Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © BlueOrchard Frontier Markets PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 185 internationale Investorenbasis sind häufig gering. „Ich würde nicht sagen, dass sie die einzigen Ineffizienzmärkte sind – aber sie gehören sicherlich zu den ineffizientesten“, sagt Lars Dollmann, Senior PortfolioMana- ger bei Aramea Asset Management. Definitionsprobleme Schon die Definition der Region ist unscharf. Helaba-Invest-Manager Christian Ott würde etwa Kasachstan und Usbekis tan aufgrund ihrer finanziellen Robustheit nicht als klassische Frontier Markets ansehen, sondern schon recht nah bei den Emerging Markets ansiedeln. Auch Purvi Harlalka, Senior Emerging Market Sovereign Debt Strategist bei M&G, hält Kasachstan bei Hartwährungsanleihen kaum noch für einen Frontier Market. Gemeinsam sind diesen sehr unterschiedli- chen Ländern vor allemgeringe Liquidität, begrenzte Markttiefe und ein vergleichs- weise kleines investierbares Universum. In Asien rückt jedenfalls Vietnam in den Fokus. Das Land profitiert von der Ver- lagerung von Produktionskapazitäten, ausländischen Direktinvestitionen und einer wachsendenMittelschicht. Für Thozet ähnelt Vietnam inmancher Hinsicht China vor rund 20 Jahren. Schmidbauer warnt allerdings vor einer zu einfachen „China+1“- Story. Auch Vietnam zeige die Grenzen einer reinen Länderwette: So wurde 2025 ein erheblicher Teil der Indexperfor- mance von Vingroup und deren Tochter Vinhomes getragen – mit den damit ein- hergehenden zusätzlichen Klumpenrisiken. Auch Zentralasien gewinnt an Aufmerk- samkeit. M&G verweist auf die Öffnung Usbekistans, Privatisierungen und bes- sere Governance, während das bereits erwähnte Kasachstan robustes Wachstum mit niedriger Staatsverschuldung verbindet. Dollmann sieht zusätzlich Chancen durch Rohstoffe und Infrastrukturinvestitionen in Kasachstan sowie die Öffnung der usbeki- schen Kapitalmärkte. Hochselektiv in Afrika In Afrika sieht Pals Chancen durch steigende Einkommen, die neue Möglich- keiten imFinanz- und Konsumgütersektor eröffnen, sowie durch die reichhaltigen Vorkommen an Seltenen Erden und Basis- metallen, die dem Kontinent strategische Bedeutung verleihen. YannGroeger, Deputy Chief Credit Officer bei BlueOrchard, ver- weist in diesemZusammenhang bei Kenia insbesondere auf das Zusammenspiel von Infrastruktur, Digitalisierung und innova- tiven Geschäftsmodellen. Nigeria wiederum zeigt, wie Reformen einen Investment Case verändern können. Nach der Kürzung von Treibstoffsub- ventionen und der Liberalisierung des Währungsregimes zählt Witold Bahrke, Senior Macro and Allocation Strategist bei Global Evolution, das Land zu den inter essantesten Reformkandidaten unter den Frontier Markets. Auch M&G sieht einen klaren Reformkurs und langfristig Vorteile durch die Größe des Binnenmarktes. Doch gerade Afrikamacht deutlich, warum makroökonomisches Potenzial allein für professionelle Investoren nicht genügt. „Makrowachstum bedeutet nicht automa tisch Kreditqualität“, so Groeger. „Für erfolgreiche Investments braucht es neben einer überzeugenden Länderstory vor allem belastbare Geschäftsmodelle.“ Nicht jedes Alpha ist echt Die geringe Research-Abdeckung schafft zugleichChancen. Bahrke sieht darin „reale Marktineffizienzen – und damit langfristige Renditemöglichkeiten, die noch lange nicht ausgeschöpft sind“. Doch selbst wenn ein Investor eine Fehlbewertung erkennt, heißt das noch lange nicht, dass er sie problemlos ausnutzen kann. Thozet sieht genau darin eine Besonderheit von Frontier Markets: Niedrige Liquidität, Beschränkungen für ausländische Eigentümer, Devisenkontrol- len, Schwierigkeiten bei Verwahrung und Abwicklung sowie Governance-Risiken können verhindern, dass sich Bewertungs- unterschiede durchArbitrage schließen. Die Ineffizienz bleibt also mitunter gerade des- halb bestehen, weil sie schwer handelbar ist. Mit der Entwicklung der Kapitalmärkte können diese Hürden abgebaut werden. Verbesserungen bei Abwicklung und Verwahrung, klarere Regeln für ausländi- sche Investoren und höhere Transparenz können laut Thozet die Liquidität erhö- hen und zusätzliches institutionelles Kapital anziehen. Große Unterschiede beim Wachstum Das wachstumsstärkste Viertel der Frontier Markets hebt sich deutlich vom Rest ab. Frontier Markets sind beim Wachstum alles andere als homogen. Zwischen dem obersten Quartil und den übrigen Märkten zeigen sich große Unterschiede – sowohl beimWirtschafts- wachstum pro Kopf als auch beim Wachstum der Investitionen. Quelle: World Bank, 2026 » Makrowachstum bedeutet nicht automatisch Kreditqualität. « Yann Groeger, Deputy Chief Credit Officer, BlueOrchard 0% *wachstumsstärkstes Quartil der FM **übrige FM der Stichprobe Ø-Wirtschaftswachstum pro Kopf 2000–2024 Übrige FM** FM TopQ* Übrige FM** FM TopQ* Ø-Investitionswachstum pro Kopf 2000–2024 2% 4% 0% 2% 4% 6% 8%
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