Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Finance, University of Lausanne, Washington University in St. Louis THEORIE & PRAXIS Marktliquidität 120 3/2026 | institutional-money.com Liquidität passt auch, dass die Renditen von Reversal-Strategien mit der Zeit syste­ matisch zurückgegangen sind. Das spricht für stärkeren Wettbewerb unter Hoch- frequenzhändlern und eine höhere Markteffizienz im Intraday-Bereich. Das quartalsweise Verhältnis von Vola- tilität zu Nettovolumen blieb dagegen erstaunlich stabil. Das bestätigt die Ver- mutung, dass sich die langfristigen Preiseffekte kaum verändert haben. Der Einfluss, den eine exogene Verschiebung der Nachfrage also auf die Preise hat, ist heute nicht wesentlich anders als vor 45 Jahren. Deshalb können sich institu- tionelle Anleger, die große, langfristige Positionen in die Märkte hinein und aus ihnen heraus bewegen, nicht darauf verlas- sen, dass die oberflächlich hohe Liquidität ausreicht. Das Nettovolumen ist aus die- ser Perspektive der bessere Maßstab für „belastbare“ Liquidität. Interessant ist dabei, dass das Nettovolumen scheinbar über alle Zeiträume zur Liqui- dität beiträgt, auch sehr kurzfristig. Das wäre intuitiv nicht unbedingt zu erwar- ten. Die Forscher schreiben dazu, dass die Bereitstellung von Liquidität intertempo- ral ist. Demnach bewerten die Market Maker ihre Geschäfte danach, wie gut sie Positionen wieder auflösen könnten. Das wiederum hängt auch von der Bereitschaft langfristiger Anleger ab, diesen Orderfluss potenziell zu absorbieren. Wenn die Inves- toren also mit echtemNettovolumen aktiv sind, trauen sich auch die Market Maker, mehr Liquidität bereitzustellen. Fazit für Investoren An der Oberfläche ist das Handelsvolumen in den letzten 45 Jahren stark gestiegen. Aber langfristige institutionelle Anleger spü- ren davon nicht viel. Denn die Fähigkeit der Märkte, anhaltende Nachfrageschocks auf- zufangen, hat sich kaum verändert. Das liegt daran, dass der Zeithorizont vonHoch- frequenzhändlern beziehungsweise Market Makern naturgemäß kurz ist. Sie sind sehr effektiv darin, die Risiken am Markt zu verteilen, tragen das Risiko aber nur in begrenztem Umfang selbst. Ihre Zeitebene geht von Sekunden über Minuten bis Stun- den, bei Small Caps vielleicht auch einige Tage – aber nicht Wochen oder Monate, was echte Nettoliquidität ausmacht. Treten also große, langfristige Kapitalabflüsse auf, ist alles weitgehend beimAlten geblieben. Doch es gibt zumindest etwas Grund für Optimismus. Denn die Autoren halten sich eineHintertür offen. Sie schließen nicht aus, dass der Hochfrequenzhandel zumindest indirekt die langfristige Liquiditätsversor- gung fördert. So könnte zum Beispiel ein Value-Investor, der langfristige Liquidität bereitstellt, eher bereit sein, auf eine Aktie zu setzen, wenn dort auchHochfrequenzhänd- ler aktiv sind. Denn dadurch könnten die Handelskosten im Fall von Notverkäufen wenigstens etwas gedämpft werden. Wenn viele Investoren so denken, könnte mit der Zeit auch das Nettovolumen steigen. Liqui- dität würde weitere Liquidität nach sich ziehen, wie es schon eine alte Börsenweis- heit prophezeite. MARKO GRÄNITZ » Das Nettovolumen spiegelt die langfristige Liquidität besser wider als das Bruttovolumen. « Lorenzo Bretscher, Associate Professor of Finance, University of Lausanne & Swiss Finance Institute & CEPR » Die langfristige Liquidität am US-Aktienmarkt hat sich seit 1980 nicht wesentlich verbessert. « Julie Zhiyu Fu, Assistant Professor of Finance, Olin School of Business, Washington University in St. Louis Hin-und-her-Multiplikator Beispiel zur Veranschaulichung Eine Portfolioumschichtung kann ein Bruttohandelsvolumen generieren, das den Netto-Effekt bei Weitemübersteigt — vor allemwennmehrere Hoch- frequenzhändler beziehungsweise Market Maker auf verschiedenen kurzfristigen Zeitebenen beteiligt sind. Da keiner dieser Intermediäre die Aktien am Ende des Quartals hält, stellen die Geschäfte keine Nettoliquidität dar. Aus dieser Perspektive übernimmt selbst ein Intermediär, der die Position einige Tage hält, die Rolle eines „Market Makers“. Deren Anzahl ist deshalb je nach Aktie, Positionsgröße und Zeitraum unterschiedlich — und damit das Verhältnis zwischen Brutto- und Nettovolumen. Quelle: van der Beck, P. / Bretscher, L. / Fu, J. Z. (2026), Rethinking Volume: The Illusion of Liquidity BlackRock –20 Millionen GE-Aktien Fidelity +20 Millionen GE-Aktien Nettovolumen 20 Millionen Aktien Bruttovolumen 80 Millionen Aktien High-Freq. Trader 1 +20 Mio. Aktien –20 Mio. Aktien High-Freq. Trader 2 +20 Mio. Aktien –20 Mio. Aktien Mid-Freq. Trader +20 Mio. Aktien –20 Mio. Aktien

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