Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © University of Utah THEORIE & PRAXIS Renditeanomalien 116 3/2026 | institutional-money.com nommene Aktie auch im darauffolgenden Monat dort verbleibt, beträgt dabei durch- schnittlich 72 Prozent. Bemerkenswert ist, dass dies für Rechnungs legungsanomalien anders aussieht. Frische Signale sind hier nicht die Hauptquelle der Anomalierenditen, sondern mittlere und alte Positionen. Diese machen zusammen durchschnittlich 91 Prozent der Portfolios aus und sorgen damit für 81 Prozent der Renditen. Als Erklärung dafür schreibt der Autor, dass Informationen bei Rechnungs- legungsanomalien allmählicher eingepreist werden. Das dürfte damit zusammenhän- gen, dass sich die zugrunde liegenden Fundamentaldaten beständig entwickeln und die Informationen seltener aktualisiert werden. Bei den Preisanomalien ist das Einpreisen dagegen auf den Zeitpunkt der Signalaktivierung konzentriert. Man muss also klar zwischen den beiden Anomalie gruppen unterscheiden. Praktische Relevanz Die wichtigste Erkenntnis dieser Studie ist, dass die Signale bei Preisanomalien schneller veralten als bei Rechnungs legungsanomalien. Das ist überraschend – und sollte in der Portfoliokonstruktion berücksichtigt werden. Demnach ist es bei Preisanomalien von Vorteil, sich stärker auf Aktienmit frischen Signalen auszurich- ten. Zwar sind dort die Transaktionskosten höher, aber den Untersuchungen zufolge weist dieses Segment die höchsten Renditen auf, sodass sich höhere Umschich- tungsraten untermStrich rechnen dürften. Der Autor schreibt, dass damit auf dem Papier im Durchschnitt eine zusätzliche Nettorendite von 58 Basispunkten pro Monat erzielt werden konnte. Umgekehrt ist es bei veralteten Positionen von Preisanomalien. Deren Nettorenditen sind statistisch nicht von null zu unter- scheiden, sodass das Renditepotenzial hier ausgeschöpft sein dürfte. Da hilft es auch kaum, dass die Transaktionskosten durch das lange Halten der Positionen geringer ausfallen. Bei Rechnungslegungsanomalien fallen die praktischen Implikationen dagegen anders aus. Hier kostet das Fest- halten an den gängigen Sortierregeln kaum Performance. MARKO GRÄNITZ » Die Signalpersistenz hält bei Preisanomalien länger an als das Renditepotenzial. Bei Bilanzierungsanomalien erzielen veraltete Signale dagegen weiter stabile Renditen. « Hanjun Kim, David Eccles School of Business, University of Utah Alpha-Verfall im Zeitverlauf Anomalierenditen halten bei Bilanzanomalien viel länger an. Die Abbildung zeigt nachMarktkapitalisierung gewichtete Renditen von Signalgruppen verschiedenenAlters. Die Portfolios wurden nach ihrer Erstellung unver- ändert beibehalten. Bei Preisanomalien verpufft die Prämie nach dem ersten Monat rasant. Bei Rechnungslegungsanomalien wird die Information langsamer eingepreist, weshalb das Alpha über einen längeren Zeitraum stabil bleibt. Quelle: Kim, H. (2026), Fresh Data, Stale Positions: The Staleness Trap in Market Anomalies Monatliche Long-Short-Rendite in % 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 0,2 0,4 (1) Preisanomalien frische Signale mittelalte Signale veraltete Signale Alter des Anomaliesignals in Monaten 0,6 0,8 1 Monatliche Long-Short-Rendite in % 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 0,2 0,4 frische Signale mittelalte Signale veraltete Signale Alter des Anomaliesignals in Monaten 0,6 0,8 1 (2) Rechnungslegungsanomalien
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