Institutional Money, Ausgabe 3/2026

160 3/2026 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN Trendfolgemodelle Die Einschätzung von Crowded Trades oder übermäßig genutzten Handelsstrate- gien ist bekanntermaßen schwierig, obwohl es Anhaltspunkte gibt. Am naheliegends- ten ist die Analyse des verwalteten Vermö- gens und des Handelsvolumens. Hier ist zu erwarten, dass der prozentuale Anteil mit zunehmendemCrowding steigt. Die Daten der BarclayHedge-Datenbank zeigen, dass der Anteil der Managed-Futures-Assets in den letzten Jahren sinkt (siehe Grafik „CTA- Assets und -Futures-Handelsvolumen“). Es gibt somit keine Anzeichen dafür, dass das verwaltete Vermögen von Trendpositionen zu groß wird oder einen zu großen Anteil amFutures-Markt ausmacht, umAnlass zur Sorge zu geben. Eine andere Möglichkeit, diese Frage zu beantworten, besteht darin, die Korrelation zwischen Performance und denKapitalflussdaten zu untersuchen. Theo- retisch könnte man erwarten, dass Kapital- flüsse in oder aus einemstark frequentierten Markt oder einer Strategie einenüberpropor- tionalenEinfluss auf die Performance haben, wobei Zuflüsse Rückenwind und Abflüsse Bremswirkungen erzeugen sollten. Aber: Es finden sich keine Anzeichen dafür, und die Korrelation zwischenKapitalflüssenund der Performance vonTrendfolgepositionen liegt beiminus 0,1. Dieser Zusammenhang bleibt auch bei Verwendung von Performancemit einem Timelag (Verzögerung) oder unter Berücksichtigung absoluter Kapitalflüsse bestehen, was seineRobustheit belegt. Damit ist die Crowding-Frage weitgehend beant- wortet. Ob Trendfolge jedoch nach Kosten undunter realenKapazitätsbedingungendie historischen Renditen replizieren kann, ist eine davongetrennte Frage. KritikerwieCliff Asness vonAQRhaben darauf hingewiesen, dass die Nachkostenmarge für Trendfolge- strategien in der Praxis erheblich geringer ausfällt, als historische Simulationen sugge- rieren – ein Vorbehalt, den auch Man AHL nicht vollständig entkräftet. Seitwärtsbewegungen In der Frage, ob Trendfolge endgültig gescheitert sein könnte, erinnert Korgaonkar an frühere Schwächephasen: „Die Zeit nach der globalen Finanzkrise war durch einen Zentralbank-Put gekennzeichnet, der die Performance beeinträchtigte, da die Zinsen nahe null lagen und die globaleWirtschafts- politik konvergierte.“ Von 2009 bis 2013 erzielte der die 20 größten Trendfolgesyste- me abbildende SociétéGénérale Trend Index eine Rendite von minus 1,8 Prozent, was ihn zu einem schwer zu haltenden Invest- ment machte. Anleger, die jedoch inves- tiert blieben, wurden belohnt und konn- ten 2014 eine herausragende Performance von plus 19,7 Prozent verzeichnen, getrie- ben von stetig steigenden Anleihenkursen, die von Momentummodellen erfasst und zuGeld gemacht wurden. Korgaonkar erin- nert sich: „Es gab viele Zweifel in dieser Zeit, ob Trendfolge noch funktioniert. Aber die­ jenigen, die an ihrer Strategie festhielten, wurden bestätigt.“ Dies erinnert daran, dass Geduld bei syste- matischen Strategienwertvoll ist. Investoren, die ihre Positionen bis 2018 hielten, erzielten nach dieser schwierigen Phase positive Ren- diten. 2025 haben die schwankenden politi- schen Entwicklungen in den USA ein Auf und Ab erzeugt, das Trendfolgestrategien geschadet hat. Kann dieser Zustand ewig anhalten? Nach Ansicht von Man AHL ist dies unwahrscheinlich. Erstens: Wenn sich die Märkte an diese neue Normalität anpas- sen, ebben die anfänglich starken Reaktio- nen und Kursumkehrungen in der Regel ab, sobald sie eingepreist sind. Zweitens: Sollten sich die USA langfristig als unzu- verlässiger Handelspartner erweisen, könn- ten andere Länder und Märkte beginnen, sich neu zu strukturieren, und es könnten sich neue Lieferketten bilden. Dies birgt das Potenzial, neue und divergierende Trends auf den globalenMärkten zu etablieren, die dann adaptierungsfähige Trendfolgestrate- gien nutzen können. Trendfolgestrategien haben auch in der Ver- gangenheit immer wieder unschöne Zeiten CTA-Assets und -Futures-Handelsvolumen Viel Lärm um nichts Die linke Grafik zeigt den Anteil der CTA-Assets als Prozentsatz der gesamten Hedgefonds-Assets, die rechte den Anteil des CTA-Futures-Handels am gesamten Futures-Handelsvolumen. In beiden Fällen ist das verwaltete Vermögen von Trendpositionen nicht zu groß. Von Overcrowded Trades kann man also nicht sprechen. Quelle: ManGroupDatabase,BarclayHedgeund fia.org |DatenumfangvonDezember 1997bisDezember2024 Anteil an gesamten Hedgefonds-Assets 1997 CTA-Assets 2001 2005 2009 2013 2017 2021 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Anteil 2000 Anteil der CTA-Futures am gesamten Futures-Handelsvolumen 2005 2010 2015 2020 0% 1 % 2% 3% 5% 4% 6% 7%

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