Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Marktliquidität THEORIE & PRAXIS 3/2026 | institutional-money.com 119 Dieser ist grundsätzlich positiv, da er die Liquidität im kurzfristigen Bereich erheb- lich verbessert. Allerdings trägt er kaum zum Ausgleich anhaltender Nachfrage- schwankungen über längere Zeiträume bei. Deshalb hat sich die langfristige Liqui- dität in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Als Beispiel nennen die Forscher Hoch- frequenzhändler beziehungsweise Market Maker, die innerhalb eines Tages mehrere Male kaufenund verkaufen. Auf dieseWeise erzeugen sie ein hohes Bruttovolumen (siehe Grafik „Hin-und-her-Multiplikator“). Doch am Ende des Tages verändert sich ihr Port- folio kaum. Die Bestände, die sie halten, sind außerdemgering. Schließlichmöchten dieseMarktteilnehmer ihre Positionenmög- lichst nicht über Nacht halten. Dazu passt, dass Market Maker wie Citadel und Jane Street zusammen mehr als 30 Prozent des Bruttovolumens, aber weniger als ein Pro- zent des Nettovolumens ausmachen. Das bestätigt frühere Erkenntnisse von Albert Menkveld. Er stellte fest, dass große Market Maker an 14 Prozent aller Transaktionen beteiligt sind, den Handelstag aber meist mit einem Bestand von null abschließen („High Frequency Trading and the New Market Makers [Marko 1.1]“). Der Zusammenhang spiegelt sich auch in den aktuellen Untersuchungsergebnissen wider. Die Autoren schreiben, dass rund 60 Prozent der Roundtrip Trades, also des Hin undHer, auf 15-Sekunden-Basis erklärt werden können. Demnach ist der Hoch- frequenzhandel zu großen Teilen für die Intraday-Liquidität amAktienmarkt verant- wortlich. Den Forschern zufolge führt die hohe Transaktionsfrequenz dazu, dass die Kurse kurzfristig weitgehend zufällig sind – nicht aber langfristig. DieMarketMaker sorgen also überwiegend für Intraday-Liquidität. Schwankungen in der Nachfrage, die über Tage, Wochen oder Monate anhalten, werden aber nicht aus- geglichen. Ein Ungleichgewicht auf diesen Zeitebenen wird deshalb an echte, lang- fristige Investoren durchgereicht. Deren Nettovolumen ist weitaus geringer, sodass sie deutlich sensitiver darauf reagieren. Das erklärt die vergleichsweise großen Kursver- änderungen, wenn derartige Kapitalströme auftreten. Einfluss auf die Preise An dieser Stelle lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Die Autoren nutzen das Verhältnis von Renditevolatilität zu Han- delsvolumen, umden Einfluss auf die Kurse abzuschätzen. Wenn geringe Handelsvolu- mina große Kursbewegungen auslösen, ist der Einfluss also hoch (und umgekehrt). Nun sind aber sowohl die tägliche als auch die vierteljährliche Volatilität im Untersu- chungszeitraum weitgehend unverändert geblieben, während das tägliche Brutto- volumen gestiegen und das quartalsweise Nettovolumen in etwa gleich geblieben ist. Daraus ergibt sich, dass das tägliche Ver- hältnis von Volatilität zu Handelsvolumen seit 1980 etwa um den Faktor fünf zurück- gegangen ist. Die höhere kurzfristige Liquidität wird auch anhand des effek- tiven Spreads über alle Aktien hinweg deutlich. Der Medianwert ist den Untersu- chungen zufolge von acht Prozent im Jahr 1992 auf ein Prozent im Jahr 2024 gefallen. Außerdem hat der geschätzte Fünf-Minu- ten-Preiseffekt etwa um den Faktor vier abgenommen. Zur höheren Kurzfrist- Klare Diskrepanz Brutto- und Nettovolumen von US-Aktien im Zeitablauf Die Grafik zeigt den Medianwert des quartalsweisen Brutto- und Nettohandelsvolumens für US-Aktien, deren institutioneller Besitz mindestens 50 Prozent beträgt. Es ist gut zu erkennen, dass sich die Diskrepanz im Zeitablauf erheblich von einem Faktor von zwei auf etwa acht vergrößert hat. Zuletzt machte das Nettovolumen pro Quartal zwischen sechs und zehn Prozent der im Umlauf befindlichen Aktien aus. Quelle: van der Beck, P. / Bretscher, L. / Fu, J. Z. (2026), Rethinking Volume: The Illusion of Liquidity 30% 40% 50% 60% 80% 70% 20% 10% 0% 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Handelsvolumen Nettovolumen Bruttovolumen

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