Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © François Daburon 3/2026 | institutional-money.com 155 Pia Kåll, Michael Morgenroth und René Kassis INTERVIEW aus realen, werthaltigen Vermögenswer- ten, nicht nur auf einem Geschäftsmodell. Ich nenne sie deshalb gern die verlässlichen Zwillinge innerhalb des großenUniversums Private Debt. Oftmals ist es notwendig, diesen Unterschied zu erläutern, da Inves- toren aufgrund negativer Schlagzeilen dazu neigen, gegenüber Private Debt pauschal vorsichtig zu werden. Warum sind Real Assets auch ange- sichts der aktuellen KI-getriebenen Marktdisruption besonders wider- standsfähig? Und welche Rolle können sie im institutionellen Portfolio künf- tig spielen? PIA KÅLL: Bei Geschäftsmodellenwie der Entwicklung undHerstellung von Software sehen wir gerade massive Verwerfungen und stark schwankende Bewertungen, getrieben von neu aufgekommenen Wett- bewerbern aus demBereich der künstlichen Intelligenz. Immobilien, Infrastruktur oder Wälder dagegen lassen sich nicht ohneWei- teres durch KI ersetzen, wenn überhaupt. Das macht Real Assets erheblich stabiler, mit weniger Abwärtsrisiko. Gleichzeitig hel- fen in diesen Sektoren neu aufkommende KI-Anwendungen, diese Vermögenswerte noch effizienter zu managen, etwa bei der Netzoptimierung. Gerade im aktuellen Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit und KI-Disruption sehe ich unsere Real-Asset- Plattformdaher als attraktiven Baustein für institutionelle Portfolios. In einem bislang stark auf börsennotierte Aktien und klassi- sche Unternehmensanleihen konzentrierten Depot wirken Real Assets diversifizierend und bieten stabile, gut prognostizierbare Erträge. Sie sprechen gar von einem „goldenen Moment“ für das Thema Infrastructure Debt. Was macht diesen Moment aus, und wie groß ist die Finanzierungs­ lücke, die Sie damit adressieren? RENÉ KASSIS: SeltenwarendieRahmen- bedingungen indiesemSektor sogünstigwie jetzt. Auf der einen Seite steht ein enormer Investitionsbedarf, ursprünglich getrieben durchEnergie- undDigitalwende, inzwischen verstärkt durch das Thema Souveränität. Europas Politik entdeckt gerade erst, wie kri- tisch Infrastruktur für strategische Resilienz ist.Wir sprechen interngernvoneinem„Sou- veränitäts-Alpha“, das es zu heben gilt. Der europäische Finanzierungsbedarf für Infra- struktur lag zuletzt bei rund 300 Milliarden Euro im Jahr, für die kommenden Jahr- zehnte gehen wir von rund 800 Milliarden Euro jährlich aus. Weder der öffentliche Sek- tor nochdie stark reguliertenBankenwerden diese Lücke allein schließen können. Damit eröffnet sich institutionellen Investoren über Infrastructure Debt eine erhebliche Chance als dritte Kapitalquelle. HANS HEUSER PIA KÅLL Pia Kåll ist seit März 2023 CEO von CapMan, dem 1989 gegründeten nordischen Asset Manager für Private Assets mit Sitz in Helsinki. Die gebürtige Finnin kam 2016 als Partnerin zu CapMan Buyout und wurde 2017 zur Managing Partner befördert, bevor sie an die Spitze der Gruppe rückte. Vor CapMan saß Kåll im Executive Board des Technologiekonzerns Outotec, verantwortlich für Strategie, M&A, Marketing und Operational Excellence. Ihre Laufbahn begann sie bei McKinsey & Company, wo sie acht Jahre beschäftigt und zuletzt als Associate Principal tätig war. Sie hat einen Abschluss in Ingenieurphysik. Unter ihrer Führung richtete CapMan sein Geschäftsmodell konsequent auf Real Assets aus mit Equity- und Debt-Strategien in Immobilien, Infrastruktur und Natural Capital im Mid-Market. Im August 2025 trieb sie die Mehrheitsübernahme des deutschen Debt-Spezialisten Caerus Debt Investments voran, aus der die Plattform CapMan Real Asset Debt entstand. Seit 2022 sitzt Kåll zudem im Board des finnischen Telekomkonzerns Elisa Oyj.

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