Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © University of Utah, CaptureAndCompose | Adobe Stock THEORIE & PRAXIS Renditeanomalien 114 3/2026 | institutional-money.com Anomalieportfolios bestehen aus einem Mix von Positionen, die zu verschiedenen Zeitpunkten eröffnet wurden. Eine Studie unter sucht, wie das Alter der Signale mit den Renditen zusammenhängt. Die Ergebnisse dürften überraschen. EINE FRAGE DES ALTERS IN DER EMPIRISCHEN Kapitalmarktfor schung wird eine weitgehend einheitliche Methodik verwendet, um Anomalien zu untersuchen. Dabei werden einzelne Aktien entsprechend ihrer Signalstärke in verschie dene Portfolios unterteilt. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass dies eine gute Näherung für die damit verbundenen Ren ditechancen darstellt. Doch das ist umstritten. So zeigten die Forscher Boone Bowles (Texas A&M Uni versity), Adam Reed (University of North Carolina), Matthew Ringgenberg (Uni versity of Utah) und Jacob Thornock (Brigham Young University) im Paper „Anomaly Time“ anhand von Rechnungs legungsdaten, dass die entsprechenden Informationen zum Zeitpunkt der Port foliobildung mitunter seit Wochen oder Monaten öffentlich verfügbar waren. Veraltete Portfolios Das bedeutet, dass Anomalieportfolios, die nur jährlich oder quartalsweise überprüft werden, teilweise veraltet sind. Schließlich fallen nennenswerte Teile der Anomalie renditen schon im ersten Monat nach Erstveröffentlichung der jeweiligen Daten an. Doch damit nicht genug. Die Signale von Renditeanomalien, die auf Rechnungs legungsdaten basieren, lassen sichmit relativ hoher Genauigkeit vorwegnehmen, wie die gleichen Autoren im Paper „Predicting Anomalies“ zeigen. Tatsächlich dürfte dieser Effekt in der Praxis schon lange ausgenutzt werden (siehe „Vorgezogener Renditeeffekt“ in Institutional Money 2/2025). Anomalien wie Momentum oder das kurzfristige Reversal, die auf fortlaufend beziehungsweise zumindest monatlich aktualisiertenMarktdaten beruhen, können nicht auf diese Art und Weise veralten. Doch aktuelle Inputs allein garantieren noch nicht, dass die Positionen auch wirt schaftlich betrachtet aktuell sind. Ganz im Gegenteil: Auch sie können unrentabel wer den, wenn sie ihren Zenit überschritten haben. Das heißt, wenn sie länger im Portfolio bleiben, nachdem sich die Ren ditechancen erheblich abgeschwächt haben. » Die meisten Anomaliesignale, die auf Rechnungslegungsdaten basieren, lassen sich gut vorhersehen. « Matthew C. Ringgenberg, Emma Eccles Jones Chair and Professor of Finance, David Eccles School of Business, University of Utah
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