Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © fandijki | Adobe Stock, Harvard Business School THEORIE & PRAXIS Marktliquidität 118 3/2026 | institutional-money.com Scheinbar sind die Märkte heute liquider als je zuvor. Doch einer Studie zufolge trügt dieser Eindruck. Demnach ist die Liquidität in Wahrheit nur oberflächlich vorhanden. Echte Nachfrageschocks treffen den Markt dagegen genauso wie früher. DIE LIQUIDITÄTS-ILLUSION AUF DEN ERSTEN BLICK scheint die Sache eindeutig: Das Handelsvolumen und damit die Liquidität am Aktienmarkt sind in den letzten vier Jahrzehnten erheb- lich gestiegen. Eine Studie verdeutlicht das anhand konkreter Zahlen („Rethinking Volume: The Illusion of Liquidity“). Darin schreiben die drei Forscher Philippe van der Beck (Harvard Business School), Lorenzo Bretscher (University of Lausanne) und Julie Zhiyu Fu (Washington University in St. Louis), dass 1980 durchschnittlich 40 Pro- zent der Aktien umgeschlagen wurden. Im Jahr 2000 waren es im Mittel 100 und im Jahr 2024 über 200 Prozent. Brutto vs. netto Doch eine Sache passt nicht in das Muster: Damals wie heute gibt es Marktphasen, in denen die Liquidität plötzlich nicht aus- reicht. Es scheint, als wäre sie die meiste Zeit da – außer dann, wenn man sie am dringendsten braucht. Sind die Märkte also doch nicht so liquide, wie es das hohe Handelsvolumen aussehen lässt? Die ein- gangs genannte Studie liefert eine klare Antwort. Die Forscher untersuchen darin den Unterschied zwischen Brutto- und Nettohandelsvolumen. Während die Brut- togröße, die alle Transaktionen umfasst, stark gestiegen ist, sieht es netto anders aus. Die Autoren definieren den Teil des Volumens, der mit dauerhaften Umschich- tungen in den Portfolios von Anlegern zusammenhängt, als Nettohandelsvolu- men. Um es zu schätzen, verwenden sie die quartalsweisenDaten der 13F-Aktienbe- stände institutioneller Anleger in den USA. Oberflächliches Hin und Her wird hier also ausgeblendet. Das erstaunliche Ergeb- nis: Das Nettovolumen ist imLauf der Zeit weitgehend stabil geblieben (siehe Grafik „Klare Diskrepanz“). Zeitebenen der Liquidität Den entscheidendenUnterschied zwischen Brutto- und Nettovolumen macht der Stu- die zufolge der Hochfrequenzhandel aus. » Das Bruttohandelsvolumen hat sich seit 1980 verfünffacht, aber das Nettovolumen ist in etwa gleich geblieben. « Philippe van der Beck, Assistant Professor of Business Administration, Harvard Business School

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