Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Trendfolgemodelle PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 161 erlebt, bevor sie einige ihrer bemerkenswer- testen Renditen erzielt haben. Während der globalen Finanzkrise beispielsweise erlitt der SG Trend Index einen Kursrückgang von über 17 Prozent, bevor er sich neu posi- tionierte und eine entscheidende Diversi- fikation ermöglichte (siehe Grafik „Trend- folge als Diversifikator zu Aktien in der globalen Finanzkrise“). Kakao als Pars pro Toto Die letzte Möglichkeit, das Umfeld für Trends zu betrachten, besteht darin, detail- liert vorzugehen und einzelne Märkte zu analysieren. Die Renditen einzelner Märk- te im Trend folgen häufig einem Muster von „kleinen Verlusten, gefolgt von gro- ßen Gewinnen“, bedingt durch die posi- tive langfristige Schiefe des Trendverlaufs. Für einen zu stark auf Rendite fokussierten Investor kann dies frustrierend sein. Es gibt Phasen anhaltender Verluste, was schnell zu Zweifeln an der Effektivität eines einzelnen Marktes und seiner Berechtigung im Port- folio führt. Das beste aktuelle Beispiel hier- für ist Kakao. Rund fünf Jahre lang sorgte der Markt bei systematischen Anlegern für Frustration, denn er entwickelte sich durch- weg unterdurchschnittlich. Gespräche im Jahr 2022 verliefen in etwa folgendermaßen: „Offensichtlich stimmt etwas nicht mit die- sem Markt, weshalb er keinen Trend auf- weist. Es muss Angebotsprobleme geben, oder die Nachfrageelastizität von Schokola- de stimmt nicht.“Dann, ab etwa der zweiten Hälfte des Jahres 2023, begann der Kakao- preis zu steigen, machte alle Verluste wieder wett und erzielte sogar nochmehr, sodass er das Jahr 2024 als einer der leistungsstärksten Märkte in einer diversifizierten Trendstrate- gie abschloss. Das beweist nicht, dass das in allen Märkten stets so verlaufen muss, zeigt aber, worauf Anleger in diesen Strategien vorbereitet seinmüssen. Wie viel stärker könnten die Rückgänge theoretisch ausfallen, als sie in den letz- ten Jahren tatsächlich gezeigt haben? Die Grafik „Illustrativer Track Record“ zeigt exemplarisch eine attraktive Anlagestrate- gie ohne Korrelation zu den Märkten mit einer Sharpe Ratio von 0,6 und einer Vola- tilität von 15 Prozent. Nach 30 Jahren Anla- gedauer hätteman damit mehr als das Acht- fache seines Kapitals erwirtschaftet. Doch wie viele Investoren hätten durchgehalten? Zwischen 2004 und 2008 gab es einenKurs- rückgang von 32 Prozent (vomHöchst- zum Tiefststand), und die Investoren wären gan- ze neun Jahre lang im Minus geblieben. In diesemZeitraumwurde exakt dieselbe Stra- tegie verfolgt, die Renditen stammten aus derselben erwarteten Verteilung, doch das Glück war ihnen nicht hold. Im Gegensatz dazu stand der Zeitraumvon 2020 bis 2025, in dem eine Phase mit hoher Performance erzielt wurde. Drawdowns stellen nicht nur die Zahlen auf die Probe, sondern auch die Nerven. Wie uns die Behavioral Finance lehrt, wird der SchmerzdesVerlustes intensiverwahrgenom- menals die Freude überGewinne. DieVersu- chung, die Strategie aufzugeben, ist indiesen Momenten am größten, doch die Historie zeigt, dass diejenigen, die trotz der Unan- nehmlichkeiten durchhalten, oft belohnt wurden. Dies unterstreicht einen entschei- dendenPunkt: Drawdowns sindkeinBeweis für ein fehlerhaftes System – sie sind ein inhärentes Merkmal probabilistischer Anla- gen. Glück spielt bei kurzfristigen Ergebnis- sen eine Rolle, aber langfristig sprechen die Statistiken für sich. Ein erfahrener Manager mit einem soliden Trendfolgeprozess ähnelt eher dem Kasino als dem Spieler. Es mag zwischendurch Pech geben, aber die Wahr- scheinlichkeit ist langfristig gesehen auf sei- ner Seite. Alles schön und gut, aber kann ein Anlageausschuss denDrawdown verkraften? Es lässt sich zeigen, dass Trendfolgestrategien historisch gesehen nach einem Drawdown gut abgeschnitten haben, aber was sind die Opportunitätskosten im Zusammenhang mit Verkäufen in diesen Phasen? Man AHL hat sich dies anhand der Weiter- entwicklung des vorhin genannten Beispiels Trendfolge als Diversifikator zu Aktien in der globalen Finanzkrise Wertentwicklung des SG Trend Index und des S&P 500 im Vergleich Illustrativer Track Record Exemplarische Wertentwicklung einer Strategie (Sharpe Ratio 0,6, jährliche Volatilität 15 %) Der Vergleichszeitraum reicht von drei Monaten vor Ausbruch der globa- len Finanz- undWirtschaftskrise bis zu deren Ende, also von Juli 2007 bis Dezember 2009. Nach anfänglicher Schwäche des SG Trend Index von gut 17 Prozent positionierten sich die Strategien neu und partizipierten an den Abwärtstrends positiv, sodass sie sich als Diversifikationsinstru- ment zu Aktien bezahlt machten. Quelle: ManGroupDatabase,Bloomberg,SocGen Zwischen 2004 und 2008 gab es einen Kursrückgang von 32 Prozent (frompeak to trough), und die Investoren blieben ganze neun Jahre lang imMinus. Quelle: ManGroupDatabase 2007 2008 2009 -60% -40% 0% -20% 20% SG Trend S&P 500 2000 2010 2020 100 200 400 800 SG Trend -33% Drawdown -32% Drawdown Kumulierte Rendite (log.)
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