarkt von rund 3,5 auf zirka acht Milliarden Euro wachsen. » Die eigentliche Wertschöpfung entsteht auf der Daten- und Diensteebene, wo wiederkehrende Umsätze und skalierbare Geschäftsmodelle entstehen. « Moritz Henkel, Produktmanager, VanEck Downstream dominiert den Markt Mit 489 Milliarden Euro ist der Downstream mehr als sechsmal so groß wie der Upstream. Der globale Upstream-Markt kam 2025 auf 75 Milliarden Euro undwuchs gegenüber demVor- jahr um20 Prozent. Der Downstreamerreichte 489 Milliarden Euro und legte um sieben Pro- zent zu. Den größten Anteil daran haben satel- litengestützte Navigationsdienste. Quelle: ESA, Space Economy Report 2026 Upstream-Markt Weltweit 75 Mrd. Euro +20% +7% 489 Mrd. Euro 78 %Herstellung 22 % Startdienste 77 % GNSS inkl. darauf basierender Dienste 22 % Satellitenkommunikation inkl. Videodienste 1 %Erdbeobachtung inkl. Mehrwertdienste Downstream-Markt Weltweit

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