Institutional Money, Ausgabe 3/2026

154 3/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Pia Kåll, Michael Morgenroth und René Kassis RENÉ KASSIS: Banken sind vor allem durch die zunehmende Regulierung eingeschränkt, dadurch steigen ihre Kapi- talkosten. Sobald ein Asset nicht mehr eindeutig Investment Grade ist, wird die Eigenkapitalunterlegung für Banken teurer, das hat sich in den vergangenen zehn Jahren stetig verschärft. Wir übernehmen keine Risiken, die Banken aus guten Gründen ablehnen würden. Aber Banken arbeiten mit starren, standardisierten Pro- dukten. Sobald eine Finanzierung etwas Maßgeschneidertes braucht, etwa eine Mischung aus Projekt- und strukturierter Unternehmensfinanzierung, sind wir als Asset Manager deutlich agiler. Zugleich sindwir gegenüber unseren Investoren sehr diszipliniert, und das Vertrauen unserer Investoren, die unsere Erfolgsbilanz genau unter die Lupe nehmen, zu bewahren, ist fundamental für unser Geschäftsmodell. Ist der Risikoansatz von Kreditfonds und Banken also grundsätzlich vergleichbar? MICHAEL MORGENROTH: Die Risiko­ aversion ist auf beiden Seiten ähnlich ausgeprägt. Banken würden denselben Deal, den sie vor zwei Jahren noch finan- ziert hätten, aus regulatorischen Gründen heute oft nicht mehr finanzieren; ein Vor- teil für uns Kreditfondsmanager. Anders als Banken könnenwir uns aber nicht günstig bei der EZB refinanzieren, insofern gibt es auf beiden Seiten Vor- und Nachteile. Wir sind aber agiler und schneller. Und wenn wir ein Term Sheet unterschreiben, muss sich der Kreditnehmer darauf verlassen können, dass wir liefern, sonst kommt es zu einem erheblichen Vertrauensverlust. Genau das haben manche Banken in der Finanzkrise falsch gemacht, als sie zuge- sagte Linien nicht mehr bedienten. Sehen Sie steigende Zinsen eher als Risiko oder als Chance für Ihr Geschäft? RENÉ KASSIS: Aus Sicht von Kredit- investments klar als Chance. Seit dem Zinsanstieg nach Kriegsbeginn in der Ukraine erleben wir eine deutlich gestie- gene Nachfrage institutioneller Investoren nach Kreditstrategien, weil höhere Basis- zinsen auch höhere absolute Renditen bei gleichem Spread bedeuten. MICHAEL MORGENROTH: Für die Ori- gination gilt das Gegenteil dessen, was man vermuten könnte: Die Nullzinsphase war die eigentliche Bedrohung für unser Geschäftsmodell. In Phasen, in denen Kapital keinen Preis hat, lässt sich ein Produkt, das genau diesen Preis ver- kauft, kaum vermitteln. Höhere Zinsen erschweren zwar die Bewertung von Bestands-Assets, eröffnen uns als Kredit- geber aber bessere Konditionen. Es geht stets darum, Lösungen für das jeweils herr- schende Marktregime zu finden. Und mit höheren Zinsen bieten sich oft sogar bes- sere Lösungen an. Bei sogenannten Value-Add-Invest- ments sprechen Sie von einer aktiven Wertschöpfung, die Zinseffekte aus- gleichen kann. Können Sie das an einem Beispiel greifbar machen? PIA KÅLL: Nehmen Sie ein leer stehendes Lagerhaus in bester Lage in Kopenhagen, das wir zu einemmodernen Bürogebäude mit langfristigen Mietern entwickelt haben. Der Wertsprung vom leeren Lager- haus zum fertigen Objekt macht kleinere Zinsschwankungen unterwegs praktisch bedeutungslos. In Finnland haben wir aus einem stillgelegten Logistikzentrum ein klimatisiertes Lager für das Nationalmu- seum gemacht. Man verkauft amEnde ein völlig anderes Objekt als beim Kauf – das ist der Kern aktiver Wertschöpfung. Das- selbe Prinzip funktioniert bei Infrastruktur, etwa beim Ausbau eines kleinen Fern- wärme- oder Glasfaserunternehmens zum Marktführer oder bei unserer Forststrate- gie, wo wir durch Zukauf angrenzender Flächen, Zertifizierung und Verhandlungs- macht beimHolzverkauf zusätzlichenWert schaffen, ebenfalls unabhängig von der Zinsentwicklung. Was unterscheidet Real Asset Debt grundsätzlich von klassischemCorpo- rate Private Debt, das derzeit stärker in der Kritik steht? MICHAEL MORGENROTH: Der ent- scheidende Punkt: Corporate Private Debt, etwa Kredite an Softwareunternehmen, basiert im Kern auf Geschäftsmodellen. Deshalb steht dieser Bereich derzeit unter Druck. Real Estate Debt und Infrastruc- ture Debt dagegen basieren auf Cashflows Welcher Anbieter ist besser für einen Debt-Fonds? Unabhängige Manager haben die Nase vorn. Rund zwei Drittel der deutschen institutionellen Investoren bevorzugen beim Thema Real Estate Debt einen unabhängigen Manager gegenüber einer Bank. Quelle: Kommalpha AG » Es gibt niemand anderen, der eine Real-Asset-Plattform in dieser Form anbietet wie wir. Im Mid-Market sind wir damit einzigartig. « Pia Kåll, CEO von CapMan Kein Unterschied 19,5% Bank 14,6% Unabhängiger Manager 14,6%

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=