Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Renditeanomalien THEORIE & PRAXIS 3/2026 | institutional-money.com 115 Das geht aus dem Paper „Fresh Data, Stale Positions: The Staleness Trap in Market Anomalies“ von Hanjun Kim (University of Utah) hervor. Auch Preisanomalien betroffen Den Untersuchungen zufolge liegt das Pro- blem bei Preisanomalien darin, dass die Zuordnung eines Signals zumentsprechen- den Portfolio in hohem Maße persistent ist, während die damit verbundene Ren- ditechance wesentlich schneller abnimmt. Wenn eine Aktie es also ins Anomalieport- folio schafft, bleibt sie oft für einen längeren Zeitraum dort. Die Persistenz ist dabei mechanisch oder statistisch begründet. Ein gutes Beispiel ist derMomentum-Effekt. Hier hatten Aktien, die im Long-Portfolio landen, zuvor sehr starke Kursanstiege. Wird das Momentum dabei klassisch über einen rollierenden 11-Monats-Zeitraum gemessen, bleiben sie mit hoher Wahr- scheinlichkeit über mehrere Monate im höchsten Gewinner-Dezil. Das ist oft auch dann der Fall, wenn sich ihre wirtschaft- lich relevante Prämie weitgehend aufgelöst hat, der Kurs also kaum noch steigt oder sogar leicht fällt. Das Portfolio veraltet hier also nicht aus Sicht der Informationen, wie es bei Anoma lien in der Rechnungslegung der Fall sein kann, sondern durch die beständigen Sor- tierregeln für das Portfolio, mit denen das Kapital auf Positionen unterschiedlichen Alters verteilt wird. Schließlich wird nicht unterschieden, ob eine Aktie gerade erst aufgenommen wurde oder ob sie schon seit vielen Monaten enthalten ist, solange das Signal intakt ist. Ein gewisser Teil des Portfolios bleibt damit auch hier in veralte- ten Positionen gebunden, was sich negativ auf die erzielten Renditen auswirkt. Portfoliointerne Lebenszyklen In der Studie verwendet Hanjun Kim das Alter der Anomaliesignale, umden Lebens- zyklus von Positionen zu untersuchen. Konkret ist damit die Anzahl aufeinan- derfolgender Monate gemeint, in denen eine Aktie im Long- beziehungsweise Short-Portfolio bleibt. Als frisch gelten dabei Signale, die im jeweils aktuellsten Monat eingegangen wurden. Positionen, die seit zwei bis sechs Monaten im Ano- -malieportfolio sind, werden als mittelalt bezeichnet. Alle darüber hinaus gelten als veraltet. Untersucht werden insgesamt 91 Rechnungslegungsanomalien und 55 Preis- anomalien auf Basis von US-Daten im Zeitraum von 1960 bis 2024. Die Untersuchungen zeigen, dass ein hoher Anteil der Portfolios von Preisanomalien in veralteten Positionen steckt. Demnach machen Aktien, die über sechs Monate enthalten sind, im Mittel ein Drittel des Portfolios aus, erzielen aber nur acht Pro- zent der Anomalierenditen. Im Gegensatz dazumachen frische Positionen 37 Prozent des Portfolios aus und erzielen die Hälfte der Renditen. Der Rest entfällt auf mittel- alte Aktien. Die höchsten Renditen fallen also kurz nach Aktivierung der Signale an. Danach schwächen sie sichmit zunehmen- der Haltedauer ab. Der Autor bezeichnet das Ganze als portfoliointernen Lebens- zyklus. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine neu ins oberste oder unterste Dezil aufge- Preisanomalien altern schneller Anomalieportfolios sind eine Mischung aus frischen, mittleren und veralteten Positionen. Die Grafik veranschaulicht, wie viele Monate die einzelnen Positionen im Durchschnitt in den Portfolios der beiden Anomaliegruppen vertreten sind. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede imLebenszyklus. So haben Preisanomalien einen viel höheren Anteil frischer Aktien als Bilanzanomalien. Eine Parallele ist, dass beide Gruppen einen hohen Anteil veralteter Positionen aufweisen, was bei Bilanzanomalien aber stärker ausgeprägt ist. Untersucht wurden US-Daten imGesamtzeitraum 1960 bis 2024. Quelle: Kim, H. (2026), Fresh Data, Stale Positions: The Staleness Trap in Market Anomalies, University of Utah (1) Preisanomalien 0% 10% 20% 30% 40% Durchschnittlicher Anteil 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12+ Alter des Signals in Monaten 0% 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12+ 10% (2) Rechnungslegungsanomalien Alter des Signals in Monaten 20% 30% 40% Durchschnittlicher Anteil
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