Institutional Money, Ausgabe 3/2026

PRODUKTE & STRATEGIEN Trendfolgemodelle 162 3/2026 | institutional-money.com mit einer Sharpe Ratio von 0,6 und einer Volatilität von 15 Prozent angesehen. Oppor- tunitätskosten lassen sich hier berechnen, wenn man eine Drawdown-Regel imple- mentiert. Die Annahme lautet: Bei einem Drawdown von 20 Prozent werden die Posi- tionen aufgelöst. Der Wiedereinstieg in die Strategie erfolgt erst dann, wenn der Draw- down aufgeholt ist. Das Investment dieses dynamischenPortfolios wird auf drei unkor- relierte Strategien aufgesplittet und diese Regel implementiert (siehe Grafik „Exem­ plarische Wertentwicklung dreier unkor- relierter Anlagestrategien“). Der Vergleich erfolgt mit einem Portfolio, das sich aus der gleichmäßigenAllokation über die drei Stra- tegien zusammensetzt (konsistentes Port­ folio). Es stellte sich heraus, dass jede Teilstra- tegie ihre 20-Prozent-Drawdown-Schwelle im 30-Jahres-Beobachtungszeitraum min- destens zweimal gerissen hat. Dies bedeutet, dass Teile der Performance erhebliche Cash- Allokationen aufweisen. Zwar wurden wei- tereDrawdowns vermieden, aber auchnach- folgende Erholungen wurden verpasst. Die Analyse zeigt die Kosten des Schutzes: Das konsistente Portfolio übertrifft das dyna- mische Portfolio mit der Drawdown-Regel deutlich. Es entstehen also spürbare Oppor- tunitätskosten, da langfristig viel Aufwärts- potenzial entgehen kann. Dies ist nur ein Beispiel. Würde man das Experiment 10.000 Mal durchführen und die Ergebnisse betrachten, würde das kon- sistente Portfolio das dynamische Portfolio (mit Drawdown) um durchschnittlich 2,2 Prozent pro Jahr übertreffen. Dieser Mittel- wert über 10.000 Simulationen ist statistisch überzeugend – er tröstet jedoch den realen Anlageausschuss wenig, der im Jahr neun eines Drawdowns seiner Investmentkom- mission Rechenschaft schuldet und dessen Zeithorizont schlicht kürzer ist als jener der Simulation. Die quantitative Aktienstrategie, basierend auf Faktoren, entwickelte sich sehr gut, bis sie 2020 einen starkenKursrückgang erlitt. Es kursierten Gerüchte, dass Faktoren geschei- tert seien, und diese Stimmen verstummten erst nach über zwei Jahren. Man AHL hat anhand eines gleichgewichteten Portfolios, bestehend aus den vier allgemein anerkann- tenmarktneutralenFaktorenValue,Momen- tum, Qualität und Low Beta, mit einem Hebel von zwei nachgerechnet, wodurchdie- ses Portfolio eine jährliche Renditevolatilität von rund zwölf Prozent, vergleichbar mit den anderen untersuchten Portfolios, auf- wies. Die Faktorstrategie entwickelte sich sehr positiv, bis sie im Jahr 2020 einen star- ken Kursrückgang erlitt. Im Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum31. März 2020 erwirt- schaftete die Strategie eine solide Rendite von plus 67 Prozent – ohne Korrelation zu den Aktienmärkten. Ein starker Kursrück- gang von minus 29 Prozent folgte. Dieser Drawdown vernichtete einen Großteil der Gewinne und warf Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit von Faktorinvestments auf. Diejenigen, die ihre Positionen hielten oder sogar aufstockten, sahen ihre Entscheidun- gen jedoch bestätigt: Bis zum30. April 2025 erholte sich der Kurs um84 Prozent von den Tiefstständen. Selbst wennman volles Vertrauen in die sta- tistischen Eigenschaften eines Handelssys- tems hat und weiß, dass es für das Portfolio aufgrund seiner Risk-Return- und Korrela- tionseigenschaftenwichtig ist, die Positionen beizubehalten, erschweren Kursrückgänge diese Entscheidung. Drawdowns können dieGedulddes Investors auf eine harte Probe stellen und dazu führen, dass man beginnt, die Begründung einer Anlageentscheidung zu hinterfragen – und von anderen selbst hinterfragt wird. Man AHL sieht die Auf- gabe seines Forschungsteams darin, alles zu tun, um die Eigenschaften der proprietären Systeme zu verbessern und somit die Schwe- re vonKursrückgängen imVerhältnis zuden erwarteten Renditen zu begrenzen. Die alte Frage, ob dieses Mal doch alles anders ist, beantwortet Korgaonkar mit Nein: „Es ist immer anders, die Welt ver- ändert sich ständig. Aber was Trendfolge betrifft – nein, wir glauben nicht, dass es diesmal anders ist. Wir lernen ständig dazu, entwickeln uns weiter und versuchen, jedes Element derHandelssysteme zu verbessern.“ Korgaonkar gibt zu, die meiste Zeit ein- fach nicht zu wissen, was passieren wird. Vor diesem Hintergrund ist der Trendfol- ger aber weiter davon überzeugt, dass der beste Ansatz darin besteht, am Prozess fest- zuhalten. „Denn Trendfolge hat Renditen generiert, von denen Investoren, die kon­ sequent bleiben, in der Vergangenheit pro­ fitiert haben.“ DR. KURT BECKER Exemplarische Wertentwicklung dreier unkorrelierter Substrategien Allokationen sind in den linken, Renditen im rechten Diagramm dargestellt. Jede dieser drei unkorrelierten Substrategien weist eine Sharpe Ratio von 0,6 und eine annualisierte Volatilität von 15 Prozent auf. Dazu kommt die Drawdown-Regel, dass bei einem Drawdown von 20 Prozent oder mehr Kapital in Liquidität umgeschichtet wird. Eine Neuallokation erfolgt erst, wenn die Strategie wieder ausgeglichen ist (dynamisches Portfolio). Der Vergleich erfolgt mit einer gleichmäßigen Allokation über die drei Strate- gien (konsistentes Portfolio). Das Resultat: Die konsistente Strategie liefert gegenüber der dynamischen einen Mehrwert. Quelle: ManGroupDatabase ‘02 Strategie 1 Strategie 2 Strategie 3 Theoretisch investiertes Kapital ‘10 ‘16 ‘24 ‘02 ‘10 ‘16 ‘24 ‘02 ‘10 ‘16 ‘24 0 100 300 200 ‘96 ‘00 ‘04 ‘08 ‘12 ‘16 ‘20 ‘24 Konsistentes Portfolio Dynamisches Portfolio Neuallokationen von Substrategie 1 Neuallokationen von Substrategie 2 Neuallokationen von Substrategie 3 0,5 Kumulierte Rendite (log.) 2 4 1 16 8

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